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Griechische Helden und Herzensbrecher: «Makarionissi»

Berlin (dpa) Vea Kaiser liebt Familienepen. Nach der Alpensaga «Blasmusikpop» erzählt sie in ihrem zweiten Roman die turbulente Geschichte eines griechischen Clans.

Griechische Helden und Herzensbrecher: «Makarionissi»

«Makarionissi» von Vea Kaiser. Foto: Kiepenheuer & Witsch

Vor drei Jahren landete die junge Österreicherin Vea Kaiser mit ihrem Debütroman den Überraschungserfolg der Saison. Ihre deftige Alpensaga «Blasmusikpop» begeisterte Kritiker und Leser gleichermaßen.

2014 wurde sie zur österreichischen Autorin des Jahres gewählt, ihr zweites Buch mit Spannung erwartet. Nun liegt es vor. «Makarionissi oder die Insel der Seligen» ist erneut ein voluminöser Familienroman geworden, und er spielt - wenigstens am Anfang - auch wieder in den Bergen, allerdings nicht in den Alpen, sondern in einem abgeschiedenen Dorf an der griechisch-albanischen Grenze.

Von hier führt die 26 Jahre alte Autorin ihre Protagonisten in die Ferne zu so unterschiedlichen Schauplätzen wie Hildesheim, St. Pölten und Chicago. Die Hauptrolle spielt das krisengeschüttelte Griechenland und eine imaginäre Ägäis-Insel namens Makarionissi.

Lefti und Eleni sind Cousin und Cousine und von Jugend an füreinander bestimmt. Eleni wurde sogar einzig deshalb gezeugt, um später ihren Cousin heiraten zu können und so den Fortbestand der Familie zu sichern. Als die Hochzeit naht, wird klar, dass das Ganze in einem Fiasko enden wird. Eleni und Lefti lieben sich nicht, ihre Charaktere könnten nicht unterschiedlicher sein. Eleni ist aufmüpfig, wild und egozentrisch. Sie wird zur glühenden Kommunistin und muss dafür während der Militärdiktatur 1967 mit Haft und Folter büßen. Lefti ist gutmütig, fleißig und politisch eher desinteressiert.

Als ihm und Eleni die Ausreise nach Deutschland gelingt, landet er in einer Gummifabrik in Hildesheim. Dort passt er sich klaglos der arbeitswütigen teutonischen Lebensweise an, während Eleni nicht nur mit der fremden Sprache hadert, sondern auch den grauen deutschen Nieselwinter verabscheut.

Es kommt, wie es kommen muss: Beide verlieben sich. Lefti in seine entzückende Deutschlehrerin Fräulein Trudi Haselbacher und Eleni in den aufstrebenden Rockmusiker Otto, von dem sie bald ein Kind erwartet. Als Eleni zur Geburt in ihr griechisches Dorf zurückkehrt, gibt sie den treulosen Lefti als Vater des Kindes aus. Den trifft daraufhin der Bannstrahl der empörten Dorfgemeinschaft.

Mit großer Fabulierlust folgt Vea Kaiser weiter den verwickelten Lebenswegen ihrer Helden. Lefti landet mit seiner geliebten Trudi irgendwann im österreichischen St. Pölten, wo die beiden ein florierendes griechisches Restaurant eröffnen. Eleni trifft eine neue Liebe in Chicago. Am Ende aber findet sie ausgerechnet auf dem griechischen Eiland «Makarionissi» ihre «Insel der Seligen», wie schon der Untertitel des Buches andeutet. Hier werden schließlich auch ihre Enkel geboren.

Ähnlich wie schon in «Blasmusikpop» lässt Vea Kaiser auch in ihrem neuen Roman eine verwirrende Fülle von Personen auftreten und fügt viele kleine Nebengeschichten ein. Ein Stammbaum auf den ersten Seiten des Buchs bietet dem Leser zumindest ein wenig Orientierung, sich in dem Roman über mehrere Generationen zurechtzufinden. Die Leidenschaft der Autorin und Altgriechisch-Studentin für die griechische Mythologie lässt sich an vielen Anspielungen ablesen. Ihr Buch ist unterteilt in neun «Gesänge», nicht Kapitel.

Vea Kaisers Erzählkunst steht außer Frage, doch manchmal plaudert sie ihre Geschichte einfach nur so dahin. Der Funke will diesmal nicht so richtig überspringen. Die Figuren bleiben letztlich blass und vermögen beim Leser kein echtes Mitfühlen zu entfachen. Von der Originalität und Spritzigkeit ihres Erstlingswerks ist «Makarionissi» jedenfalls weit entfernt.

- Vea Kaiser: Makarionissi oder Die Insel der Seligen, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 464 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-462-04742-4.

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