Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Gruß aus Bochum: Das alte Zuhause der Bücherei

Folge 183

Der (Land-)Kreis Bochum existierte bis zu seiner Auflösung 1929 mehr als 110 Jahre. Zuletzt hatte er seinen Verwaltungssitz im sogenannten „Ständehaus“, an der Ecke von Bismarck- und Scharnhorststraße (heute Ostring / Moritz-Fiege-Straße).

BOCHUM

von Frank Dengler

, 26.07.2016

816/17 führte der Staat Preußen eine Neuordnung seiner Gebietsverwaltung durch. Dabei entstand auch der „Kreis Bochum“ als einer von 13 im Regierungsbezirk Arnsberg. Dieser war flächenmäßig wesentlich größer als das heutige Stadtgebiet und umfasste unter anderem die Bürgermeistereien (ab 1844 Ämter) Bochum, Hattingen, Blankenstein, Witten, Herne, Wattenscheid und den südlich der Emscher gelegenen Teil von Gelsenkirchen. Das durch die Industrialisierung ausgelöste enorme Bevölkerungswachstum in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führte dann zu wiederholten Gebietsreformen. 1876 wurde Bochum zur kreisfreien Stadt erhoben, und der „Landkreis Bochum“ bildete das Territorium rund um die Stadt. 1885 wurde er in die drei Kreise Bochum, Gelsenkirchen (mit Wattenscheid Nord und Wanne) und Hattingen (mit Blankenstein und Wattenscheid Süd) aufgeteilt. Die Fläche des Landkreises Bochum betrug nun nur noch ein Viertel des Umfangs von 1817.

Markanter Bau am Eck

Da dennoch die Kreisbevölkerung weiter wuchs, wurde der damalige Verwaltungssitz an der Brückstraße zu klein. So entschloss man sich 1892 zu einem Neubau am Rand der Innenstadt, nahe des Nordbahnhofs. Der Berliner Architekt Lothar Schoenfelder erhielt den Bauauftrag. Die beiden Ansichtskarten von 1899/1900 zeigen den stattlichen Bau im Stil der deutschen Renaissance, der zu den größten seiner Art im damaligen Preußen zählte. Der Flügel an der Scharnhorststraße (links) enthielt die Diensträume der Kreiserwaltung, während sich im Trakt rechts (Bismarckstraße) die Wohnung des Landrats und seiner Familie befand. An der Gebäude-Ecke lag ein markanter turmartiger Bau mit Stufengiebeln und Dachreiter, der den zweigeschossigen Sitzungssaal des Kreistages beherbergte. Von diesem Kreisparlament rührt wohl auch die Bezeichnung des Gebäudes als „Ständehaus“, ein etwas blumigerer Name als die Alternativen „Landratsamt“ oder „Kreishaus“.

Nach dessen Einweihung 1894 schrumpfte der Landkreis indes weiter. Neben Witten (1899) und Herne (1906 kreisfrei) schieden 1904 Grumme, Hamme, Hofstede und Wiemelhausen aus dem Kreis aus und kamen zu Bochum. Die Eingemeindungswellen der 1920er-Jahre schlugen dann alle anderen heutigen Stadtteile außer Wattenscheid zum Stadtgebiet, weshalb der Landkreis Bochum zum 1. August 1929 aufgelöst wurde.

Neubau nach Zerstörung

Das seiner ursprünglichen Funktion beraubte Kreishaus wurde ab Juni 1931 neuer Standort der Stadtbücherei. Diese konnte nun erstmals einen repräsentativen Sitz ihr Eigen nennen, nachdem sie seit 1905 meist in Provisorien untergebracht war (siehe Infokasten). Der ehemalige Kreistagssaal diente jetzt als zentraler Lesesaal; die übrigen Räume wurden für Verwaltung, Ausleihe und Magazine umgenutzt. Im Zweiten Weltkrieg erfolgte die vollständige Zerstörung des Gebäudes. Auf einen Wiederaufbau an alter Stelle verzichtete man, stattdessen bekam die Stadtbücherei 1951 einen Neubau an der Albertstraße.

Das Grundstück des ehemaligen Ständehauses bildete hingegen einen Teil des Baugrundes für die bis 1954 errichtete städtische „Berufsschule für Jungen“. Heute befinden sich dort deren nicht mehr geschlechtsgebundene Nachfolger: das Berufskolleg der Stadt Bochum beziehungsweise die „Technische Berufliche Schule 1“. An der Stelle, wo früher das Ständehaus stand, liegt auch die Aula der Schule, in der vor einigen Jahren noch die „Comödie Bochum“ beheimatet war.

Schlagworte: