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Parteienforscher von Alemann

"Gegen Laschet und Laumann sind die Jungen Leichtgewichte"

Düsseldorf Armin Laschet und Karl-Josef Laumann - nicht alle in der NRW-CDU sind zufrieden mit der Doppelspitze aus altgedienten Polit-Haudegen. Lisa Seiler sprach mit dem Düsseldorfer Parteienforscher Ulrich von Alemann über Hinterzimmer-Entscheidungen, Erfolgsaussichten und die Ängste von Jungpolitikern.

"Gegen Laschet und Laumann sind die Jungen Leichtgewichte"

Der Düsseldorfer Parteienforscher Ulrich von Alemann rät, den Polit-Nachwuchs zu fördern.

Sie muss sich von unten wieder aufbauen und von oben konsolidieren. Nach unten aufbauen bedeutet, dass man die innerparteilichen Wunden, die der Wahlkampf geschlagen hat, heilen muss. Das ist eigentlich gar nicht so schwer, weil Norbert Röttgen, der nicht bereit war, sich ganz auf Nordrhein-Westfalen einzulassen, die Partei gespalten hat. Das hat die CDU im Wahlkampf verunsichert, demotiviert und demobilisiert. Das ist natürlich Gift für eine Partei. Dieses Problem ist aber erst einmal erledigt, dadurch dass Röttgen einen klaren Schnitt gemacht. Das Problem, dass die Partei neu geführt werden muss, ist allerdings noch ungelöst. Da hat man eine halbherzige Lösung gewählt, indem Herr Laumann den Fraktionsvorsitz behalten darf und man Herrn Laschet zum Landesvorsitzenden machen möchte. Aber bis das nächste Spitzenkandidaten-Problem ansteht, hat man ja wahrscheinlich drei, vier Jahre Zeit.  

Das ist eine ganz schwierige Frage. Keiner von beiden ist ein bundesweit bekannter Überflieger. Und keiner von beiden repräsentiert die ganze Partei. Laumann ist ein klar profilierter Westfale, Laschet ein Rheinländer. Insofern ist eine alte Problematik der CDU in NRW jetzt wieder aufgerissen: Nämlich die, dass sich diese beiden Gruppen nie so recht einig werden konnten. Diese Wunde hatte man unter Rüttgers eigentlich vernarben lassen. Dazu kommt: Laumann repräsentiert eher die ländliche katholische Traditions-CDU, Laschet eher den großstädtischen Teil. Und auch wenn der großstädtischen CDU mit den Wählern, die eher Mitte und Jugend repräsentieren, die Zukunft gehört, kann die CDU auf die Stammwähler aus den ländlichen Räumen natürlich nicht verzichten. Es muss ein Kandidat gefunden werden, der beide Gruppen anspricht. In der Zwischenzeit mögen Laschet und Laumann, wenn sie miteinander auskommen, die Partei gut repräsentieren. Am Ende aber braucht man eben doch einen Spitzenkandidaten.

Das müsste sie. Sie ist aber vermutlich überfordert, das jetzt in einem Schritt zu tun. Die Niederlage war so deprimierend, dass die Partei erst mal ihre Wunden lecken möchte. Insofern ist es verständlich, dass die CDU sagt: Wir leben jetzt erst mal mit der Doppelspitze. Doch das kann nur eine Lösung auf Zeit sein. Wenn die Hälfte der Legislaturperiode um ist, muss man schon mal darüber nachdenken, wem in der Partei eigentlich die Zukunft gehört und vielleicht einem dritten Kandidaten Platz machen.

Das wäre sicher keine schlechte Strategie – wenn man denn jemanden findet. Noch ist da niemand in Sicht.

Ja. Aber damit ist sie nicht alleine. Solche Generationswechsel sind auch nicht bruchlos möglich. Das zeigt sich ja etwa am Beispiel der Bundes-FDP. Jugend alleine ist also kein Erfolgsrezept.

Stimmt. Lindner hat einen Ruck-Effekt erzeugt. Ein Grund für seinen Erfolg war allerdings auch die Enttäuschung vieler CDU-Anhänger.

Nun ja. Unter diesen Kandidaten ist jedenfalls kein Christian Lindner. Die Überfliegermentalität, die Lindner verkörpert, ist bei diesen vier nicht zu finden, denke ich.

Das ist schon ein Problem. Die Parteien haben viele Mitglieder verloren. Sie müssen sie eigentlich motivieren und teilhaben lassen. Die CDU hätte natürlich auch zu einem Mitgliederentscheid greifen können. Allerdings hat man damit bei der Entscheidung für Röttgen so schlechte Erfahrungen gemacht, dass man davon diesmal lieber die Finger gelassen hat. Dass es letztlich eine typisch parteipolitische Hintergrund-Kungelei war, ist richtig – und natürlich auch kein Zeichen für einen echten Neuanfang.

Das glaube ich nicht. Ich denke, die meisten in der CDU wollen Frieden einkehren lassen und keinen Kampf auf Biegen und Brechen.

Die Jungen sind im Vergleich zu Laschet und Laumann zu unbekannt. Gegen die beiden sind das alles Leichtgewichte. Deshalb hat sich wohl keiner getraut.

Das ist bei den meisten Parteien so. Abgesehen von der noch jungen Piratenpartei. Alle haben Probleme mit der Rekrutierung junger Mitglieder. Selbst bei den Grünen konkurrieren nicht gerade 30-Jährige um die Spitze.

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