Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

In Lippramsdorf grüßen neue Ortsschilder

Straßenverkehr

In der Freiheit hat das Ordnungsamt nachgerüstet. Es stellte dort an allen Wohnstraßen Ortsschilder auf. Was amüsant erscheint, entspricht deutschem Verkehrsrecht, sagt die Stadt.

Lippramsdorf

, 13.07.2018
In Lippramsdorf grüßen neue Ortsschilder

Hier endet Lippramsdorf, auf der anderen Straßenseite ist man wieder mitten drin. © Elisabeth Schrief

Wer auf den Straßen in Lippramsdorf-Freiheit unterwegs ist, reibt sich dieser Tage verwundert die Augen. An jedem Abzweig links und rechts von der Dorstener Straße steht seit Neuestem ein Ortseingangs- oder ein Ortsausgangsschild. Wer beispielsweise den Galgenberg verlässt, um geradeaus über die Kreisstraße in die Burgstraße zu steuern, verlässt Lippramsdorf, befindet sich für kurze Zeit im Niemandsland und fährt dann wieder nach Lippramsdorf rein.

Ordnungsamt beruft sich auf rechtliche Verpflichtung

Wer war hier am Werke? Das Ordnungsamt. Es beruft sich dabei auf eine rechtliche Verpflichtung der Stadt. Ortstafeln, so die Verwaltung, markieren, wo eine geschlossene Bebauung beginne. In der Freiheit stünden aber entlang der Dorstener Straße nur einzelne Häuser mit Eingängen zur Hauptstraße. Erst die Seitenstraßen stellten in dieser Wohnsiedlung den Anfang der geschlossenen Bebauung dar. Also müssten auch dort laut Straßenverkehrsrecht die Ortstafeln stehen. Zumal die Stadt hier Tempo 30 angeordnet hat.

Dass die Ortsschilder seit Jahren fehlen, ist der Verkehrsunfallkommission kürzlich bei einer Begehung aufgefallen. Es komme immer mal vor, dass das Ordnungsamt Situationen nacharbeiten müsse, um nicht gegen die geltende Straßenverkehrsordnung zu verstoßen, so die Stadt. Diese besagt: Die Schilder sind ohne Rücksicht auf Gemeindegrenze und Straßenbaulast dort anzubringen, wo ungeachtet einzelner unbebauter Grundstücke die geschlossene Bebauung auf einer der beiden Seiten der Straße beginnt oder endet.

Das geschah beispielsweise im Sommer 2017 auch in Bergbossendorf (wir berichteten). Dort stellte die Stadt ebenfalls an allen von der Dorstener Straße abzweigenden Tempo-30-Zonen Ortstafeln auf. Beispiele gebe es laut Verwaltung ebenso in Lavesum.

Es ginge auch darum, Gefahrensituationen vorzubeugen

Die Stadtverwaltung gesteht, in Lippramsdorf-Freiheit sei es sicherlich einfacher gewesen, am Siedlungsein- und -ausgang Schilder aufzustellen, um dem Autofahrer zu signalisieren, wo er sich gerade befindet. Aber das sei laut deutschem Recht eben nicht in Ordnung. Jetzt stehen am Holtweg, an der Ostendorfer Straße, am Galgenberg, Im Grund, an der Burg- und Braukstraße sechs neue Tafeln mit dem Ortsnamen. Der Bürger könne das vielleicht nicht nachvollziehen, vermutet das städtische Ordnungsamt, aber letztlich ginge es eben auch darum, Gefahrensituationen vorzubeugen.

Ein Kommentar von Elisabeth Schrief (Redakteurin): „Rein, raus und mittendrin ein Nirgendwo: Ja, was ist denn jetzt los? Über die Ausstattung mit neuen Schildern in Lippramsdorf kann sich der Bürger nur kopfschüttelnd wundern. Welch‘ bunte Blüten treibt da der deutsche Bürokratismus! Die Stadt ist in der Tat nur Erfüllungsgehilfe. Aber hätte sie sich nicht einfach blind stellen können? Niemand hat bisher den überflüssigen, blechernen Unsinn vermisst, niemand hat ihn – abgesehen von der Kommission – eingefordert, ist zuvor orientierungslos durch Lippramsdorf gefahren und hat dabei sein Sicherheitsgefühl verloren. Der Schilderwald ist groß genug in Haltern, er gehört eher gelichtet als „aufgeforstet“. Manchmal sollte man vielleicht Unsinn gegen Sinn abwägen. Das ist nicht nur kostengünstiger, sondern schützt auch vor absurden Auswüchsen.“
Lesen Sie jetzt