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Gruß aus Bochum: Der Tana-Schanzara-Platz

Teil 38

Bis Mitte Juli hieß der frisch gekürte Tana-Schanzara-Platz gegenüber dem Schauspielhaus noch "Westfalenplatz". Diese Bezeichnung trug er seit 1904, gemeinsam mit der "Westfälischen Straße", die schon 1979 ihre Eigenständigkeit verlor und in der Hermannshöhe aufging.

BOCHUM

von Von Frank Dengler

, 09.08.2010

Anders als die Namen vermuten lassen, waren sie nicht von der preußischen Provinz Westfalen inspiriert, sondern von der ganz in der Nähe liegenden Eisenhütte "Westfalia". Diese befand sich in dem Dreieck zwischen Hermannshöhe, Kronenstraße und den Bahngleisen der Bergisch-Märkischen Eisenbahn. Sie war 1872 als "Maschinenfabrik Brandenburg & Lämmerhirt" gegründet und 1881 zur "Eisenhütte Westfalia AG" umgewandelt worden. Dort wurde Bergbautechnik und -zubehör wie z.B. Förderkörbe produziert.Erschließungsphase Nach Gründung des Ehrenfelds durch Clemens Erlemann gehörten Westfalenplatz und Westfälische Straße zur ersten Erschließungsphase ab 1904, und so war es wohl nahe liegend, sie nach dem benachbarten Industriebetrieb zu benennen. Entsprechend zeigt die 1906 gedruckte und 1908 gelaufene Ansichtskarte die Ecke von Westfälischer Straße und Kronenstraße kurz nach der Erbauung der ersten Wohnhäuser. Die Gebäude sind bereits fertig gestellt, doch wird an der Straßenpflasterung noch gearbeitet. Stolz hat der Absender auf der Karte seine neue Wohnung im zweiten Obergeschoss mit Tinte umrandet, und er erwähnt dies auch auf der Rückseite.Aufwendige Architektur Nicht nur die Größe der Wohnung, auch die aufwendige Architektur lässt erkennen, dass es sich beim Ehrenfeld um ein "gutbürgerliches" Viertel handelte. Jede Hausfassade ist unterschiedlich gestaltet, so dass die Straßenfront in ihrer kaiserzeitlichen Pracht aus heutiger Sicht etwas überladen wirkt. Welch ein Unterschied zu den einfachen Arbeiterhäusern, wie sie am Beispiel der Von-der-Recke-Straße in der vorletzten Folge unserer Serie vorgestellt wurden! Dabei ist bemerkenswert, dass es damals auch für besser situierte Mieter scheinbar selbstverständlich war, in unmittelbarer Nähe einer Fabrik zu wohnen - schließlich befand sich die Eisenhütte Westfalia keine 100 Meter entfernt (im Rücken des Betrachters).Bescheidene Häuser Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile des Ehrenfelds zerstört, und der Wiederaufbau geschah sehr viel schlichter als zuvor. Auf dem heutigen Foto der Ecke Hermannshöhe (vorne) und Kronenstraße (links) wird der Unterschied zur Vorkriegszeit besonders deutlich. Die neuen Wohnhäuser sind als bescheidene dreigeschossige Gebäude mit Satteldächern in Zeilenbauweise angelegt. Im Gegensatz zur Blockrandbebauung auf der historischen Karte wirkt nun alles aufgelockerter, mit mehr Platz für Vorgärten und Grünanlagen. Rechts im Hintergrund ist die Clemensstraße zu sehen. Hier endet die Hermannshöhe, während die Westfälische Straße früher in den Westfalenplatz mündete.Nach dem Krieg aufgegeben Die Eisenhütte Westfalia (seit 1930 Teil der WEDAG) wurde nach dem Krieg aufgegeben, doch haben sich einige vermutliche Reste erhalten. Auf dem Gelände der Flohmarkthalle an der Hermannshöhe liegt heute eine unübersichtliche Ansammlung von Hallen und Baracken, und es ist nicht ganz klar, welche davon Überbleibsel der ehemaligen Fabrik sind. Definitiv ist die Stelle der jetzigen Einfahrt mit der früheren Werkszufahrt identisch. Das aktuelle Foto blickt vom Hof auf das Flohmarkt-Hauptgebäude, an dem sich rechts ein Stück Backsteinmauer findet, das im Erdgeschoss eine (hier nicht sichtbare) Fußgängerpforte mit Rundbogen hat, die seit langem nicht mehr benutzt wird.Namen verloren Hierbei dürfte es sich um den alten Eingangsbereich von "Westfalia" handeln. Nachdem auch der Westfalenplatz seinen Namen verloren hat, sind dies die einzigen Reste, die an ein fast vergessenes Kapitel Bochumer Industriegeschichte erinnern.