Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Gentechnisch produzierter Antikörper soll Blutkrebs heilen

Washington/München (dpa) Deutsche Wissenschaftler haben eine neue Blutkrebs-Therapie aus einem gentechnisch hergestellten Antikörper entwickelt. Der neue Antikörper bringe das körpereigene Immunsystem dazu, den Krebs zu bekämpfen.

Das schreiben Forscher um Ralf Bargou von der Universität Würzburg im US-Journal «Science» (Bd. 321, S. 974). Bei einer ersten Studie mit 38 Patienten mit der Blutkrebsart Non-Hodgkin-Lymphom hätten 11 angesprochen, erläuterte Patrick Baeuerle von der in München und den USA ansässigen Biotech-Firma Micromet. Sie hat den Antikörper entwickelt und zusammen mit den Universitätskliniken München, Würzburg, Essen, Ulm und Mainz erstmals an Patienten erprobt.

Bei der höchsten Dosierung, die bei sieben unheilbar kranken Patienten getestet wurde, habe der Antikörper sogar in allen Fällen angesprochen. «Das ist sehr ungewöhnlich», sagte Baeuerle. Von einer Heilung könne man aber noch nicht sprechen.

Die Therapie sei bei den bisherigen Dosierungen insgesamt gut verträglich geblieben. «Ganz sicher sehen wir nicht die klassischen Nebenwirkungen einer Chemotherapie», sagte Baeuerle. «Die meisten Patienten bekommen bei der Behandlung Fieber und Schüttelfrost wie beim Beginn einer Grippe. Das lässt aber nach ein paar Tagen nach.» Auch die meisten anderen Nebenwirkungen seien meist von begrenzter Dauer und insgesamt gut beherrschbar gewesen.

Der neue Antikörper namens Blinatumomab hat laut Baeuerle zwei Greifarme. Mit dem einen hakt er sich an den Tumorzellen fest, mit dem anderen fängt er sogenannte T-Zellen, die im Körper praktisch als «Polizei» entartete Zellen bekämpfen sollen. Bei Krebs hätten diese Killer-T-Zellen die Fähigkeit verloren, den Tumor zu erkennen. Deshalb könne das Immunsystem den Tumor nicht bekämpfen. «Was wir tun, ist, dass wir diesen T-Zellen wieder eine Brille aufsetzen.» Indem die Antikörper die T-Zellen nahe an den Tumor heranführten, würden diese wieder aktiviert, gegen den Krebs vorzugehen. «Wir heilen uns also selbst mit unseren eigenen Immunzellen.»

Seit Dezember laufe auch eine Studie mit Patienten mit akuter aggressiver Leukämie, dort könnten aber noch keine Ergebnisse veröffentlicht werden. Eine weitere Studie mit einem neuen Antikörper, der T-Zellen einfängt, habe bei Patienten mit Magen-, Darm- und Lungenkrebs begonnen.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Wissenschaft

Ärzte röntgen bei Rückenbeschwerden vorschnell und zu oft

Wenn der Rücken weh tut, sofort zum Arzt und möglichst schnell geröntgt werden? Bei Schmerzen im Kreuz reagieren Patienten und Ärzte häufig übertrieben, wie eine Studie zeigt. Denn bildgebende Verfahren können auch kontraproduktiv sein.mehr...

Wissenschaft

Hirnchip lässt gelähmte Affen laufen

Lausanne (dpa) Dank eines speziellen Implantat-Systems können gelähmte Affen wieder laufen. Ein kleiner Schritt für einen Affen - ein großer Schritt für die Medizin?mehr...

Wissenschaft

Siliziumkugel soll Kilogramm neu definieren

Braunschweig (dpa) Runder und glatter geht es kaum noch: Die silbrig schimmernde Kugel ist so perfekt, dass sie nirgends mehr als rund 50 millionstel Millimeter (Nanometer) von der idealen Form abweicht.mehr...

Wissenschaft

Weibliche Goldhamster in freier Natur tagaktiv

London (dpa) Goldhamster gelten als nachtaktive Tiere und bringen manchen Haustierfreund um den Schlaf. In freier Natur sind Goldhamster-Weibchen jedoch überraschenderweise tagaktiv, wie Forscher nun herausgefunden haben.mehr...

Wissenschaft

Ärzte entfernen krebskranke Niere durch die Scheide

Barcelona (dpa) Erstmals in Europa haben spanische Mediziner einer Frau eine Niere durch die Scheide entfernt. Die 66-jährige Patientin konnte zwei Tage nach Entnahme der krebskranken Niere aus dem Krankenhaus in Barcelona entlassen werden.mehr...