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Gier nach Lust und Laster

SYTHEN „Ihr Popler, Warmduscher und Feuerleger – warum rülpset und furzet ihr nicht?“ Laut und launisch ging es einher auf dem Gelände der mittelalterlichen Burg, die heute Schloss Sythen heißt. Dafür sorgte eine Schar von Gästeführern aus Unna.

von Von Ellen Adam

, 03.08.2008
Gier nach Lust und Laster

Rustikal ging es nicht nur beim Essen zu.

In entsprechenden Gewandungen ließen sie die Gäste des zweiten "Schmectaculum" am Freitag- und Samstagabend eintauchen in die Welt von Gauklern, Henkern, Mägden und Freifrauen. „Den hätt’ ich mir nicht gegriffen“. Das Urteil über die Mannsleut, das Maria und Elisabeth unverblümt verkündeten, sorgte für viel Gelächter. Den "Propperen" Bodo Klimpel verschleppen Die beiden waren mit den Weibsleuten gar nicht zufrieden. Denn die meisten zeigten sich unzüchtig, ohne Haube auf dem Kopf. Derweil wurden die feschen Maid nicht müde, ihre Qualitäten zu zeigen. Sie wiegten sich in den Hüften und zeigten ihr pralles Dekolleté. Den „propperen“ Bürgermeister Bodo Klimpel wollten sie indes ins Badehaus verschleppen. Lob für Gastgeber

Tatsächlich galt das Winde lassen als Lob für den Gastgeber. Danach hätten die Mauern der Burg erbeben müssen, denn auf den Tellern landeten allerlei kulinarische Genüsse, angelehnt an Speis und Trank der Ritterzeit. Eierkuchen mit Lachs, Gemüsetorte mit Rüben und Spitzkohl, Eintopf, Spanferkel und Huhn und zum Schluss warmes Dörrobst mit Gries oder Apfelkuchen mit Vanillesoße – da wurde dem Kräuterschnaps zur Verdauung gern zugesprochen.

In Mode des Mittelalters  Viele auswärtige Gäste traten durch das Burgtor. Gewandet in der Mode des Mittelalters zeigten sie ihr Faible: Solche Spektakel sind in – und mal einen Abend als Freifrau verbringen? Warum nicht. Das Schmectaculum bietet die Bühne dafür und bei frivolem Minnesang und erotischen Tischgedichten oder frechen Versen, die Dario Weberg vom LiteraTour Theater Dortmund rezitierte, zeigte sich, dass Gier, Lust und Laster zum täglichen Umgang gehörten. Sythener Weiber küssten am besten Giovanni Boccacios „Dekameron“ passte genauso zum Spektakel wie Francois Villon. Die Äbtissin und ihr Liebhaber, die Grabschrift eines geilen Weibes , die Gier nach einer Jungfernhaut – zuletzt machte Weberg den Sythener Weibern ein Kompliment: Sie küssten am besten. Woher er das weiß? In der Sythener Flora ist er häufig zu Gast. Matthias Pfeiffer und Peter Booken vom Lindenhof organisierten den Abend gemeinsam, bauten schon Tage zuvor originalgetreue Zelte auf. Die vielen bedachtsam ausgewählten Accessoires – es gab sogar Spucktücher aus Leinen – trugen mit dazu bei, dass das Ambiente am Schloss perfekt stimmte.

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