Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Bis nach Dublin für eine Glas-Reparatur

Hermann Fimpeler

2394 Kilometer fliegen um eine Scheibe zu reparieren? Hermann Fimpeler tat genau das; ein Fenster am Gerichtsgebäude von Dublin musste wieder in Ordnung gebracht werden.

HALTERN/DUBLIN

von Von Elisabeth Schrief

, 25.06.2012

Morgens um 10.30 Uhr nach Dublin, an einem 52 Meter hohen Gerichtsgebäude eine Glasscheibe reparieren und dann um 15.30 Uhr wieder zurück nach Haltern – 1197 Kilometer hin und 1197 Kilometer wieder zurück: So einen weiten Weg hat Hermann Fimpeler für einen Auftrag noch nie zuvor zurück gelegt. Er kittete, was ein irischer Krimineller in seiner Wut auf die Justiz angerichtet hatte. Mit einer Waffe hatte der ein Loch in eine der 1,80 x 7 Meter großen Fassadenscheibe geschossen. Bevor sie reißt und für 33 000 Euro ersetzt werden müsste, suchte das Criminal Court of Justice einen Reparateur. Erster Ansprechpartner war Wolfgang Kahlert aus Haltern. Er entwarf vor zwei Jahren mit seinem auf Glasbau spezialisierten Ingenieurbüro GSK die Statik für das gläserne Gebäude in der irischen Hauptstadt. Kahlert fragte Hermann Fimpeler, der bewarb sich umgehend auf die Ausschreibung. „Vor fünf Wochen kam die Mail. Mach es!“, plaudert Hermann Fimpeler locker über seine etwas andere Handwerkerleistung.

Vorgabe war: Er durfte aus Sicherheitsgründen nur an einem Samstag arbeiten. Mit Sohn Thorsten und 40 Kilogramm schwerem Werkzeug im Gepäck bestieg Hermann Fimpeler Samstag das Flugzeug. Als Vielreisender war er neugierig, als Handwerksmeister ziemlich sicher, seinen Auftrag erledigen zu können. „Please wait!“, das galt natürlich zunächst auch ihm, dem Glasspezialisten. Die Sicherheitsvorschriften am größten Gerichtsgebäude Irlands mit 22 Verhandlungssälen sind streng. Hermann und Thorsten Fimpeler bestanden den Test, wurden aber keinen Moment aus den Augen gelassen. Dann kletterte der Glasermeister über ein Gerüst zwölf Meter hoch. Den 14 Zentimeter großen Schaden mit Loch und kleinen „Seitensprüngen“ – etwas größer als ein Steinschlag – behob Hermann Fimpeler mit einem Diamant-Hohlbohrer. Um die Sprünge abzufangen, bohrte er jeweils an deren Ende ein Loch. „Es ging darum, die beschädigte Stelle statisch zu stabilisieren und alle Sprünge im Bohrloch zu fangen“, erklärt der Halterner seine Arbeit, die nicht einmal das Zehntel einer neuen Scheibe kostet.

Eine Stunde und 15 Minuten dauerte die Reparatur. Nicht nur Hermann Fimpeler ist über das Ergebnis glücklich. Bei einer Glasfassaden-Höhe von 52 Metern ist das kleine „gestopfte“ Loch gar nicht zu erkennen. Insgesamt wurden an dem Gerichtsgebäude übrigens 12.000 Quadratmeter Glas verbaut. Innerhalb von zwölf Stunden nach Irland, bohren und wieder zurück – das nennt Hermann Fimpeler verrückt. Es gab Kollegen, die ihm abrieten. „Aber wenn ich nicht mal etwas Verrücktes tun würde, dann wäre ich tatsächlich alt.“ Und er hätte nicht so Außerwöhnliches zu erzählen, wie von dem glasklaren Einsatz am Samstag.

Lesen Sie jetzt