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Gruß aus Bochum: Die Kreuzkirche in Hamme

Teil 119

Gerade in der Weihnachtszeit ist Streit etwas, das die meisten Menschen wohl tunlichst vermeiden möchten. Dass Konflikte jedoch gelegentlich auch Neues und Vielfalt hervorbringen können, zeigt der „Hammer Kirchenstreit“ vor beinahe 90 Jahren.

HAMME

von Von Frank Dengler

, 25.12.2013

Dieses Ereignis erregte Mitte der 1920er-Jahre Aufsehen in ganz Bochum und versetzte die evangelischen Gläubigen in Hamme in große Unruhe. Auslöser war ein Prediger in der landeskirchlichen Gemeinde, der als sehr charismatisch beschrieben wird und der das Kirchenvolk zu begeistern wusste. Allerdings soll sein persönlicher Lebenswandel – um es neutral auszudrücken – alles andere als „pastoral“ und vorbildlich gewesen sein. So entbrannte um den Mann ein Konflikt, der die Gemeinde spaltete. Der „Hammer Kirchenstreit“ führte so weit, dass etwa 8200 Personen aus der evangelischen Landeskirche austraten und 1926 mit dem umstrittenen Prediger die freikirchliche „Erlösergemeinde“ gründeten. Doch gärte der Konflikt auch in der neuen Gemeinschaft weiter, die ein Jahr später von rund 1500 Menschen und dem Prediger verlassen wurde. Diese Gruppe bildete die evangelische „Kreuzgemeinde“, der es innerhalb kurzer Zeit gelang, ein eigenes Kirchengebäude zu errichten. Unter anderem mit Hilfe von Spenden der „Lutheran Church – Missouri Synod“ aus den USA erwarb die Kreuzgemeinde ein ehemaliges Gehöft an der Gahlenschen Straße, wo sie ein vorhandenes Gebäude als Gemeindesaal nutzte und noch im Jahr 1927 die Kreuzkirche errichtete.Beide Gebäude sind auf der historischen Ansichtskarte zu sehen. Die Kirche ist ein einfacher Saalbau aus Ziegelmauerwerk mit Satteldach, der kaum Schmuckformen zeigt. Während die hohen, schmalen Fenster an den Langseiten rechteckig sind, haben die drei gestaffelten Fenster an der Giebelseite zur Straße Spitzbögen. Darunter befindet sich ein Vorbau mit dem Haupteingang, der von einem hellen Kreuz bekrönt wird. Das Kreuzmotiv findet sich auch auf dem niedrigen Zeltdach des Turms, der neben der Kirche wie ein Campanile wirkt, da er auf drei Seiten freigestellt ist. Nach schweren Schäden im Zweiten Weltkrieg konnte die Kirche zunächst nur im Bestand gesichert werden, denn der Neubau eines Gemeindehauses mit Saal als Ersatz für das zerstörte war noch dringender. Das „Lukas-Cranach-Haus“ war 1948 vollendet und wurde auch für die Gottesdienste genutzt. Es dauerte bis in die frühen 1960er-Jahre, dass endlich mit der Instandsetzung der Kirche begonnen werden konnte. Dabei erhielt das außen kaum veränderte Gebäude einen weiteren Eingang – gegenüber dem Gemeindehaus.

Wie das aktuelle Foto zeigt, ist der Turm am stärksten modernisiert worden. Im Unterbau noch von 1927, werden die neuen Obergeschosse nun von einem Flachdach abgeschlossen. Die Glockenstube ist mit Feldern aus durchbrochenen Beton-Formsteinen versehen, in denen große, asymmetrische Kreuze zu erkennen sind. So findet sich hier, wie über dem alten Eingang, der Hinweis auf den Namen der Kirche. Während der Prediger, der den „Hammer Kirchenstreit“ ausgelöst hatte, schon nach wenigen Jahren in der Kreuzgemeinde keine Rolle mehr spielte, können die aus dem Konflikt entstandenen Gemeinden mittlerweile auf eine traditionsreiche Geschichte zurückblicken. Aus der Erlösergemeinde wurde 1950 die heutige Epiphaniasgemeinde, die seit 1972 gemeinsam mit der Kreuzgemeinde zur „Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche“ (SELK) gehört.

Die beiden freikirchlichen Schwestergemeinden kooperieren eng miteinander, und auch der Kontakt zur Gethsemane-Gemeinde der Evangelischen Landeskirche ist ein freundschaftlicher. Somit ist der Kirchenstreit in Hamme zwar nicht vergessen, aber längst beigelegt. Geblieben ist eine reiche evangelische Kirchenlandschaft im Stadtteil mit drei sehenswerten Gotteshäusern.

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