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Geschlechtertrennung im Unterricht in der Diskussion

Wittener Schulen

Der Vorschlag von NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann, Jungen und Mädchen im Schulunterricht auch mal getrennt zu unterrichten, spaltet in Witten die Gemüter. Manche Lehrer und Schulleiter halten die Idee für durchaus sinnvoll, andere finden den Vorschlag unnötig.

WITTEN

von Von Beatrice Haddenhorst

, 05.06.2012

Wenn die Jungen im Informatikunterricht beherzt in die Computertasten hauen oder im Chemieunterricht mit Reagenzgläsern und Erlmeyerkolben die Versuchsreihen aufbauen, lassen die Mädchen sie gern gewähren. „Sie haben oft Angst, etwas falsch zu machen. Die Jungen experimentieren einfach“, beobachtet Walter Sander, Oberstufenleiter an der Holzkamp-Gesamtschule in seinem Unterricht. Dabei haben die Mädchen so viel Zurückhaltung gar nicht nötig, weiß Axel Meuren, Leiter der Adolf-Reichwein-Realschule: „Sie arbeiten viel sorgfältiger und ihre Ergebnisse sind oft besser.“ Jungen und Mädchen im Schulunterricht auch mal getrennt zu unterrichten, wie NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann jetzt vorgeschlagen hat, halten beide Lehrer für durchaus sinnvoll.

Dabei denkt Meuren nicht nur an Mathe und die Naturwissenschaften: „Man könnte auch die Jungen in den Sprachen fördern, wenn man sie von den sprachgewandteren Mädchen trennt. Nur organisatorisch ist das an unserer Schule kaum machbar. Da fehlen Lehrer und Platz. In jedem Jahrgang haben wir drei Klassen, so dass wir auch nicht mischen können. Da bliebe immer eine Klasse übrig.“ Ulrich Janzen, kommissarischer Leiter des Ruhr-Gymnasiums sieht auch im ganz normalen Unterricht durchaus Möglichkeiten, Mädchen und Jungen separat arbeiten zu lassen: „Das geht bei der Gruppenarbeit, aber auch durch die Stellung unterschiedlicher Aufgaben. Dazu muss man die Schüler nicht auch räumlich trennen.“ Für völlig falsch würde Janzen es halten, auch wieder getrennte Schulen zu schaffen: „Schließlich ist das soziale Lernen untereinander auch sehr wichtig.“

Geschlechtertrennung in der Grundschule hält Ulrike Gilsebach, Leiterin der Harkortschule für unnötig: „Wir achten sowieso darauf, dass alle entsprechend ihren individuellen Fähigkeiten zum Zuge kommen. Viel wichtiger wären für uns kleinere Klassen, damit man sich jedem einzelnen Kind besser widmen kann.“ Ihr Kollege Uwe Tutas von der Erlenschule sieht es ähnlich: „Mal abgesehen von der Sexualerziehung gibt es keinen Grund für getrennten Unterricht. Die Kinder lernen voneinander und miteinander.“