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Gruß aus Bochum: "Schwertdenkmal" in Stahlhausen

Teil 32

In unserer Serie werden häufig Gebäude oder Denkmäler vorgestellt, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden und deren Verlust zu bedauern ist. Dies kann vom "Schwertdenkmal", das vor 75 Jahren eingeweiht wurde, kaum behauptet werden. Dennoch ist seine Geschichte der Erinnerung wert.

STAHLHAUSEN

von Von Frank Dengler

, 12.05.2010

In Stahlhausen existierte südlich der Alleestraße seit 1874 ein Kost- und Logierhaus für circa 1000 ledige Arbeiter des Bochumer Vereins (BV). Davor lag im Winkel von Bessemer- und die Baarestraße der dreieckige Baareplatz. Straße und Platz waren nach dem damaligen Generaldirektor des BV, Louis Baare (1821-97) benannt, dem dort 1899 ein Denkmal errichtet wurde.

 

 

 

 

 

 

 

Nach 1933 ließ der BV auf dem Baareplatz ein Denkmal für seine im Ersten Weltkrieg gefallenen Betriebsangehörigen anlegen, das bereits ganz der nationalsozialistischen Ideologie entsprach. Den Auftrag dazu erhielten die Kölner Emil Mewes (Architekt, 1885-1949) und Willy Meller (Bildhauer, 1887-1974), die schon früher in Bochum zusammen gearbeitet hatten. 1927/28 schufen sie den Löwen an der Königsallee, ein Kriegerdenkmal mit dem Spruch: "Der Übermacht erlegen, im Geiste unbesiegt".

 

 

 

 

 

 

 

 

Das neue "Schwertdenkmal" vertrat ebenfalls revanchistische Gedanken, wie auf der Ansichtskarte von 1936 zu sehen ist. Sie zeigt eine kreisrunde vertiefte und mit Steinplatten gepflasterte Fläche mit einer Feuerschale in der Mitte. Dahinter erhebt sich ein monumentales, 12 Meter hohes und 17 Tonnen schweres Stahlschwert, das vom BV gegossen worden war. Seine Inschrift lautet: "Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte." Hierbei handelt es sich um den Beginn des "Vaterlandlieds", von Ernst Moritz Arndt 1812 während der Befreiungskriege verfasst.

 

 

Der Text redet im weiteren Verlauf viel von Schwertern, Blut und Eisen. Nicht nur wegen seiner Forderung nach "Franzosenblut", sondern auch aufgrund seiner antisemitischen Haltung galt Arndt (1769-1860) den Nazis als einer ihrer Vordenker.

Drachentöter Das Schwert wird von zwei massiven Steinblöcken mit den Reliefs eines Schmieds und eines Drachentöters flankiert. Die martialischen "nordischen" Figuren stellen wahrscheinlich Wieland und Siegfried dar. Es finden sich also mit Eisen, Schwert, Schmied und Feuer viele Anspielungen auf die Tätigkeit des Bochumer Vereins. Gleichzeitig wirkt der runde Platz wie eine Weihe-, Opfer- oder Thingstätte, wie die Nazis sie liebten.

 

Zur Einweihung des Schwertdenkmals am 9. Mai 1935 erschien mit Hermann Göring der zweite Mann der NS-Führung. Er war zu dieser Zeit Adolf Hitlers designierter Nachfolger, Beauftragter für Rüstung und den Aufbau der Luftwaffe. Erst wenige Wochen zuvor, am 14. April, war auch Hitler in Bochum zu Besuch gewesen, wobei er das Höntroper Werk des BV besichtigt hatte.

Die Nähe des BV zum NS-Regime wurde 1937 damit belohnt, das er zum Nationalsozialistischen Musterbetrieb ernannt wurde und zahlreiche Rüstungsaufträge erhielt. Diese unrühmliche Phase in der Geschichte des BV fand während des Krieges ihre Fortsetzung mit dem Einsatz von mehr als 7500 Zwangsarbeitern, darunter auch Häftlinge aus dem KZ Buchenwald.

 

 

 

 

 

 

 

Der Zweite Weltkrieg, den das Schwertdenkmal als Propaganda-Instrument mit vorbereitet hatte, endete fast auf den Tag genau zehn Jahre nach der Denkmaleinweihung. In seinem Verlauf wurden nicht nur das Schwertdenkmal, das Kosthaus und das Baare-Denkmal zerstört, sondern große Teile Bochums - ein Thema, das uns in dieser Serie immer wieder beschäftigt.

 

Die leere runde Platzfläche existierte noch in den 1970er Jahren. An ihrer Stelle entstand später ein Gebäude, das heute von der VHS genutzt wird und das auf der heutigen Ansicht zu sehen ist. Sie wurde von der Rückseite der neuen Feuerwache II aus fotografiert und zeigt im Hintergrund den Glockenturm der 1967-69 erbauten Friedenskirche. Während das Schwertdenkmal heute praktisch vergessen ist, erinnert eine Gedenktafel am Rand des Grundstücks noch an Louis Baare.