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Höhere Rezeptgebühren ärgern Marcumar-Patienten

Fast verdoppelt

Josef Tuttmann ist sauer: Jetzt muss er für den Blutgerinnungshemmer Marcumar 9,77 Euro statt wie bisher fünf Euro zuzahlen. Will er das Originalpräparat weiterhin nehmen, sind ihm die Hände gebunden.

HALTERN

von Von Ina Retkowitz

, 14.06.2012
Höhere Rezeptgebühren ärgern Marcumar-Patienten

Dieser Hinweis ärgert Marcumar-Patienten.

Das musste Tuttmann von seiner Krankenkasse, der BKK vor Ort, erfahren: Bei Marcumar hat nicht der Hersteller die Preise erhöht, sondern die Krankenkassen haben unisono die Erstattungssätze abgesenkt. Zur Erklärung: Marcumar ist Bestandteil einer Festbetragsgruppe, die vom Gemeinsamen Bundesausschuss gesetzlich festgelegt wird. Ändert sich der Preis eines der Bestandteile, hat das Auswirkungen auf alle anderen Präparate in der Gruppe.

Die aktuelle Zuzahlung von 4,77 Euro wiederum legt der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) fest, um die Ausgaben der Kassen möglichst wirtschaftlich zu halten. Mitgehangen, mitgefangen? "Nein", sagt Ann Marini, stellvertretende GKV-Pressesprecherin: "Die Patienten, die Marcumar nehmen müssen, brauchen nur solange zuzahlen, bis ihre individuelle Belastungsgrenze erreicht ist. Und sie haben die Möglichkeit, sich bei anderen Kassen zu erkundigen, ob die Rabattverträge mit dem Hersteller von Marcumar abgeschlossen haben und können dorthin wechseln." Das Wirtschaftlichkeitsgebot der Endverbraucher hat sie dabei nicht berücksichtigt: Es gibt allein 145 verschiedene Kassen in Deutschland. Unabhängig von der Preisfrage können Ärzte und Apotheker in Einzelfällen bei der Präparatvergabe eingreifen.

So kann der Arzt ein so genanntes Aut-Idem-Kreuz auf dem Rezept setzen. Damit trägt er dem Apotheker auf, nur das Originalpräparat auszuhändigen - zum Beispiel, weil Allergien gegen einen Hilfsstoff im Ersatzprodukt bestehen. Und Dr. Dirk Schulte-Mecklenbeck von der Bärenapotheke bestätigt: Der Apotheker könne pharmazeutische Bedenken anmelden, etwa, bei Patienten, die verschiedene Medikamente nehmen müssen und dabei durcheinander geraten.

Josef Tuttmann nützt das allerdings nichts. Einzelschicksal!

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