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Ein gutes Jahr für Wespen

Wespen

Sie surren, sind aufdringlich und im schlechtesten Fall stechen sie. In diesem Jahr sind die Wespen deutlich früher dran, als im vergangenen Jahr. Wir geben Tipps im Umgang mit ihnen.

Haltern

, 18.08.2018
Ein gutes Jahr für Wespen

Süße Getränke ziehen die Wespen scharenweise an, führen aber zu einem qualvollen Tod der Tiere. © Patrick Radtke

Von Mitte April bis Ende Mai gründen Wespen ihre Nester. Da es in diesem Jahr in dieser Zeit so gut wie keinen Regen gab und es zudem warm war, gibt es auch besonders viele Wespennester, Wespenköniginnen und Wespenstaaten. Das trockene Wetter hat der Population der Tiere gutgetan.

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Gleichzeitig führt es aber auch zu Problemen. Denn Wespen ernähren sich neben pflanzlichen Bestandteilen wie Nektar auch Raupen, Fliegen und Spinnen. Bis zu 500 Gramm Insekten fangen die Tiere eines großen Wespennestes am Tag. Allerdings sind genau diese Insekten aktuell durch den Mangel an Regen und der großen Konkurrenz der Wespen untereinander, kaum zu finden.

Deswegen suchen sich die Wespen weitere Nahrungsquellen. Wie den Zucker, der die Tiere häufig zum Buffet und an den Essenstisch der Menschen führt. Auch Fleisch wird gerne als Futter für die Larven verwendet.

Worauf Sie achten sollten

Circa 16 verschiedene Wespenarten gibt es in Deutschland. Dem Menschen nahe kommt lediglich die Deutsche Wespe, die auf der Stirnplatte drei Punkte hat und die Gemeine Wespe, welche durch eine Ankerform auf der Stirnplatte zu erkennen ist.

Damit es zu keinem Stich kommt, plädiert der Naturschutzbund (Nabu) für ein friedliches Miteinander mit den schwarz-gelben Insekten und gibt Tipps für den Umgang: Heftige Schlagbewegungen sollten vermieden werden, da die Wespen sich sonst bedroht fühlen und angreifen könnten. Teilweise geben sie bei Bedrohung auch Geruchsstoffe ab, die weitere Wespen zum gemeinsamen Angriff anlocken. Ebenso ist vom Wegpusten dringend abzuraten. Dies liegt am Kohlendioxid im Atem, welches im Wespennest als Alarmsignal gilt, da die natürlichen Fressfeinde Dachs und Bär ebenfalls Kohlendioxid ausatmen. Die Folge sind nervöse und aggressive Wespen. Auch Parfum, Cremes und bunte Kleidung ziehen Wespen an.

Reifes Obst im Garten ist rechtzeitig abzuernten und aufzusammeln. Zudem müssen Blattläuse bekämpft werden, da deren Ausscheidungen die Wespen anziehen.

Was Sie tun können

Gut ist es, die sich auf der Suche nach Futter befindenden Tiere abzulenken. Ein Teller mit überreifen Weintrauben, aufgestellt in zehn Metern Entfernung, eignet sich hierfür. Weniger gut ist unverdünnte Marmelade oder reiner Honig. Davon werden die Tiere aggressiv. Vom Ausstellen von süßem Saft oder Bier rät der Nabu ab. Die Tiere würden so einen qualvollen Tod sterben und es würden nur alte Tiere in die Falle gehen. „Das aktive Volk wird nicht dezimiert“, heißt es.

Ein leichter Sprühregen kann Wespen vertreiben. Die Tiere denken dann, es würde regnen und ziehen sich zurück. Die deutschlandweit aktiven Schädlingsbekämpfer von der Firma Rentokil empfehlen in Scheiben geschnittene, mit Nelken versehene Zitronen oder Orangen auszulegen. Auch der Anbau von Basilikum und Tomaten soll helfen, ebenso wie der Duft von angezündetem Kaffeepulver oder Kaffeebohnen.

Auch rund ums Haus gibt es Präventivmaßnahmen, die die Insekten abwehren: Um das Hereinfliegen in die eigenen vier Wände zu verhindern, eignet sich Fliegengaze an Fenstern und Türen. Wespennester am Haus, sollten nicht selbst verschlossen werden. Die in Panik geratenen Tiere suchen sich sonst einen anderen Ausgang und sind aggressiv, warnt der Nabu.

Medizinisch kann man jedoch nicht präventiv handeln. „Es kamen schon mehrere Kunden zu mir und haben nachgefragt. Aber da gibt es nicht wirklich was“, sagt Bernd Redemann von der Falken Apotheke in Haltern.

