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Gruß aus Bochum: 100 Jahre St. Maria Magdalena

Teil 165

In wenigen Tagen, am 17. Oktober, jährt sich die Einweihung der Kirche St. Maria Magdalena in Höntrop zum 100. Mal. Zuvor hatte es bereits mehrere Vorgängerbauten gegeben, deren Geschichte bis in das 15. Jahrhundert zurückreicht.

BOCHUM

von Frank Dengler

, 13.10.2015

Der erste belegte Sakralbau war eine Kapelle am (Wattenscheider) Hellweg, ungefähr dort, wo heute die Kreuzung zur Höntroper Straße liegt. Es handelte sich um eine „Siechenkapelle“, die zwischen 1429 und 1449 (die Angaben in der lokalen Forschung schwanken hier) in Zusammenhang mit einem damals gestifteten Leprosenhaus entstand. Dort konnten die Erkrankten, die wegen der Ansteckungsgefahr keine anderen Kirchen besuchen durften, an Gottesdiensten teilnehmen.

Seit mindestens 1676 war die Kapelle der Heiligen Maria Magdalena, der Schutzpatronin der Aussätzigen, geweiht. Nach Ausrottung der Lepra entwickelte sich die Kapelle zum Gotteshaus der Katholiken in Höntrop und Westenfeld. Eine umfassende Renovierung kam 1776/77 fast einem Neubau gleich. Knapp 90 Jahre später war auch dieses Gebäude baufällig, vor allem aber viel zu klein für die stark gewachsene Gemeinde geworden.

Abgerissen und ersetzt

So wurde die Kapelle 1862 abgerissen und bis 1864 durch eine größere Kirche an gleicher Stelle ersetzt. Dieser einschiffige, neugotische Backsteinbau mit Holzgewölbe erfuhr 1886 eine Erweiterung um ein Querhaus durch den Bochumer Architekten Hermann Wielers. 1894 wurde St. Maria Magdalena zur selbstständigen Pfarrei erhoben. Zwischen 1895 und 1900 wuchs die Höntroper Bevölkerung von ca. 2400 auf 5200 Personen, darunter 3100 Katholiken. Die noch gar nicht so alte Maria-Magdalena-Kirche entsprach nun ebenfalls nicht mehr den Bedürfnissen. Die Gemeinde entschied sich für einen erneuten Neubau – diesmal etwas weiter westlich auf dem Gelände des ehemaligen Leprosenfriedhofs, das 1904 erworben werden konnte.

Mit dem Bau nach Plänen des Mainzer Dombausmeisters Ludwig Becker (1885-1940) wurde im Mai 1914 begonnen. Trotz aller Widrigkeiten durch den bald einsetzenden Ersten Weltkrieg konnte die Kirche schließlich am 17. Oktober 1915 konsekriert werden. Ihre Vorgängerin ist erst in den 1920er Jahren im Zuge des Ausbaus der jetzigen Höntroper Straße abgetragen worden. Der Neubau war damals einer der ungewöhnlicheren im Raum Bochum-Wattenscheid. Nicht mehr streng historistisch, aber noch mit Anklängen an Renaissance und Frühbarock, trug die Kirche mit dem doppelt geschweiften Turmhelm, dem ähnlich geformten, breiten Dachreiter und dem tempelartigen Vorbau am Eingang einen eher süddeutschen Charakter.

Heute fällt beim Vergleich der aktuellen Ansicht mit den historischen ein gravierender Unterschied auf: Die ursprünglich hell verputzten Fassaden sind nun mit Schiefer und teilweise Kupferblech dunkel verkleidet. Diese Änderung geht auf eine Renovierung 1978-80 zurück, als schwere Schäden an den Außenwänden beseitigt werden mussten. Durch den hohen Schieferanteil wirkt St. Maria Magdalena seitdem wie eine typische Kirche aus dem Bergischen Land.

Veränderungen

Auch innen gab es einige Veränderungen, so ist 1987 gemäß der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils der Altar unter die Vierungskuppel und damit näher zur Gemeinde versetzt worden. Am ehemaligen Altar-Standort unter der Apsis wurde unter Pfarrer Dietmar Schmidt im Jahr 2000 eine deutschlandweit beinahe einzigartige Taufstelle eingerichtet: ein kreuzförmig in den Boden eingelassenes Becken, in das man über Stufen hinabsteigen kann.

Nach frühchristlichem Vorbild finden hier Ganzkörpertaufen statt. Ein besonderes Ereignis sind die österlichen Erwachsenen-Taufen, über die schon mehrfach in den Medien berichtet wurde.

Schon seit September wird das 100. Jubiläum der Kirchenweihe mit verschiedenen Veranstaltungen gefeiert. Unter anderem hat der Künstler Jens J. Meyer eine Zeltinstallation im Kirchenraum eingerichtet. Am Sonntag, 25. Oktober findet um 16:30 Uhr ein Jubiläumskonzert der Chorgemeinschaft St. Maria Magdalena / St. Marien statt.

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