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Gedenkseiten in Web sollen Erinnerung lebendig halten

Bremen (dpa) Kerzen am Grab anzünden, Kränze niederlegen oder durchs Fotoalbum blättern - es gibt viele Wege, um sich an gestorbene Verwandte oder Freunde zu erinnern.

Gedenkseiten in Web sollen Erinnerung lebendig halten

Die Internetseite «UnsereLiebsten.de»: Dort können Trauernde eine virtuelle Gedenkstätte für ihre Liebsten einrichten. (Bild: dpa)

Doch was tun, wenn Omas Grab nach vielen Jahren im Ausland nicht mehr existiert? Oder man keinen Kontakt mehr zu der Familie des alten Schulfreundes hat? Für die drei Bremer Thorsten Reinhold, Norman Völzke und Lars Segelke liegt die Lösung im Internet: Sie haben eine Webseite entwickelt, auf der Trauernde virtuelle Gedenkstätten für ihre Liebsten anlegen können. Die Idee stammt aus den USA, aber auch in Deutschland entsteht allmählich eine Trauerkultur im Internet.

Der Bedarf für solche Angebote ist definitiv da, findet Segelke: «Vor ein paar Jahren ist eine Freundin von mir gestorben und vor einem Jahr meine Tante», erzählt der 37-jährige Psychologe. «Und jedes Mal habe ich die Erfahrung gemacht, dass nach der Trauerfeier keiner mehr zusammen gekommen ist, um Erinnerungen oder Fotos auszutauschen. Das ist schwierig, wenn alle über Deutschland oder die Welt verstreut leben.»

Am 1. Dezember soll «unsereliebsten.de» online gehen. «Dort kann man schöne Erinnerungen, die man mit dem Verstorbenen verbindet, mit anderen teilen», erläutert der 30 Jahre alte Medieninformatiker Reinhold das Konzept. Mit wenigen Mausklicks können die Nutzer eine Gedenkseite erstellen, auf die sie und andere Fotos, Videos und Audio-Dateien laden oder Beileidsbekundungen und Anekdoten schreiben können. Während der Testphase soll das Angebot noch umsonst sein. Später wird die Gedenkstätte monatlich rund 6 Euro, im Jahr knapp 50 Euro oder fast 100 Euro für 30 Jahre kosten.

Auch andere Anbieter haben das Geschäft mit der Trauer entdeckt. «In Deutschland sind in der Zeit, in der wir unsere Idee entwickelt haben, drei andere online gegangen», sagt Völzke. Darunter die seit April bestehende Internetseite «e-bestattung.de» aus Flensburg, die einen ähnlichen Service anbietet. Eine Gedenkseite inklusive Kondolenzbuch kostet die Trauernden 279 Euro. «Heute gibt es keinen Anlaufpunkt mehr wie ein Grab», erläutert Marketing-Mitarbeiter Dirk Ohlsen. Immer mehr Menschen ließen sich zum Beispiel Einäschern und ihre Asche dann auf Wiesen oder im Meer verstreuen. Die Zahl der Nutzer will er jedoch nicht nennen.

Noch länger - nämlich seit mehr als zehn Jahren - existiert die im rheinland-pfälzischen Arzbach beheimatete Webseite «trauer.org». Auf ihr können Trauernde virtuelle Kerzen anzünden, Blumen und Bäume pflanzen oder einen Gedenkstein aufstellen. «Das Ausdrücken von Schmerz geschieht nicht nur mit Reden und Tränen, sondern auch mit solchen Ritualen», begründet der Theologe und Betreiber Adolf Pfeiffer. Ergänzend dazu bietet er moderierte Live-Chats und Seminare zur Trauerbewältigung an, die jährlich 110 Euro pro Person kosten. «Viele Menschen sind mit der Trauer alleine», erzählt er. «Wenn früher jemand starb, wurden die Angehörigen stark aufgefangen von der Großfamilie und Nachbarn. Das ist heute so nicht mehr vorhanden.»

Diesen Trend hat die Evangelische Kirche längt erkannt. Seit 2002 unterhält sie mit «trauernetz.de» eine Anlaufstelle im Internet. Hier finden Trauernde praktische Informationen zur Beerdigung, Patientenverfügung und finanzieller Vorsorge - aber auch Trost. Neben Adressen von Seelsorgern gibt es Gebete, Gedichte und Meditationstexte. «Trauer ist ein Prozess, während dem man auch mal bewusst für sich sein will», erklärt Johannes Neukirch von der Landeskirche Hannover, die sich mit mehreren Kirchen an dem Projekt beteiligt. «Freunde können einem dabei nicht immer helfen.»

Trauerportal I: www.unsereliebsten.de

Trauerportal II: www.e-bestattungen.de

Trauerportal III: www.trauer.org

Trauerportal IV: www.trauernetz.de

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