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Ein Beruf voller Lichtblicke

HALTERN Wenn Ulla Bönig eine Trauerrede hält, dann weint sie auch manchmal mit den Angehörigen. Sie zeigt Gefühl, obwohl das Reden ihre Profession ist.

von Von Elisabeth Schrief

, 28.08.2008
Ein Beruf voller Lichtblicke

Trauerrednerin Ulla Bönig zeigt Sensibilität

Seit eineinhalb Jahren ist Ulla Bönig (Foto) ausgebildete Trauerrednerin, aus dieser Aufgabe soll aber auf keinen Fall Routine werden. „Mein Ziel ist, die Bestattung und die Trauerfeier zu einer besonderen Erfahrung werden zu lassen“, sagt die 61-Jährige. Dafür ist viel Gefühl nötig. „Es ist ein wirklich schöner Beruf, zwar traurig, aber auch voller Lichtblicke.“

Ulla Bönig suchte einen Ausweg aus ihrer Arbeitslosigkeit und las, dass Trauerredner ein Zukunftsberuf sei. Sie fühlte sich angesprochen. Der Umgang mit Menschen lag ihr, die nötige Reife, Tod und Trauer verarbeiten zu können, besaß sie allemal. Nach entsprechender Ausbildung machte sie sich selbstständig. 25 weltliche Beerdigungen – hauptsächlich in den Trauerhallen Sythen und Sundern – hat sie bisher gestaltet. „Der Beruf erfüllt mich, ein gutes Einkommen sichert er jedoch noch nicht.“

Die Angehörigen erwarten von ihr menschlich erlebbaren Trost, eine persönliche Würdigung und die Vergegenwärtigung einer Lebensgeschichte. Das erfordert natürlich Einfühlungsvermögen und intensive Gespräche mit den Hinterbliebenen. Was hat den Verstorbenen geprägt? Die Recherche macht ihr Spaß. Für viele Angehörige sei das Gespräch eine tröstliche Loslösung.

Einfacher zu verarbeiten sei in der Regel der Abschied von einem älteren Menschen. Die Trennung falle zwar den meisten Angehörigen schwer, aber nach einem langen Leben gebe es Trost. Wenn allerdings Kinder sterben, vergeht der Schmerz niemals. „Ich könnte da nicht sagen, Zeit heilt alle Wunden. Das wäre zynisch.“Ulla Bönig macht sich viel Arbeit mit der Ausgestaltung einer Trauerfeier. „Die Teilnehmer einer Beerdigung sollen mit ihren Gedanken ganz bei dem Verstorbenen sein.“ Sie wählt zu den Worten die passende Musik und auch Gebete. „Christliche Elemente sind meistens gewünscht.“

  Ulla Bönig, die bekennende Katholikin, könnte sich gut vorstellen, auch in katholischen oder evangelischen Beerdigungsgottesdiensten die Trauerrede zu halten. Aber bislang behalten sich das die Pastöre selbst vor. Die ehrenamtliche Arbeit im Dülmener Hospiz und einem Altenheim hat sie für ihren Beruf sensibilisiert. „Ich habe dort so viel über Glück und Leid, Verzweiflung und Hoffnung, über Leben und Sterben erfahren.“ Bei diesen Begegnungen habe sie gelernt, die Angst vor dem Tod zu verlieren.

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