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Gruß aus Bochum: Das „Bürohaus Bochum“

Teil 136

Fragte man heute Passanten nach dem „Bürohaus Bochum“, wäre die Reaktion wohl Ratlosigkeit oder die Gegenfrage „Welches Bürohaus meinen Sie denn?“ Zwischen 1925 und dem Zweiten Weltkrieg hätte man dagegen eine Wegbeschreibung ins Ehrenfeld erhalten, wo ein auffälliges Gebäude damals diesen Namen trug.

BOCHUM

von Von Frank Dengler

, 10.09.2014

In den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren gab es in Bochum geradezu einen Boom beim Bau von Bürohäusern, der zu einem Überangebot führte. Selbst architektonisch anspruchsvolle Gebäude wie das Jahrhunderthaus an der Alleestraße oder das Exzenterhaus sind bis heute nur teilweise vermietet. Vor 90 Jahren sah die Situation dagegen anders aus. Abgesehen von Großbauten, die der Verwaltung einer einzelnen Institution dienten (z.B. das Knappschaftshaus an der Pieperstraße), herrschte Mangel an Büroräumen.

Das heute gängige Konzept, nach dem ein Investor ein Gebäude errichtet, um anschließend die Büroflächen auf dem freien Markt zu vermieten, war damals noch völlig neu. Eine der ersten Gewerbe-Immobilien dieser Art war ein um 1925 erbautes Gebäude an der Kreuzung von Clemensstraße und (Alter) Hattinger Straße nahe des Haupt- bzw. Südbahnhofs. Zu dieser Zeit genügte die Bezeichnung „Bürohaus Bochum“, die auch über dem Eingang prangte, um es eindeutig zu kennzeichnen und von anderen Neubauten zu unterscheiden.

In einem Umfeld mit durchaus stattlichen Gründerzeit-Häusern wirkte das neue Bürohaus, dessen Architekt leider nicht mehr bekannt ist, wesentlich moderner und geradezu monumental, wie die beiden historischen Ansichtskarten verdeutlichen. Das massive Eckgebäude, dessen Backstein-Fassaden durch helle Putzflächen und Gesimsbänder gegliedert sind, wies an der Eingangsfront inklusive der Dachpartie sechs Geschosse auf, während es an den beiden Straßenseiten auf fünf bzw. vier Etagen abgestuft war.

So leiteten die flacheren Flügel zur niedrigeren Nachbarbebauung über. Zeigten die älteren Häuser noch viele, meist historisierende Ornamente, beschränkte sich der Fassadenschmuck beim Bürohaus auf zwei Reliefs an der Eingangsseite und profilierte Gesimsbänder. Auffälliger war dagegen das etwas zurückgesetzte Dachgeschoss mit seinen Rundbogenfenstern und einem schräg nach außen vortretenden, plastisch verzierten Gesims.

Vor allem dieser krönende Abschluss verlieh dem Gebäude einen leicht expressionistischen Charakter. Das Erdgeschoss verfügte über Gewerbeflächen mit großformatigen Schaufenstern. Hier zogen im Laufe der Zeit verschieden Mieter ein, etwa die „Flora Drogerie“ oder später eine Opel-Vertretung. Bei der Beseitigung von Kriegsschäden erfolgte ein vereinfachter Wiederaufbau, insbesondere verzichtete verzichtet man auf die wohl als nicht mehr zeitgemäß empfundene expressive „Krone“ des Dachgeschosses. Weitere Umbauten nach 1950 umfassten die Aufgabe der Ladenlokale, den Ausbau des vierten Obergeschosses auf einheitliche Höhe und den Ersatz der Rundbogenfenster durch rechteckige, wobei der Dachaufbau auch grau verputzt wurde.

Ab 1947 diente das Gebäude als Hauptverwaltung des Industrieverbands Bergbau, aus dem später die IG Bergbau und Energie wurde. Deren Nachfolgerin, die IGBCE, deren Hauptsitz sich nun in Hannover befindet, nutzt das Gebäude bis heute mit einigen Abteilungen, außerdem gibt es dort eine Vertretung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Seit 1983 trägt das Gebäude offiziell den Namen „Fritz-Husemann-Haus“. Wie beim Husemannplatz (siehe Folge 12 unserer Serie im Internet) wird damit das Gedächtnis an den 1935 von den Nationalsozialisten ermordeten Vorsitzenden der Bergarbeitergewerkschaft gepflegt.

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