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Getötete 14-Jährige: Was im Fall Susanna geschah

Ein Mädchen verschwindet - einige Tage später wird seine vergrabene Leiche an Bahngleisen gefunden. Der mutmaßliche Täter flüchtet in den Irak, wird aber kurz darauf gefasst. Die Chronologie eines aufsehenerregenden Falls.

von Von Jan Brinkhus und Elena Metz, dpa

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Wiesbaden

, 08.06.2018
Getötete 14-Jährige: Was im Fall Susanna geschah

Polizisten sichern die Zufahrt zu einem Bereich, in dem Susannas Leiche gefunden worden war. Foto: Boris Roessler

Weiße Rosen liegen auf einem Schwarzweißfoto von Susanna in der Nähe des Fundorts ihrer Leiche bei Bahngleisen. Die 14-Jährige starb wahrscheinlich schon kurz nach ihrem Verschwinden am 22. Mai. Was in diesem Fall geschah:

In der Nacht auf den 23. Mai kommt Susanna nicht nach Hause. Nach bisherigen Erkenntnissen der Wiesbadener Ermittler wird sie abends oder in der Nacht vergewaltigt, umgebracht und in einem Erdloch verscharrt. Der Fall löst großes Entsetzen aus und heizt die Debatte um kriminelle Flüchtlinge an. Denn der mutmaßliche Täter, ein irakischer Flüchtling, war polizeibekannt.

Am 23. Mai meldet ihre Mutter Susanna bei der Polizei am Wohnort in Mainz als vermisst. Auch die Polizei in Wiesbaden wird eingeschaltet, da Susanna zuletzt dort in der Innenstadt unterwegs war. Eine Woche später bekommt Susannas Mutter abends von einer Bekannten ihrer Tochter eine Mitteilung, dass Susanna tot sei und ihre Leiche an einem Bahngleis liege. Sie wendet sich daraufhin an die Polizei in Mainz und Wiesbaden. Die Beamten können aber die Hinweisgeberin zunächst nicht befragen, weil sie auf Kurzurlaub mit ihrer Mutter ist.

In den kommenden Tagen setzt die Polizei bei der Suche unter anderem einen Hubschrauber ein, findet nach eigenen Angaben aber nichts. Der tatverdächtige 20-jährige Iraker fliegt mit seiner Familie am Samstagabend von Düsseldorf nach Istanbul und von dort aus weiter in den Irak. Am Sonntagabend meldet sich ein 13-Jähriger, der in derselben Flüchtlingsunterkunft wie der verdächtige 20-Jährige wohnt. Er bringt die Aufklärung entscheidend voran: Er nennt den möglichen Tatort und Ali B. als möglichen Täter.

Zwischen 300 und 400 Polizisten sind von Montag bis Mittwoch mit dem Vermisstenfall beschäftigt. Am Mittwochnachmittag wird eine weibliche Leiche neben einem Bahngleis gefunden. Ein verdächtiger 35-jähriger Türke wird festgenommen. Am Donnerstag gibt die Polizei den Tod Susannas bekannt: Sie wurde vergewaltigt und getötet.

Der verdächtigte 35-Jährige wird wieder freigelassen. Ein dringender Tatverdacht kann zunächst nicht nachgewiesen werden, jedoch gilt er weiterhin als Beschuldigter. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) äußert sich bei der Innenministerkonferenz in Quedlinburg zunächst nicht zu der Tat. Kurze Zeit später die Überraschung: Seehofer erklärt, dass Ali B. im Irak festgenommen wurde. Der junge Mann muss jetzt mit einer Auslieferung nach Deutschland rechnen.

In dem Fall bleiben jedoch viele Fragen offen: Warum konnte der Tatverdächtige trotz nicht übereinstimmender Namen auf Boardkarte und Ausweispapieren am Flughafen ausreisen? Wie konnte Ali B. und seine Familie an diese Dokumente gelangen? Hinweise müssen noch ausgewertet werden, auch Obduktionsergebnis und DNA-Analyse stehen noch aus.

Vor Ort bleiben vor allem Betroffenheit und Trauer zurück. In der Schule in Mainz gedenken Mitschüler mit einer Schweigeminute an Susanna. „Erstmal bricht alles über einem zusammen“, sagt Schulleiter Roland Wollowski am Freitag. Im Flur des Wohnblocks, wo Susanna lebte, schauen sich Schulkinder Briefe und Blumen an. „Jetzt im Himmel, trotzdem ewig in unserem Herzen“, steht auf einem selbstgemalten Schild.

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