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57-jähriger Halterner ist kein Vergewaltiger

Freispruch vor Gericht

Das erweiterte Schöffengericht am Amtsgericht Dülmen hat am Mittwoch einen 57 Jahre alten Mann aus Haltern vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Die Äußerungen des vermeintlichen Opfers, einer 59-Jährigen aus Dülmen, stufte das Gericht als "nicht glaubwürdig und zu unkonkret" ein.

HALTERN

, 05.11.2014

Laut Anklage soll der Mann, der strafrechtlich bislang nicht in Erscheinung getreten war, seine langjährige Lebensgefährtin im Oktober 2013 in ihrer Wohnung zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Bei ihrer Vernehmung war die Frau, die in dem Prozess als Nebenklägerin auftrat, mehrfach in Tränen ausgebrochen. Wie sie betonte, sei es während ihrer Partnerschaft mit dem Angeklagten „häufiger zum Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen“ gekommen. Außerdem habe sie ihr damaliger Lebensgefährte ausgenommen „wie eine Weihnachtsgans“. So habe er auf ihre Kosten gelebt und Schulden in Höhe von 15.000 Euro verursacht.

An dem besagten Vormittag im Oktober 2013 sei der Angeklagte plötzlich und unerwartet über sie hergefallen. „Er hat meine Beine gewaltsam auseinander gedrückt.“ Daraufhin sei sie verkrampft gewesen. „Ich habe mich benutzt und schmutzig gefühlt“, so die 59-Jährige. Nach dem Vorfall habe sie zwei Tage starke Schmerzen gehabt. Zu einem Arzt war sie allerdings nicht gegangen. „Das bereue ich bis heute.“ Auf die Frage des Richters, inwiefern sie sich gewehrt habe, sagte die 59-Jährige: „Ich habe es über mich ergehen lassen und nichts gesagt. Es hätte doch eh nichts gebracht.“ Zudem räumte die Frau ein, dass sie nach dem sexuellen Übergriff in der Küche gemeinsam mit ihrem Peiniger einen Kaffee getrunken habe. Zur Anzeige hatte die Frau die Tat erst gebracht, als es einige Tage später nach einem Streit zwischen dem Paar zu einem Polizeieinsatz in der Wohnung kam.

Die Verteidigerin des Angeklagten, die Halterner Rechtsanwältin Christin Riemann, bezeichnete die Angaben der Geschädigten als „frei erfunden“. Auch ihr Mandant wehrte sich vehement gegen die Vorwürfe. Unter anderem führte er an, dass er aufgrund einer Diabetes-Erkrankung seit langer Zeit unter dauerhaften Erektionsstörungen leide. Sowohl der vorsitzende Richter als auch die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung kamen nach der Vernehmung zu der Einschätzung, dass die Frau sich nicht in einer schutzlosen Lage befunden habe und sich somit der Tatvorwurf der Vergewaltigung nicht aufrechterhalten lasse. „Wenn man etwas nicht will, muss man das deutlicher machen“, so der vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Selbst die Staatsanwältin hatte zuvor auf einen Freispruch für den Angeklagten plädiert.

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