Nach dem Stich

Bis zu 2,7 Millimeter lang wird der Stachel einer Wespe, der zudem Widerhaken hat. Der Stachel wird nach dem Stich wieder herausgezogen, sodass Wespen im Gegensatz zu Bienen häufiger stechen können. Stechen können aber nur die weiblichen Tiere. Die männlichen (auch Drohnen genannt) haben keinen Stachel.

Haben die Wespen zugestochen und ihr Gift injiziert, sollte die entsprechende Stelle gekühlt werden. Denn Wespengift enthält Histamin. „Das ist ein Alarmsignal für den Körper, wodurch sich die Blutgefäße erweitern“, erklärt Redemann. Durch die Weitstellung kommen mehr Nährstoffe und Zellen des Immunsystems zu der Stelle. „Das führt dann zum Juckreiz und der Rötung“, so Redemann. Durch das Kühlen, würden sich die Gefäße im Körper enger zusammen ziehen und die Schwellung wieder schneller verschwinden.

Auch eine halbierte, rohe Zwiebel hat lindernde und antibakterielle Wirkung. In der Apotheke gibt es zudem cortisonhaltige Cremes, die ebenfalls gegen die Entzündungen beziehungsweise gegen das Histamin helfen.

Normalerweise verschwinden die Symptome innerhalb von 24 Stunden wieder und sind ungefährlich. Anders sieht das aus, wenn die Tiere in den Mund, den Rachen oder die Speiseröhre gestochen haben. Dann sollte sowohl von außen, als auch von innen (Eiswürfel) gekühlt werden. Schwellen die Atemwege zu, muss ein Arzt aufgesucht werden.

Allergiker müssen aufpassen

Auch Allergiker können große Probleme bekommen. Für sie kann der mit dem Wespenstich verbundene anaphylaktische Schock lebensbedrohlich sein. Jährlich sterben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes circa 20 Menschen in Deutschland an den Folgen eines Wespenstiches. Deshalb sollte ein Notfallmedikament immer bei sich getragen werden. Mit einem sogenannten Pen wird Adrenalin injiziert und der Kreislauf stabilisiert. „Adrenalin ist ein Stresshormon, welches den Blutdruck erhöht. Dadurch werden die Gefäße wieder enger gestellt und wirken so gegen das Histamin. Allerdings wirkt nicht nur auf die entsprechende Stelle, sondern auf den ganzen Körper aus, wodurch die leichte Blutdruckerhöhung eine Nebenfolge ist“, erklärt Redemann.

Auch eine Hyposensibilisierung kommt bei extremen, körperlichen Reaktionen in Frage. Die dauert mehrere Jahre, in denen den Patienten immer wieder Insektengift injiziert wird. So entwickelt der Körper eine Toleranz gegen das Gift und die Reaktion wird deutlich abgeschwächt.

Die meisten Wespenarten sind kurzzyklisch und ab Ende August wieder verschwunden“, gibt der Nabu Entwarnung. Die Tiere sterben nach einem Sommer ab – bis auf die jungen Wespenköniginnen. Die begeben sich in Winterruhe und legen im Frühjahr Eier, um einen neuen Wespenstaat aufzubauen.

„Viel, viel mehr, als im vergangenen Jahr“

Wird ein Wespennest am Haus entdeckt, kommt die Arbeit eines Umsiedlers oder eines Kammerjägers in Frage. Während der Umsiedler darauf bedacht ist, die Tiere unbeschadet an einen unbedenklichen Ort zu bringen, tötet der Kammerjäger die Wespen ab. Ralf-Peter Loewen von der SHL-Vectorex Schädlingsbekämpfung aus Lippramsdorf kann sich über Einsätze in diesem Jahr nicht beklagen. „Es waren viel, viel mehr, als im vergangenen Jahr. Und die Wespen waren viel früher dran. Ich hatte schon Ende Mai die ersten Einsätze wegen kleinen Nestern“, sagt er.

Muss ein Kammerjäger gerufen werden, sollte man jedoch darauf achten, welche Firmen ihre Dienste anbieten. Denn die Preise gehen extrem weit auseinander. „Alle Wespennest-Entfernungen, die bis zu 150 Euro kosten, sind in Ordnung. Es hängt davon ab, wie man an das Nest herankommt und wie schnell es entfernt werden muss“, so Loewen. Allerdings haben ihm auch schon Kunden gesagt, dass andere Anbieter „horrende Preise“ fordern.

Kommt Ralf-Peter Loewen zu einem Nest, begutachtet er die Situation, und wählt dementsprechend die Bekämpfungsmethodik. „Wir arbeiten mit einem Spray, Wespenschaum oder mit einem insektiziden Puder. Denn die Königin muss absterben“, erklärt Loewen. „Wenn man nicht, bis zum Kern des Nestes kommt, kann es sein, dass man am Anfang Ruhe hat, weil einige Wespen abgestorben sind, die Königin aber nicht erreicht wurde. Dann ist eine Nachbehandlung notwendig“, so Loewen.

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