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Gruß aus Bochum: Die Propsteikirche Peter und Paul

Teil 27

Die Stiepeler Dorfkirche und St. Vinzentius in Harpen sind beide gut 1000 Jahre alt und gehören zu den frühesten Kirchen Bochums. Tatsächlich ist aber die Propsteikirche in der Innenstadt noch circa 200 Jahre älter. Dies gilt allerdings nicht für das heute sichtbare Gebäude.

BOCHUM

von Von Frank Dengler

, 26.02.2010

 

Ihr Ursprung liegt in der Zeit Karls des Großen, der zwischen 775 und 800 an einer Kreuzung des Hellweges auf dem Gelände des Elisabeth-Hospitals einen Königshof anlegen ließ. Daneben erbaute man am Rand des noch heute erkennbaren kleinen Hügels eine Missionskapelle, wohl noch aus Holz. Diese erste Kirche wurde dem heiligen Petrus geweiht und im 11. Jahrhundert durch eine steinerne Saalkirche ersetzt.

 

 

 

 

 

 

 

Am 25. April 1517 erlitt Bochum die größte Katastrophe vor dem Zweiten Weltkrieg, als bei einem Stadtbrand praktisch der gesamte Ort vernichtet wurde. Der Neubau der Kirche unter den Baumeistern Henryk und Johann de Suer beanspruchte 30 Jahre, wobei der verschont gebliebene romanische Chor integriert wurde. 1547 als einfache westfälische Hallenkirche in spätgotischem Stil vollendet, entspricht sie in weiten Teilen dem heutigen Gebäude. Neben St. Peter bekam sie St. Paul als zweiten Patron.

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehr als 300 Jahre gab es keine bedeutenden Bauarbeiten an der Kirche, bis das Bevölkerungswachstum im 19. Jahrhundert eine Erweiterung nötig machte. Im Osten wurden 1872-74 ein neugotisches Querhaus und ein größerer Chor errichtet, weshalb der

romanische Chor abgerissen werden musste. 1897-99 erhielt der Turm einen neuen Helm, so dass sich das seit 1888 in den Rang einer Propsteikirche erhobene Gotteshaus wie auf der Ansichtskarte von 1905 präsentierte.

 

Stattlicher Kirchturm Eine sehr beliebte Ansicht war die des Alten Marktes, der hier deutlich vom stattlichen Kirchturm beherrscht wird. Der schlanke Turmhelm besitzt vier Ecktürmchen mit einer Uhr dazwischen, und seine Spitze ist in neugotischen Formen verziert. 1920 fand diese Pracht ein jähes Ende, denn es kam erneut zu einem Brand, dem die Dächer von Langhaus und Turm zum Opfer fielen.Wiederherstellung abgeschlossen Schon 1922 war die Wiederherstellung abgeschlossen. Der Zustand der Zwischenkriegszeit ist auf der zweiten Karte zu sehen, die auch von einem anderen Standort aufgenommen wurde. Der Blick geht vom Hof der Weilenbrinkschule zur Kirche, die die Häuser

des Weilenbrinks überragt. Am Kirchturm ist der Helm gedrungener und weniger steil als zuvor, außerdem sind die Ecktürme in schlichteren Formen erneuert worden. Die Uhren befinden sich nun im Obergeschoss des Turms.

 

 

 

 

 

 

 

Im Krieg wurde die Kirche noch viel schwerer beschädigt. Ihr 68 Meter hoher Turm behielt seine Vorkriegsgestalt noch bis ca. 1970, dann wurden die Balustrade und die Ecktürmchen entfernt. Dies ist auf dem aktuellen Foto gut zu erkennen, das von der Rückseite der Stadtbadgalerie aus gemacht wurde und dem Standort auf dem alten Schulhof entspricht. Außerdem gab es eine Änderung in Material und Farbe: Anstelle von Schiefer ist der Helm inzwischen mit Kupfer gedeckt.

 

Nur Propsteikirche erhalten Den größten Unterschied zeigt das Umfeld der Kirche. Der Weilenbrink ist nicht wieder hergestellt worden. Wo er verlief, liegt heute der Hinterhof einiger Häuser der Bleichstraße. Somit ist von dieser Perspektive einzig die Propsteikirche vom alten Bochum der Vorkriegszeit erhalten geblieben.

 

 

In der Propsteikirche finden sich wertvolle Kunstwerke, die teilweise wesentlich älter sind als der Kirchenbau von 1547, so der romanische Taufstein aus der Zeit um 1175 und das „Bladenhorster Kreuz“ von 1352, das heute in den Hochaltar integriert ist. Der Reliquienschrein der Heiligen Perpetua und Felicitas ist gar um 1100 entstanden, danach aber mehrmals weiter ausgestaltet worden, zuletzt im Jahr 1881. Eine Beweinungsgruppe aus Eiche wird auf ca. 1520 datiert.