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Gruß aus Bochum: Das Kriegerdenkmal im Stadtpark

Teil 39

Hinter dem Haupteingang des Stadtparks findet sich links des alten Teichs eine hohe Mauer aus Ruhrsandstein mit mehreren Inschrifttafeln. Hierbei handelt es sich um die Reste eines monumentalen Kriegerdenkmals aus der NS-Zeit, das bis 1983 noch vollständig war.

BOCHUM

von Von Frank Dengler

, 24.08.2010

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde Bochum zur "Gauhauptstadt" für den "Gau Westfalen Süd", und man plante bald eine Aufmarschstraße für Paraden und Massenkundgebungen. Sie sollte von der Königsallee über die Innenstadt (Kortumstraße) am Stadtpark vorbei zum Stadiongelände führen. Im Zuge dieses Plans wurden 1935 auch Teile des Stadtparks umgestaltet. So verschwanden bei einer "Entgitterungsaktion" das Jugendstil-Tor von 1900 am Haupteingang und alle anderen Umzäunungen. Der alte Teich, der bis dahin zur Bergstraße ein abgerundetes Ufer hatte, bekam eine rechtwinklige Einfassung aus Bruchsteinmauerwerk und eine breite Treppenanlage mit flachen Stufen.Denkmal-Einweihung Daneben entstand ein Kriegerdenkmal nach Entwurf des Dortmunder Bildhauers Walter Becker (1890-1952) mit der Widmung: "Den im Weltkrieg 1914-18 gebliebenen Helden des 4. Magdeburgischen Infanterieregiments Nr. 67 zu Ehren." Viele Angehörige dieses Regiments, das im Ersten Weltkrieg 3692 Gefallene zu verzeichnen hatte, stammten aus Bochum und dem Ruhrgebiet. Am 18. August 1935 - vor fast genau 75 Jahren - erfolgte die Denkmal-Einweihung. Das Datum bezog sich auf das 75. Regimentsjubiläum und den Jahrestag der Schlacht von Gravelotte im Krieg 1870/71, bei der das Regiment unter starken Verlusten am deutschen Sieg beteiligt gewesen war. Einen guten Überblick des neu gestalteten Teichufers bietet die Ansichtskarte von 1940. Rechts der Treppe liegt die massive Mauer des Denkmals, vor der zwei überlebensgroße Bronzesoldaten stehen. Die Monumentalität der Figuren wird beim Größenvergleich mit den Spaziergängern besonders deutlich.Gleichförmig Trotz seiner kriegsverherrlichenden Botschaft blieb das Denkmal nach 1945 unangetastet, so dass der Ausschnitt aus einer Nachkriegspostkarte die Gelegenheit bietet, die beiden "Helden" näher zu betrachten: zwei beinahe gleichförmige, breitbeinig postierte Figuren mit kantigen Gesichtzügen. Der Soldat rechts trägt einen Stahlhelm, während der Verwundete links einen Kopfverband aufweist. Gemeinsam halten sie die zusammengerollte und gesenkte Regimentsfahne. Auf der Mauer befinden sich sechs Steintafeln mit Einsatzorten und Schlachten des Regiments.Breitere Diskussion Das Denkmal blieb jahrzehntelang unverändert, bis sich Anfang der 1980er-Jahre eine breitere Diskussion entwickelte, ob das NS-Monument weiterhin unkommentiert stehen bleiben solle. Der Stadt Bochum, die sich eher unentschlossen zeigte, wurde die Entscheidung ganz plötzlich abgenommen, als Unbekannte eines Nachts im Februar 1983 die beiden Figuren absägten. Lediglich die Füße standen noch fest auf der Erde, während die beiden "Gefallenen" nun auch gestürzt waren.Nie wieder Sie wurden nicht wieder aufgestellt, sondern kamen in die Obhut des Stadtarchivs, wo sie bis heute aufbewahrt werden. Am ursprünglichen Ort brachte die Stadt 1984 eine Gedenktafel aus Bronze an, die sich auf die Geschichte des Denkmals und seines Sturzes bezieht. Ihr Text endet mit: "Nie wieder Krieg und Faschismus". Sie ist auf dem aktuellen Foto in der Mitte der Mauer zu erkennen und unterscheidet sich von den älteren Steintafeln. Ansonsten entspricht die Gestaltung des Umfeldes noch der aus dem Jahr 1935 - bis hin zur rustikalen schmiedeeisernen Kette, welche die Treppenanlage absperrt. Im Hintergrund links ist das restaurierte Toilettenhäuschen von 1925 zu sehen, in dem heute die Kortum-Gesellschaft ihren Sitz hat. Dort wird mit der Bochumer Stadtgeschichte glücklicherweise bewusster umgegangen, als es zwischen 1945 und 1983 beim Kriegerdenkmal der Fall war.