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Gruß aus Bochum: "Gasthaus Goeke"

Teil 149

An der Josephinenstraße 65 in Grumme liegt das weit über den Stadtteil hinaus bekannte „Gasthaus Goeke“. Das Fachwerkgebäude, in dem der Familienbetrieb seit beinahe 120 Jahren seinen Sitz hat, ist noch wesentlich älter.

BOCHUM

von Von Frank Dengler

, 11.02.2015

Bereits im Jahr 1547 wird an der hangabwärts von der Straße zurückgesetzten Stelle ein Kotten der Familie Boenemann erwähnt. 1609 arbeitete dort Heinrich Boenemann als Leineweber und „Teichgräber“, später entstand eine Zimmerei. Nach der im heutigen Gasthaus ausliegenden Chronik wurde 1782 an das Fachwerkhaus angebaut. Eine Inschrift im Balken des ehemaligen Deelentors legt allerdings nahe, dass auch der Altbau durchgreifend erneuert wurde: „Von Alter Dom Bin Ich Geworfen Nieder Durch Gottes Macht Und Menschenhielfe Steh Ich Wieder“. Mit dieser Erweiterung begann auch die Nutzung des Hauses als Gastwirtschaft.

Im 19. Jahrhundert gab es mehrere Besitzer- und Wirtewechsel, bis Hermann Musebrink das Haus 1886 übernahm und zehn Jahre lang führte. Er machte die „Wirthschaft und Spezereihandlung“ zu einem in ganz Bochum bekannten Ausflugslokal. Musebrink gab ihm den Namen „Zum Hollunder“ und erweiterte es um Gartenanlagen und einen „prächtigen Saal-Anbau“. In dieser Zeit wurde die Gaststätte auch zum Versammlungsort vieler weltlicher und kirchlicher Vereine. Letztere wuchsen besonders seit dem Bau der katholischen Liboriuskirche (1890/91) stark an, was dem gegenüber liegenden Vereinslokal die scherzhafte Bezeichnung „Vatikan von Grumme“ einbrachte.

Mehrfach unterbrochene Entwicklung

Die Ära Goeke begann 1896 mit der Übernahme von Gebäude und Betrieb durch Ewald Goeke (1860-1935). Wie der Nachdruck einer 1909 verschickten Postkarte (mit Schreibfehler im Familiennamen) belegt, hieß das Lokal zunächst weiter „Zum Hollunder“, erst später wurde es offiziell zum „Gasthaus Goeke“. Die Karte zeigt unten den Blick auf Haus und Gartenanlagen von der Straßenseite und oben die Nordansicht vom Grumbecktal mit Saal und Terrasse. Spätestens seit auf dem benachbarten Kötterberg die Schachtanlage 6/7 der Zeche Constantin der Große erbaut worden war (Folge 134 unserer Serie im Internet), zählten zu Goekes Gästen immer mehr Bergleute. So wurde aus dem Ausflugs- und Vereinslokal auch ein Treffpunkt der Arbeiterschaft.

Die Entwicklung von Haus Goeke wurde mehrfach durch Krisen- und Kriegszeiten unterbrochen, wie bei der französischen Beschlagnahme während der Ruhrbesetzung ab 1923, als Tische und Stühle als Heizmaterial herhalten mussten. In der späten Phase des Zweiten Weltkriegs bemächtigten sich verschiedene NS-Organisationen des Hauses, worauf 1945 die britische Besatzung folgte.

Treffpunkt im Stadtteil

Anschließend gedieh die Gaststätte wieder, änderte jedoch ihren Charakter. So endete nach Kohlenkrise und Zechenschließungen die Zeit als Bergarbeiter-Kneipe. Dafür entwickelte sich Goeke zu einem beliebten Restaurant mit gutbürgerlicher Küche. Während andere Lokale wie die Kaiseraue (Folge 57) schließen mussten, floriert der Familienbetrieb seit Generationen und ist ein wichtiger Treffpunkt im Stadtteil. Das Hauptgebäude, das lange Zeit mit einer hellen Holzverschalung verkleidet war, zeigt heute wieder die historische Fassade mit Fachwerk und Backstein – Spuren seiner fast 470 Jahre zurückreichenden Geschichte. 

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