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Geier fallen über Annen her

DORTMUND/ANNEN Der Ruhrpott-Karneval „Geierabend“ feierte Donnerstagabend seine begeisterte Premiere für die Spielzeit 2008 und mit ihm auch das „Betriebsorchester Witten-Annen“, das vor vollen Rängen in der Zeche Zollern II/IV die „Annen-Hymne“ intonierte.

von Von Dietmar Bock

, 28.12.2007
Geier fallen über Annen her

Das Betriebsorchester Witten-Annen.

Präsentiert wurde der Höhepunkt des neuen Programms „Wir lachen vor Madagaskar“ von der „Miss Annen“, die ihren Titel seit 1971, mit Ausnahme von 2001 (“Da hatte se Zahnarzt“) inne hat. Sandra Schmitz verkörpert die Schönheit einzigartig, gekleidet in einem einfachen, türkisen Kleid (“Dat is ihr eigenes - und ihr einziges“) mit roten, krausen Haaren, hervorstehender, unvollständiger Zahnreihe und herrlich verschrobenem Gesicht.Modisch daneben Und erst das modisch so völlig daneben gedresste Orchester (“Die haben wir erstmal bei der Diakonie eingekleidet“) mit Matthias Dornhege (Tuba), Gilda Razani (Saxofon), Hans Wanning (Ziehharmonika), Bettina Hagemann (Saxofon) und Andreas Ruhnke (Becken) war optische Augenweide wie klangliche Vielfalt, die irgendwie nicht zusammenpasste und dennoch gut klang. Besonders beeindruckend die „Ruhr-rauf-und-runter-Rhapsodie“ aus dem „Zyklus gemischte Winde“, die die „Abteilung „Tee und Licht aus unserm Möbelhaus“ präsentierte und an Schrägheit nicht zu überbieten ist. Weniger gut kommt Wittens Stadtteil bei der Dortmunder Kult-Gaudi mit der „Annen-Hymne“ weg. „Wir lassen das Elend in Annen, denn da gehört es hin“, machten sich die singenden Geier zur Musik von „Wir losse de Dom in Kölle“ über Annen her. Und auch die Annener/innen mussten starke Nehmerqualitäten zeigen. Während die Miss reimte: „Annen, Du Sehnsucht meiner Träume, an Schönheit reich, bei Dir wachsen Bäume von unten nach oben - auffem Bürger-steich“, fand Conferencier Martin F. Risse wenig Schmeichelhaftes.Wunderheilungen „Wir waren im Sommer mit 50 Fans in Annen. Das war da der kulturelle Höhepunkt. Sie können sich nicht vorstellen, was da los ist“, so der Moderator, der im August auf dem Annener Marktplatz Wunderheilungen (“Ein Blinder konnte gehen“) sah und weiter berichtete, wie man den Orchestermitgliedern Schuhe besorgte, mit ihnen das Binden von Schnürsenkeln und das Bus fahren trainierte: „Vorgestern sind sie los, heute sind sie hier auf der Bühne“, jubelte nicht nur Risse. Mit der äußerst gelungenen Persiflage, die mit Bildern von Annener Originalschauplätzen (Marktplatz, Bahnübergang etc.) vor dem Geier-Saal in Szene gesetzt wird, machten die Geier reichlich Beute. Aber was weiß der Geier schon, wie bekannt Annen, der „schönste Platz auffe Welt“, dann noch wird - für den 3. und 4. Januar hat sich das WDR-Fernsehen für Aufnahmen angesagt.