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Gruß aus Bochum: Ausflug nach Marmelshagen

Teil 92

Im späten 19. Jahrhundert entstanden in den Bochumer Vororten viele Ausflugslokale und Gartenwirtschaften. Nicht alle davon waren idyllisch im Grünen gelegen, manche standen ganz nah bei Zechen und anderen Industrieanlagen, wie zwei Beispiele aus Marmelshagen zeigen.

BOCHUM

von Von Frank Dengler

, 13.11.2012

Im Mittelalter war Marmelshagen eine kleine Bauernschaft, die nördlich des Hofsteder Bachs, im Bereich der heutigen Kreuzung Dorstener und Riemker Straße sowie an der Grenze zu Eickel lag. Es war nie ein eigenständiger Stadtteil, sondern gehörte später zur Landgemeinde Hofstede, mit der es 1904 nach Bochum eingemeindet wurde. Zu diesem Zeitpunkt förderte die Zeche Hannibal – die wichtigste Industrieanlage in Marmelshagen – schon seit 50 Jahren Kohle. An ihrer Stelle befindet sich heute das „Hannibal-Center“.

Als im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts zwei größere Gartenwirtschaften, die „Restauration Bergmann“ und der „Kaisergarten“, gegründet wurden, bestand die Zeche also bereits. Heinrich Bergmann erbaute sein Lokal an der Riemker Straße 8 direkt gegenüber von Hannibal. Auf der Ansichtskarte von 1900 sind das Hauptgebäude mit seinen Sälen und Teile der rückwärtigen Gartenanlagen zu sehen. Das Lokal verfügte über einen Spiegelsaal im Obergeschoss, im Garten gab es Veranden, Laubengänge und einen Schießstand. Die größte Attraktion war aber wohl der „Hero- und Leander-Brunnen“, von dem es auch Einzelpostkarten gab. Er stellte die tragische Geschichte des Liebespaares aus der griechischen Mythologie dar, die damals durch eine Ballade von Schiller recht bekannt war. Die Gaststätte behielt auch nach späteren Inhaberwechseln den Namen „Bergmann“, bis sie im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Heute befindet sich auf dem Gelände ein Baumarkt, so dass keine Spuren mehr an das ehemalige Lokal erinnern.

Die Bombenangriffe trafen auch die Zeche Hannibal schwer, ebenso viele Wohnhäuser und das zweite Ausflugslokal. Dieses war (wohl in den 1880er Jahren) von Friedrich Schulte an der Dorstener Straße 415 / Ecke Riemker Straße gegründet worden und trug seit etwa 1890 den Namen „Zum Kaisergarten“. Diese Bezeichnung ging auf eine „Drei-Kaiser-Grotte“ in den Gartenanlagen zurück, die auf der Karte von 1898 links abgebildet zu sein scheint.Die Ansicht aus der Vogelperspektive vermittelt einen guten Eindruck der Gaststätte mit ihrem kleinen Park. Dort gab es auch einen Springbrunnen, einen Kinderspielplatz und einen Tierpark. Von dem 1897/98 neu erbauten „Kaisersaal“ behauptete Schulte stolz, er sei der „anerkannt schönste Saal in Bochum und Umgegend“.

Im Jahr 1914 ging die Gastwirtschaft in den Besitz der Firma Krupp über, der auch die Zechen Hannibal und Hannover gehörten. Nach dem Ersten Weltkrieg ist das Lokal nicht mehr als „Kaisergarten“ geführt worden. Unter wechselnden Pächtern hieß es „Schulte-Marmelshagen“. Die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war so umfassend, dass die Zechengesellschaft bis 1952 einen Neubau an Stelle des Vorgängers errichten ließ, der sowohl als öffentliche Gaststätte als auch als Zechen-Casino diente. Mit der Stilllegung von Hannover-Hannibal im Jahr 1973 endete diese Ära. Kurz darauf fand das Gebäude einen neuen Nutzer und ist seitdem Sitz der „Walter-Knäpper-Heilpraktikerschule“. Auf der Rückseite des Hauses befindet sich bis heute eine kleine Grünanlage, und es ist möglich, dass sich in ihr letzte Reste des ehemaligen Parks des Kaisersgartens erhalten haben...  

Auf der Karte des Kaisergartens ist an der Dorstener Straße ein umzäuntes Denkmal zu erkennen. Hierbei handelte es sich um eine Sandstein-Säule auf rechteckigem Sockel, die von einem Adler bekrönt wurde. Sie war am 6. September 1879 als Kriegerdenkmal eingeweiht worden und erinnerte an vier Gefallene des Krieges 1870/71. Laut der Stiftungsurkunde erfolgte die Finanzierung durch Spenden der Einwohner von Marmelshagen. Das Denkmal wurde mit dem Kaisergarten im Zweiten Weltkrieg zerstört.