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Gruß aus Bochum: "Dortmunder Bier" von Müser

Teil 83

Eines der Wahrzeichen von Langendreer ist der mächtige Sudhaus-Turm der früheren Müser-Brauerei. Heute Sitz der Diskothek „Matrix“, bildet er gemeinsam mit einem ehemaligen Malzhaus das letzte Relikt eines der größten Braubetriebe im Bochumer Raum.

BOCHUM

von Von Frank Dengler

, 26.06.2012

Die Geschichte der Brauerei reicht zurück bis ins Jahr 1806, als Johann Wilhelm Müser eine Schankwirtschaft mit Laden in Langendreer eröffnete. Dort betrieb er sowohl eine Branntweinbrennerei als auch eine kleine Hausbrauerei, wie sie damals üblich war. Erst 50 Jahre später schlug die Geburtsstunde der modernen Braustätte, als Müsers Nachfahren Wilhelm und Heinrich 1866 die „Dampfbrauerei Gebrüder Müser“ gründeten.

Schon der Name deutete an, dass es sich nun um eine fabrikmäßige Bierherstellung handelte, bei der auch Dampfmaschinen zum Einsatz kamen. Damals setzte sich im Ruhrgebiet helles Bier bayrischer Brauart durch, welches lange haltbar und deshalb auch für den Export geeignet war. So entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche industrielle Brauereien mit hohen Produktionskapazitäten. Bei Müser überzeugte zudem die Qualität des Bieres, das 1885 auf der Weltausstellung in Antwerpen mit einer Silbermedaille prämiert wurde. Neues Kapital kam 1891 durch die Gründung der „Bierbrauerei Gebr. Müser Aktiengesellschaft“ in den Betrieb, der so weiter zur Großbrauerei ausgebaut werden konnte. Das Absatzgebiet der Müser-Biere wuchs über Westfalen hinaus bis ins Rheinland, nach Hessen, Niedersachsen und sogar Belgien. Zum Jahr 1908 braute Müser mit mehr als 100 Mitarbeitern knapp 140 000 Hektoliter Bier.

Damit war sie größer als alle Brauereien in Bochum, was auch auf der Ansichtskarte aus dieser Zeit zum Ausdruck kommt. Die Lithografie zeigt aus der Vogelperspektive das ausgedehnte Betriebsgelände, u.a. mit Maschinenhalle, Sudhaus, Speicher- und Abfüllanlagen. Neben ober- und untergärigem Bier produzierte man auch Eis (zum Kühlen) und ein alkoholfreies Getränk namens „Sonetta“. Besonders interessant ist die Ortsangabe „Langendreer bei Dortmund“ auf der Karte – eine eindeutige Anspielung auf die berühmten Dortmunder Biere. Kein Wunder, dass sich die Müser-Brauerei vor der Eingemeindung (1929) nicht nach Bochum, sondern in Richtung des in ganz Deutschland als „Bierstadt“ bekannten größeren Nachbarn orientiert hat.

Die letzte umfassende Erweiterung der Brauerei erfolgte 1925-28, als ein neues Kesselhaus und der große, abgestufte Sudhaus-Turm mit expressionistischem Dekor errichtet wurden. Letzterer lässt eine Verwandtschaft zum Bochumer Schlegelturm und zum „Dortmunder U“ der Union-Brauerei erkennen, welche zeitgleich erbaut wurden. Kessel- und Sudhaus sind auf dem Ausschnitt einer Mehrbildkarte von 1956 zu sehen, die kurz vor dem Ende Müsers als selbständiger Firma entstand. Seit 1938 „Müser-Brauerei-AG“, wurde die Gesellschaft 1960/61 durch Schultheiss übernommen, wodurch Name und Marke „Müser“ erloschen. Zum 1. Juli 1975 ist der Braubetrieb endgültig eingestellt worden. Die meisten Werksanlagen wurden zugunsten eines Supermarktes abgerissen, der heute den Großteil des ehemaligen Müser-Grundstücks einnimmt. Daneben blieb glücklicherweise der architektonisch wertvolle Sudhaus-Turm erhalten, der inzwischen unter Denkmalschutz steht. Er wurde bereits 1978 Residenz der Diskothek „Rockpalast“, die in den 1980er und 90er Jahren eine Institution war. Seit 2000 befindet sich hier die inzwischen selbst legendäre „Matrix“.