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Gruß aus Bochum: "Am Thie" in Eppendorf

Folge 177

Zwischen dem "Thorpeplatz" und "Im Kattenhagen" erstreckt sich das Zentrum von Eppendorf, wobei "Am Thie" den Mittelpunkt bildet. Trotz vieler Veränderungen lässt sich die Gestalt der früheren Bauernschaft noch heute erahnen.

BOCHUM

von Frank Dengler

, 11.04.2016

Die Mehrzahl der heutigen Stadtteile von Bochum existierte bereits im Mittelalter. Meist handelte es sich vor der Industrialisierung um locker bebaute bäuerliche Streusiedlungen, manchmal auch um Straßendörfer. Nur in wenigen Fällen bildete sich ein Dorfkern um einen Mittelpunkt heraus. Ein Beispiel für ein solches "Haufendorf" ist das historische Eppendorf, das erstmals um das Jahr 890 im Güterverzeichnis der Abtei Werden als "Abbingthorpe" erwähnt wurde (später: "Ebbentorpe"). Hier gruppierten sich die größeren Gehöfte ebenso wie kleinere Fachwerk-Kotten um den "Thie", den dörflichen Versammlungsplatz.

Schauplatz des frühen Bergbaus

Eppendorf war seit den 1730er-Jahren einer der Schauplätze des frühen Bergbaus in der Region, als Stollenzechen wie "Storksbank" angelegt wurden, deren nur circa 10 bis 20 Meter tiefen Schächte bald die Felder um das Dorf säumten. Auch die ersten regelrechten Tiefbauschächte der Zeche "Engelsburg" der 1830er- bis 1860er-Jahre ("Maschinenschacht", "Hektor") lagen noch nahe des Ortes. Dennoch wuchs die Bevölkerung in dieser Zeit nur langsam, da die vor- und frühindustriellen Bergwerke noch keine hohen Beschäftigtenzahlen aufwiesen. Die erste moderne Schachtanlage "Engelsburg 1/2" wurde dann in den 1870er-Jahren deutlich weiter entfernt, nördlich des Dorfes in der Nähe der Essener Chaussee gegründet. In ihrem Umfeld entstand eine eigene Zechen-Kolonie. So veränderte sich das ländliche Bild des alten Ortskerns bis zum Zweiten Weltkrieg insgesamt nur wenig.

Die beiden um 1910 gedruckten Ansichtskarten zeigen den "Thie" und sein Umfeld. Die historischen Fachwerk-Gehöfte lagen außerhalb der Bildausschnitte, stattdessen ist ein Neubau aus der Zeit um 1890 zu sehen. Es handelt sich um die "Gastwirthschaft und Bäckerei von Emil Bussmann". Der Bauernhof der Familie Bussmann lag dahinter auf dem gleichen Grundstück. Auf der Gesamtansicht ist rechts noch das Spritzenhaus der Feuerwehr zu erkennen, während auf der umzäunten und bepflanzten Grüninsel im Vordergrund zwei Kriegerdenkmäler und eine "Friedenseiche" stehen. Sie erinnerten an die Eppendorfer Gefallenen der Kriege 1866 und 1870/71. Nach dem Ersten Weltkrieg kam ein drittes Denkmal hinzu.

Viele Fachwerkhäuser geblieben

Ab den 1950er-Jahren begann sich das Ortsbild von Eppendorf zu wandeln. Es kam zu zahlreichen Abrissen historischer Gebäude, die meist durch größere Wohn- und Geschäftsbauten ersetzt wurden. So ist auch der Hof Bussmann 1980 ausgelagert und das Grundstück anschließend neu bebaut worden. Die Kriegerdenkmäler wurden 1961 zum Eingangsbereich des Friedhofs an der Holzstraße versetzt. Heute findet sich auf der immer noch vorhandenen Grünfläche eine abstrakte Stahlplastik des Künstlers Abraham David Christian (Düsseldorf / New York) von 1979/80.

Insgesamt erhielt Eppendorf – ähnlich wie andere Bochumer Ortsteile – zunehmend ein vorstädtisches Erscheinungsbild. Allerdings haben sich rund um den "Thie" und den heutigen Kreisverkehr noch einige Altbauten erhalten. Dazu zählt auch die ehemalige Wirtschaft Bussmann, in der sich jetzt ein China-Restaurant befindet. Des Weiteren existieren noch mehrere historische Fachwerkhäuser, wie zum Beispiel der "Kotten Bodde" von 1672. So lässt sich die dörfliche Vergangenheit Eppendorfs zumindest in Ansätzen noch immer nachvollziehen.

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