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Müll macht jeder. Aber für die Müllabfuhr müssen Bürger höchst unterschiedlich viel bezahlen. Dortmund liegt im Mittelfeld, Selm weit vorn – und daran sollen die Selmer selbst schuld sein.

Dortmund

, 02.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Der Blick auf die Müllabfuhrgebühren in der Region offenbart gewaltige Unterschiede. Wer beispielsweise eine 120-Liter-Tonne und eine ebensolche für Biomüll hat, die alle zwei Wochen abgefahren werden, der zahlt zusammen in Hamm nur 210,10 Euro, in Dortmund 333,52 Euro, in Selm aber sogar satte 495,48 Euro. (Hier geht es zu den Zahlen.)

Damit hat sich Selm im vergangenen Jahr auf Platz zwei in der Liste der landesweiten Spitzenreiter bei den Abfallgebühren vorgearbeitet. Nur in Münster

muss eine vierköpfige Familie noch mehr bezahlen für die Müllabfuhr. Den Verantwortlichen gefallen solche Vergleiche gar nicht. Nicht nur, weil sie dabei schlecht wegkommen, sondern weil Äpfel mit Birnen verglichen würden, sagt Selms Stadtsprecher Malte Woesmann.

Zuviel Restmüll im Bioabfall

„Die Kosten der Müllverbrennungsanlage führten in Selm zuletzt zu erheblichen Zusatzkosten bei den Kreisabfallgebühren“, sagt Woesmann, und dafür seien die Bürger verantwortlich. Aufgrund der hohen Fehleinwurfmengen habe der verunreinigte Biomüll wie Restmüll verbrannt werden müssen – und das sei teuer.

Deshalb sind Vergleiche schwierig

Abfallgebühren untereinander zu vergleichen, das sei höchst schwierig, sagt auch Matthias Kienitz, Sprecher der für die Müllabfuhr in Dortmund zuständigen Entsorgung Dortmund GmbH (EDG). In Dortmund gebe es den Vollservice, bei dem die Mülltonnen abgeholt würden. Das mache die Sache teurer als bei einem Teilservice, bei dem die Tonnen an die Straße gestellt werden. Dann komme es darauf an, wo man den Müll hinbringe.

Sperrmüllabfuhr wird subventioniert

In Dortmund landet der Abfall in den drei Müllverbrennungsanlagen in Hamm, Hagen und Iserlohn, an denen die EDG selbst beteiligt sei. Außerdem müsse man sehen, welche Dienstleistungen im Preis der grauen Restmülltonne einkalkuliert seien. „In Dortmund haben wir sechs Recyclinghöfe. Würden wir dort kostendeckend arbeiten, müssten die Gebühren viel höher sein. Gleiches gilt für den Sperrmüll. Auch das ist eine subventionierte Dienstleistung, die deutlich mehr kostet als die 20 Euro, die man dafür zahlen muss.“ In Dortmund müssen die Bürger neben den Abfallgebühren für Rest- und Biomüll auch – wenn auch subventionierte – Gebühren für Sperrmüll, Elektrogeräte oder die Nutzung der Recyclinghöfe bezahlen.

Ein Plädoyer für eine Einheits-Gebühr

Kein gutes Verfahren, meint Dr. Peter Queitsch, Hauptreferent beim nordrhein-westfälischen Städte- und Gemeindebund: „Wir empfehlen unseren Mitgliedern eine pauschale Abfallbeseitigungsgebühr, in der alle Abfälle enthalten sind und die nach Litern der Restmüllgefäße berechnet wird. Der Vorteil der Einheitsgebühr ist: Hast du Abfälle, wirst du die auch los. Das funktioniert am besten.“ So macht das etwa Ascheberg. Dort gibt es eine Jahrespauschale von 228,48 Euro (Restmüll wird nur alle vier Wochen abgefahren) und das war’s.

„Nein, das ist für uns nicht sinnvoll“, entgegnet Dortmunds EDG-Sprecher Kienitz: „Es verbietet sich einfach, eine kleine Stadt wie Ascheberg mit einer Großstadt zu vergleichen. Da sind die Verhältnisse einfach zu unterschiedlich.“

Was Müllgebühren mit McDonalds zu tun haben

Ja, Unterschiede gibt es, pflichtet ihm Queitsch bei: „Die Müllgebühren sind deshalb so unterschiedlich, weil wir nicht bei Mc-Donalds sind und Burger mit einem einheitlichen Standard bundesweit verkaufen.“

Gleichwohl halte er eine pauschale Gebühr für sinnvoll, denn: „Wenn man zusätzlich für etwas zahlen muss, steigt die Zahl von wilden Müllkippen. Wenn Sperrmüll kostendeckend abgeholt würde, würde das pro Abholung 100 Euro kosten. Würden wir das machen, würde der Sperrmüll wieder da landen, wo er nicht hingehört.“ Und das verursache wiederum hohe Kosten, die dann auf alle Gebührenzahler umgelegt werden müssten.

Das Problem der Nacht- und Nebelkipper

Wilde Müllkippen sind auch in Dortmund ein massives Problem. 2017 habe man in Dortmund rund 3600 wilde Müllkippen beseitigen müssen, berichtet Kienitz, und: „Die Zahl der Einsätze steigt. Das ist eine traurige gesellschaftliche Entwicklung.“ Viele Menschen spürten offenbar keine Verantwortung mehr für den öffentlichen Raum. Das sei in einer Großstadt wie Dortmund bei einer größeren Anonymität noch spürbarer als im ländlichen Raum.

Seit vier Jahren geht die Stadt gegen Nacht- und Nebel-Kipper („Nunkis“), die ihren Unrat in die Landschaft kippen, mit Mülldetektiven vor – mittlerweile mit zwei hauptamtlichen Mitarbeitern. Mit Erfolg. 2017 gab es allein 85 abgeschlossene Verfahren gegen „Nunkis“. Erwischte Müllsünder müssen neben saftigen Bußgelder auch mit hohen Entsorgungskosten rechnen.

Alle Kosten müssen eingerechnet werden

Helmut Dedy, Geschäftsführer des Städtetages Nordrhein-Westfalen, sagt: In jedem Fall müsse die Gebührensatzung der jeweiligen Stadt und jeder Gebührenbescheid letztlich einer gerichtlichen Überprüfung standhalten. Heißt: Die Müllabfuhr ist eine kostenrechnende Einrichtung: Alle Kosten, die dadurch verursacht werden, fließen auch in die Gebührenkalkulation ein.

Für das nächste Jahr rechnet Dortmunds EDG-Sprecher Kienitz bei den Müllgebühren nicht mit großen Sprüngen: „Ich gehe davon aus, dass wir im Bereich der Inflation bleiben werden.“

In Selm droht die nächste Erhöhung

Und in Selm? Da sind die meisten Sonderleistungen wie Grünafuhr und die Nutzung des Wertstoffhofs kostenlos, allerdings muss man für die Sperrmüllabfuhr bezahlen - 15 Euro. Und ob die Gebührenschraube in Selm weiter nach oben gedreht wird, ist offen, denn: Dort ist der Bau eines neuen Wertstoffhofs in Planung - und auch der muss über die Abfallgebühren finanziert werden.

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