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Gruß aus Bochum: Imbuschplatz - Kinderheim und Kloster

Teil 5

Im fünften Teil der Postkartenserie von Frank Dengler geht es um das veränderte Gesicht des Imbuschplatzes. Ursprünglich als Kaiser-Friedrich-Platz angelegt, fiel dem Imbuschplatz eine wichtige Rolle in dem neuen Viertel zwischen der Dorstener Straße und dem Bochumer Verein zu.

MITTE

von Von Frank Dengler

, 23.03.2009

Mit dem Imbuschplatz, dem Redemptoristen-Kloster und dem ehemaligen Waisenhaus finden sich am Westring Zeugen von 140 Jahren Stadtgeschichte - auch wenn sich das äußere Erscheinungsbild in dieser Zeit stark gewandelt hat.Wichtige Rolle Ursprünglich als Kaiser-Friedrich-Platz angelegt, fiel dem Imbuschplatz eine wichtige Rolle in dem neuen Viertel zwischen der Dorstener Straße und dem Bochumer Verein zu. So erbaute man hier mehrere Schulen, und 1870 wurde das Redemptoristen-Kloster mit der neuromanischen Kirche "Maria Hilf" eingeweiht.Erst Waisenhaus dann Kinderheim  Direkt daneben entstand bis 1887 ein Waisenhaus (später Kinderheim), das von katholischen Vinzentinerinnen geleitet wurde. Dieser Zustand ist auf der Ansichtskarte von 1901 zu sehen. Der Bombenkrieg sorgte jedoch 1943 für den Untergang des alten Platzbildes.Der Standort heute

Wer den gleichen Standort heute aufsucht, landet mitten auf dem Westring. Der alte Platz hat seine vordere Hälfte eingebüßt, als während des Wiederaufbaus der Innenstadtring angelegt wurde. Entsprechend verändert wurde auch das Kinderheim nach dem Krieg neu errichtet. Wo auf der alten Karte der rechte Giebel zu sehen ist, verläuft jetzt die Straße, und an Stelle des linken Flügels mit der Kapelle und dem Dachreiter entstand der einfache Neubau mit dem Balkon. Rechts davon stehen heute mehrere niedrigere Gebäude.

Schlichter Bau

Auch das Kloster und die Kirche sind verändert wieder aufgebaut worden. Die Klosterbauten ähneln in ihren Proportionen dem Altbau, doch sind sie viel schlichter und zeigen keine Türmchen oder anderen Bauschmuck mehr. Dahinter erhebt sich der Kirchturm, dessen unterer Teil noch so aussieht wie früher. Vor dem Krieg waren die Obergeschosse und der Turmhelm achteckig, nun befindet sich dort ein quadratischer Aufbau mit stumpfem Dach.Zeugen des Krieges

Auf dem Platz, der 1938 von den NS-Machthabern in "Platz der SA" umbenannt wurde, sind noch heute Zeugen des Krieges in Gestalt zweier Eingänge zu einem Tiefbunker zu sehen. Tatsächlich fand nur ein Bruchteil der Bevölkerung Zuflucht in solchen öffentlichen Schutzräumen, während die meisten mit notdürftig ausgebauten Kellern in Wohnhäusern auskommen mussten.

104 Kinder verschüttet

Dass die Luftschutzpropaganda der Nazis eine Illusion war, zeigte sich bei einem besonders schrecklichen Ereignis am 26. Juni 1943: Durch einen Bombenangriff wurde das Kinderheim zerstört und 104 Kinder im Keller verschüttet. 65 von ihnen konnten nur noch tot geborgen werden.

 

Glücklicherweise ist das Leben an den Platz zurückgekehrt, der seit 1947 den Namen des christlichen Bergarbeiter-Gewerkschafters und NS-Gegners Heinrich Imbusch (1878-1945) trägt. Das Vinzenz-Heim ist längst kein klassisches Kinderheim mehr, sondern setzt unter der Bezeichnung "St. Vinzenz e.V. Kinder-Jugend-Familie" auf moderne sozialpädagogische Konzepte wie dezentrale Wohngruppen, ambulante Betreuung und andere Angebote der Familienhilfe.