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Gnadenbrot für ein Wildpferd

STOCKUM Vor gut 37 Jahren rannte Migos als junger Hengst durch die Weiten des Merfelder Bruchs. Migos – ein klassisches Dülmener Wildpferd mit Aalstrich auf dem Rücken und Zebrastreifen an den Beinen. Migos wurde damals aus seiner Herde ausgesondert, um domestiziert zu werden.

von Von Barbara Zabka

, 23.12.2007
Gnadenbrot für ein Wildpferd

Nicole Fleitmann verwöhnt Migos regelmäßig.

„Das übliche Vorgehen bei Wildpferde-Herden,“ weiß Doris Schubert – Pferdenärrin aus Stockum zu berichten. Acht Jahre später fand das Münsterländer Wildpferd schließlich am Stockumer Gerdeshof sein endgültiges Zuhause – in einer neuen Herde. Unter der Obhut von Doris Schubert. „Zweit-Frau“ Claudia fand mit Migos nach einem schweren Reit-Unfall wieder zurück – zur Lust am Reiten. Sechs jungen Mädchen erfüllte Migos den lang ersehnten Traum, Pferdemädchen sein zu dürfen. Pflegen, striegeln, ausmisten. Aber auch ausreiten. Stets war Migos geduldig und ausdauernd. Selbst unerfahrene Reiterinnen konnten sich auf das Wildpferd verlassen.

„Temperamentvoll war Migos immer,“ schmunzelt Doris Schubert. „Aber er kannte beim Ausritt stets die Grenzen seines Reiters. Erteilte hin und wieder eine kleine pädagogische Lektion!“ Der Lebensweg des Wildpferdes war durchaus bewegt. Bis in die 90-er Jahre war er aktiv bei den Wittener Ferienspielen im Einsatz – allerdings ohne Honorarvertrag.

"Ein absolutes Verlasspferd"

Auch das wöchentliche Angebot des Kindertreffs Nordstraße nahm er geduldig auf seinen breiten Rücken. Nahm vielen Kindern die Berührungsängste vor großen Tieren. „Migos war ein absolutes Verlasspferd – selbst therapeutisches Reiten war mit ihm möglich,“ erinnert sich die Pferdefreundin. Auch als Martinspferd wurde Migos im Stadtteil Stockum bekannt. Seine Heimat ist auch heute noch der Gerdeshof. Wird es bleiben, bis der Lebenskreis sich schließen muss.

Migos lebt heute in einer Herde von sechs Isländer-Pferden und fühlt sich wohl. Er bekommt sein Gnadenbrot. Hat es sich redlich verdient. Temperamentvoll wird Migos immer wieder, wenn es um das Futter geht. „Er kriegt eine spezielle Seniorennahrung, weil das Gebiss total abgekaut ist. Er frisst langsam, aber regelmäßig“, so Nicole Fleitmann (20) – seine momentane Pflegemama. Im zarten Alter von elf Jahren schloss sie mit Migos Freundschaft. Damals konnten sie noch gemeinsam ausreiten. „Heute pflege ich ihn halt auf seine alten Tage,“ lacht die junge Frau und krault dem Wildpferd die Mähne. „Und im Frühjahr kann er hoffentlich wieder über die Weiden galoppieren!“ Ein freundliches Wiehern ist der Dank dafür. Manchmal wichtiger als 1000 Worte...