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Friedhof der Erinnerungen: Kunst zu Kolumbiens Bürgerkrieg

Buenos Aires. Noch frisch ist die Tinte des Friedensvertrags in Kolumbien, noch offen die Wunden des jahrelangen Konflikts. Eine kolumbianische Künstlerin will bei der Aufarbeitung helfen und widmet sich dem Schmerz und dem Verlust.

Wie Särge auf einem Friedhof sind 165 kleine Glaskästen im Saal positioniert. Andächtig können Betrachter durch die Reihen gehen und sich immer wieder hinunter zu den Ausstellungsstücken der im kolumbianischen Bürgerkrieg gefallenen Personen beugen.

In den Glasbehältern, eingehüllt in einer transparenten, konservierenden Substanz, ruhen die Erinnerungen an die Kinder, Partner und Freunde, die nun nicht mehr sind.

„Es ist ein Werk über den Schmerz“, sagte die kolumbianische Künstlerin Erika Diettes der Deutschen Presse-Agentur bei der Ausstellungseröffnung am Donnerstag. Sieben Jahre lang hat sie an der Objektsammlung „Reliquienschreine“ („Relicarios“) gearbeitet.

Nach Antioquia in Kolumbien ist das Projekt jetzt nach Buenos Aires in die Gebäude der ehemaligen Marineschule ESMA gekommen.

Von Kinderschuhen über Passdokumenten bis hin zu Zahnbürsten: Die Besucher gewinnen in der Ausstellung einen intimen Einblick in die Leben der Verstorbenen. Die Geschichte dahinter bleibt ihnen jedoch verborgen. „Eine Frage der Sicherheit“, begründete die 40-jährige Künstlerin ihre Entscheidung zur Anonymität der Eigentümer.

Erika Diettes begann ihr Projekt noch während des rund 50 Jahre andauernden Konflikts zwischen den linksgerichteten Guerillagruppen und dem kolumbianischen Militär. Die Künstlerin begab sich damit auf gefährliches Terrain. Denn obwohl die Regierung in Bogotá 2016 einen Friedensvertrag mit den FARC-Rebellen schloss, gestaltet sich der Übergang in die Politik für die ehemaligen Guerillas als schwierig. Immer wieder sind sie Opfer von Attentaten und Angriffen.

Sie habe überraschend viel Entgegenkommen erlebt, sagt Diettes. Die Ausstellung gibt den Objekten, die Hinterbliebene gespendet haben, „einen würdevollen Ruheplatz“, so ein Angehöriger. Sie erinnern an einen Konflikt, dessen Aufarbeitung gerade erst begonnen hat.

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