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"Gretchen reloaded" im Haus Witten

WITTEN Im Haus Witten hatte mit "Gretchen reloaded" das berührende Erstlingswerk der aus dem Allgäu stammenden Wahl-Wittenerin Sonni Maier Premiere. Intensiv hat sich die junge Autorin ein Jahr lang mit den Seelennöten einer 13-Jährigen auseinander gesetzt, die nach der Geburt eines Kindes alleine klarkommen muss.

von Von Martin Schreckenschläger

, 24.08.2008
"Gretchen reloaded" im Haus Witten

Blankes Entsetzen spiegelte sich in Sonni Maiers Zügen.

Bei dieser dramaturgischen "Erstgeburt" wurde Sonni Maier unterstützt durch die Regisseurin Monica Degen. Etwa 100 vielfach auswärtige Besucher verfolgten die Aufführung im kargen Schwarz-Weiß des Bühnenbildes.

Der Kindsvater, zur drastischen Überhöhung der Situation als pädophiler Lehrer geschildert, bricht den Kontakt ab. Die Eltern haben die Schwangerschaft nicht bemerkt. Das soziale Umfeld, Mitschüler und Klassenlehrerin, werden Erklärungen verlangen.

"Gretchen", wie Heinrich, der Lehrer, in Anspielung an Goethes Faust seine minderjährige Geliebte genannt hat, versucht, das eben Geborene zu verdrängen, sucht Halt im Dialog mit ihrem Kuscheltier. "Da is nix. Da is gar nix!", beteuert sie dem Schäfchen, im kläglichen Versuch der Selbsttäuschung.

Unsicherheit schlägt in Panik um

Ein Abgrund nach dem anderen tut sich vor ihr auf, Unsicherheit schlägt in Panik um. Ihren aufkommenden Hass lässt sie am Schäfchen aus. Versagt das Messer noch seinen Dienst, so tut es eine erstickende Decke. Das Kind nebenan verstummt. Vom Kindesmord entlastet die Realität: Babywimmern reißt Jenny aus ihrer Verzweiflung, lässt sie die Mutterrolle annehmen. Sonni Maier lieferte eine großartige schauspielerische Leistung ab, packend, voll hautnaher Authentizität. Mit Ihrem Stück, das am Sonntag ein zweites Mal im Haus Witten zu sehen war, geht sie auf Tournee, will vor allem Schulen besuchen, jungen Mädchen Hilfestellung geben: Ein Votum für das Leben.