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Zentralbank vor Entscheidung

Griechenland vor der Pleite: Was kommt jetzt?

Brüssel/Athen Was kommt nach dem großen Knall? Die Europäische Zentralbank steht vor der schwierigen Entscheidung, ob sie den Griechen nach dem Scheitern der Verhandlungen nun die Notfall-Kredite streicht. Griechenland steuert über weitere Finanzhilfen auf eine Staatspleite zu und hält dennoch an seinem Kurs fest. Was jetzt?

Griechenland vor der Pleite: Was kommt jetzt?

Am Wochenende waren die Verhandlungen zwischen Griechenland und der Eurogruppe gescheitert. Foto: Simela Pantzartzi

Nach dem Scheitern der Griechenland-Verhandlungen richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Europäische Zentralbank. Nach Einschätzung von EU-Diplomaten wird die EZB noch heute beraten. Sie muss entscheiden, ob sie griechische Banken weiter stützt.

Die EZB hilft dem Krisenland schon länger mit Notkrediten aus, um einen Zusammenbruch des Bankensektors zu verhindern, weil die Griechen Milliarden von den Konten räumen. Dreht die EZB den Geldhahn zu, dürfte dies zu Wochenbeginn die Bargeld-Versorgung im Land drastisch einschränken.

Eklat: Athen hat Referendum beschlossen

Griechenland steuert nach den gescheiterten Verhandlungen über weitere Finanzhilfen auf eine Staatspleite zu und hält dennoch an seinem Kurs fest. Obwohl die Euro-Finanzminister am Samstag eine Verlängerung des Hilfsprogramms für Athen über den 30. Juni hinaus ablehnten, beschloss das Parlament in Athen in der Nacht für den 5. Juli ein Referendum über das von den Geldgebern vorgelegte Spar- und Reformpaket.

«Ich werde mir nicht von Herrn (Wolfgang) Schäuble die Erlaubnis für eine Volksabstimmung einholen», sagte Regierungschef Alexis Tsipras zu Bedenken über den Sinn des Referendums. «Die Würde eines Volkes ist kein Spiel.» Tsipras rief seine Landsleute dazu auf, die Vorschläge der Geldgeber abzulehnen. Zugleich betonte er, niemand könne Griechenland aus dem Euro drängen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier übte in einem Gespräch mit der «Welt am Sonntag» harsche Kritik an der griechischen Regierung. «Ich verstehe nicht, wie eine gewählte griechische Regierung seinem Volk empfiehlt, den europäischen Vorschlag abzulehnen und die Menschen in Griechenland damit in Geiselhaft nimmt, um Europa weitere Konzessionen abzutrotzen», sagte er. «Der Zickzackkurs der griechischen Regierung in den letzten Stunden und Tagen macht einen doch fassungslos.»

Dijsselbloem: Programm läuft Dienstagnacht aus

Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem sagte nach einem Krisentreffen am Samstag: «Angesichts der Situation müssen wir mit Bedauern zu dem Schluss kommen, dass das Programm Dienstagnacht ausläuft.» Damit würden bereitstehende Hilfen der Europäer und des Internationalen Währungsfonds (IWF) für Athen von insgesamt gut 18 Milliarden Euro verfallen. Ende Juni muss Athen IWF-Kredite zurückzahlen. Über Konsequenzen berieten die anderen 18 Euro-Finanzminister anschließend ohne den griechischen Ressortchef Gianis Varoufakis.

Nach Einschätzung der Eurogruppe zwingt das Ende des Programms die Athener Regierung zu Notmaßnahmen. Dijsselbloem zufolge soll es technische Hilfe von den Geldgeber-Institutionen geben, um die Stabilität des griechischen Finanzsystems zu sichern.

Schäuble: Griechenland bleibt in der Eurozone

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bekräftigte wie seine Kollegen, dass Griechenland Mitglied der Euro-Zone und Teil der EU bleibe. Allerdings steuere Griechenland nun auf akute Schwierigkeiten zu. Es werde schwierig für Athen, Verpflichtungen zu erfüllen. Schon am Samstag seien bei griechischen Banken Einlagen in außergewöhnlich hohem Niveau abgezogen worden. «Die Enttäuschung ist schon sehr groß. Das ist kein guter Tag», sagte Schäuble weiter.

Die Euro-Länder waren von der Ankündigung des Referendums von Tsipras in der Nacht zum Samstag, kurz vor der Krisensitzung der Euro-Finanzminister, überrascht worden.

Am Dienstag werden 1,54 Milliarden fällig

Griechenland braucht dringend frische Milliarden. Am Dienstag muss das Land 1,54 Milliarden Euro an den IWF zahlen. Eine Zahlungsunfähigkeit schon unmittelbar am 1. Juli bei endgültig gescheiterten Verhandlungen gilt aber als ausgeschlossen. Seit 2010 gab es bereits zwei Rettungsprogramme für Athen mit einem Umfang von insgesamt rund 240 Milliarden Euro.

Von dpa

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