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„Ein unheimlich wichtiges Projekt“

Halterner Wald wird zur letzten Ruhestätte

Im Gespräch war das Thema schon seit knapp drei Jahren, jetzt wurden die Verträge unterschrieben: Die Stadt Haltern bekommt eine Ruhestätte Natur im Ortsteil Sythen. Die Pläne sind schon weit gediehen.

Haltern

, 17.05.2018
„Ein unheimlich wichtiges Projekt“

Die Ruhestätte in Herten: Ohne die Informationstafel fiele es gar nicht auf, dass es sich hier um einen Bestattungswald handelt. © Foto: Carsten Nachlik

Carl Otto Graf von Westerholt und Bürgermeister Bodo Klimpel waren sichtlich zufrieden, als sie die Vereinbarung zur „Ruhestätte Natur Haltern-Sythen“ am Mittwoch im Rathaus unterzeichneten. Damit wurde die Einrichtung eines Bestattungswaldes im Sythener Forst besiegelt. Zwar muss noch der Kreis Recklinghausen grünes Licht geben. Hier erwarten die Verantwortlichen in Haltern aber keinen Einspruch. Damit nimmt eine jahrelange Diskussion über die Beisetzung von Urnen in freier Natur ein Ende. „Dies ist der vorläufige Abschluss eines unheimlich wichtigen Projekts“, erklärte Klimpel.

Die Bestattungskultur hat sich über die Jahre verändert

Die Bestattungskultur habe sich in der Vergangenheit sehr stark verändert. Das Bedürfnis nach einer Beerdigung im Wald nehme zu, meinte Klimpel. Mit dieser Einsicht wichen denn wohl auch letzte Bedenken in der Politik, sich mit den Bestattungswald eine Konkurrenz für die eigenen Kommunalfriedhöfe zu schaffen. Im März 2017 hatten schließlich alle Parteien für das Projekt gestimmt.

„Ein unheimlich wichtiges Projekt“

© Foto: Carsten Nachlik

Die Vereinbarung zum Haltern-Sythener Bestattungswald bezieht sich auf eine insgesamt 20 Hektar große Fläche nördlich des Schlosses Sythen. Zunächst allerdings sollen lediglich vier Hektar zwischen Brookweg, Reiherhorst und Sythener Straße als Ruhestätte genutzt werden. Eingriffe in die Natur seien nicht notwendig, sagte Carl Otto Graf von Westerholt. Nur an Stellen, an denen Brennnesseln oder wild wucherndes Indisches Springkraut den Zugang zu Ruhestätten erschweren, solle es zurückgeschnitten werden.

Der Friedwald ist offen für alle Konfessionen

Träger des Projekts ist die Stadt Haltern, die einen Teil der Gebühren erhält. Betreiber ist der Graf als Eigentümer der Fläche.

Der Bestattungsforst im Linnert ist offen für Menschen jeglicher Konfession. Bis zu zwölf biologisch abbaubare Urnen können an einem Baum beigesetzt werden. Auch eine Familien-Ruhestätte ist möglich. Es werden nur Bäume mit einer zu erwartenden Lebensdauer von 99 Jahren ausgesucht. Sie sind nummeriert und mit Plaketten versehen, auf denen die Namen der Verstorbenen nebst Geburts- und Todesdatum versehen sind. Anonyme Bestattungen sollen nur auf besonderen Wunsch möglich sein. Grabschmuck ist nur am Tag der Beisetzung erlaubt. „Der Charakter des Waldes soll erhalten werden“, erklärte Graf Westerholt.

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Aus diesem Grunde auch hatte sich das Genehmigungsverfahren zum Teil als beschwerlich erwiesen, wie am Mittwoch im Rathaus zu erfahren war. Forst- und Naturschutzbehörden hatten die Pläne kritisch unter die Lupe genommen.

Drei Anlaufstellen soll es im und am Bestattungswald geben: eine Infotafel am Parkplatz, ein kleiner Platz zur Andacht im Wald mit einigen Bänken und die Schloss-Kapelle für Trauerfeiern. Ein Büro ist in einem Nebengebäude der Sythener Mühle geplant. Läuft alles nach Plan, soll die Ruhestätte Haltern-Sythen noch in diesem Jahr eröffnet werden. Klimpel dazu ein wenig poetisch: „Erste Bestattungen sollten möglich sein, wenn die Blätter wieder von den Bäumen herunterfallen.“