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32 Zivis arbeiten zurzeit in Haltern

HALTERN Die einen wollen im Ausland neue Erfahrungen sammeln, die anderen bleiben lieber vor Ort: 32 Zivildienstleistende unterstützen derzeit 21 Halterner Verbände und Organisationen.

von Von Elisabeth Schrief

, 04.08.2008
32 Zivis arbeiten zurzeit in Haltern

Leisten ihren Zivildienst im Anna-Wohnheim ab: Jochen Grewing (l.) und Tobias Lewe (2.v.r.). Heinz-Josef Krusel und Franz-Josef Hemsing sind vom Einsatz begeistert.

Tobias Lewe war einer von ihnen. Freitag „quittierte“ er seinen Dienst, neun Monate sind um. Nach dem Abitur bewarb er sich auf Empfehlung seines Bruders erfolgreich im St. Anna-Altenwohnheim, auf Bundeswehr-Dienst hatte er absolut keine Lust. Der 20-Jährige arbeitete im Bereich Haustechnik, wie auch sein Freund Jochen Grewing, der gelernte Elektriker, der nach dem ersten Gesellenjahr am 1. April auf den Annaberg kam. „Mir war die Arbeit nie lästig und langweilig.“ Ganz im Gegenteil nimmt er nur Positives mit in seine kommenden Studiezeit. Er schätzte die Teamarbeit und den Umgang mit den Senioren. So wie alle Zivildienstleistenden war auch Tobias Lewe manchmal Enkelersatz. „Meine Einstellung zu älteren Menschen hat sich sehr verändert.“

Acht Zivildienststellen richteten die Altenwohnhäuser St. Sixtus und St. Anna ein. Zurzeit sind drei Stellen frei, in St. Sixtus im Bereich Betreuung und Pflege sowie Hauswirtschaft, auf dem Annaberg im Bereich Betreuung und Pflege. „Die meisten Anfragen kommen für das Aufgabengebiet Haustechnik“, sagt Geschäftsführer Heinz-Josef Krusel. Viele haben Angst vor einer pflegenden Tätigkeit, dabei werden die Zivis in der intimen Körperpflege gar nicht eingesetzt. Sie erledigen stattdessen Hol- und Bringedienste, begleiten Senioren zum Arzt oder helfen ihnen beim Essen. „Zivildienstleistende sind für unsere Häuser eine große Bereicherung“, betont Franz-Josef Hemsing, Leiter des Anna-Wohnheimes. „Wir merken, dass gerade drei fehlen, aber wir sind sehr zuversichtlich, die Stellen wieder besetzen zu können.“ Zwischen Frühjahr und Herbst ist oft eine Flaute. Insgesamt sind in Haltern 21 Stellen unbesetzt. Die Senioren genießen es, wenn junge Leute um sie herum sind. „Manchmal verwickeln sie uns so in Gespräche, dass wir gar nicht mehr wegkommen“, schmunzelt der 22-jährige Jochen Grewing. Auch ihm gefällt es in dem neuen, modernen Haus auf dem Annaberg, vor allem wegen der guten Teamarbeit und der Möglichkeit, eigenverantwortlich zu arbeiten.

Ab und an lehnen die Altenwohnhäuser auch Anfragen ab oder machen mitten im Zivildienst einen Schnitt. „Wichtig ist, dass die jungen Menschen soziale Kompetenz und Motivation mitbringen“, beschreibt Heinz-Josef Krusel das Anforderungsprofil. 38,5 Stunden-Woche, feste Arbeitszeiten, fester Tagesrhythmus in einer großen sozialen Einrichtung – der Einblick ins Arbeitsleben war für Tobias Lewe in jedem Fall bereichernd, für Jochen Grewing ist er nicht neu, aber der Alltag ist anders als in der Werkstatt. Thorben Riekötter aus Sythen wollte eigentlich zur Bundeswehr, ein Freund überzeugte ihn dann doch noch vom Zivildienst im Sixtus-Hospital. Heute ist der 20-Jährige froh. Thorben Riekötter ist einer von elf Zivildienstleistenden des Krankenhauses. Die Nachfrage nach Plätze ist groß, nie hat das Haus Probleme, die Stellen zu besetzen. „Wir haben sehr gute Erfahrungen mit den jungen Menschen gemacht“, sagt Pflegedienstleiterin Erika Schittek. Geschäftsführer Werner Buthmann gibt Bewerbern aus dem Raum Haltern immer gern den Vorzug.

Thorben war zunächst für die Pflege eingesetzt, „aber das lag mir nicht“. So wechselte er in den Bereich Hauswirtschaft und Lager. „Für niemand soll der Zivildienst ein Alptraum werden“, sagt Erika Schittek. Später will Thorben einen kaufmännischen Beruf ergreifen. Noch putzt er Betten, säubert Eingänge, entsorgt den Müll auf den Stationen. „Freundliche Menschen und eine phantastische Atmosphäre schätzt Andre Esser, der Garten- und Landschaftsbauer. Bis zum 31. Dezember ist er noch im Krankenhaus, dann möchte er in seinen Beruf zurück. Post-Verteilung und Botengänge sind seine Aufgabenfelder. Andre Rentmeister ist als handwerklich begabter Metallbauer ein große Hilfe für das Sixtus-Hospital. Türen zu reparieren beispielsweise, ist für ihn überhaupt kein Problem, „das macht Spaß“. Der 21-Jährige ist froh, heimatnah seinen Dienst ableisten zu können. Ein Einsatz im Ausland kam für ihn überhaupt nicht in Frage. „Hier kenne ich viele Menschen, das schätze ich sehr.“ Voll zufrieden ist auch Andre Esser, weil die Arbeit im Krankenhaus fordert und keine verlorene Zeit ist.

 „Hier im Krankenhaus werden viele Hände gebraucht, gerade auch für Hilfstätigkeiten“, sagt Geschäftsführer Werner Buthmann. Er weiß, dass die Zivildienstleistenden sich wohl und integriert fühlen. „Wir fordern sie natürlich und achten darauf, dass sie ihre Dienstzeit vernünftig und sinnvoll nutzen.“ Andre Esser fühlt sich immer gut ausgelastet, aber nie überlastet oder ausgenutzt. „Hier herrscht ein phantastisches Arbeitsklima“, seinem überschwänglichen Kompliment stimmen auch Thorben Riekötter und und Andre Rentmeister zu.

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