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Zarte Seele in rauer Welt

DÜLMEN Dieser Don Quichotte war kein Ritter der traurigen Gestalt, über den man lachen musste, sondern der Don Quichotte, den das Teatr KTO aus Polen am Dienstagabend zeigte, war ein versponnener, sanfter Mann, der den harten Realitäten des Lebens nicht gewachsen schien.

von Von Claudia Marcy

, 07.08.2008
Zarte Seele in rauer Welt

Bei diesem Küchenballett flogen nicht nur die Schürzen, sondern auch Gemüse und Kochtöpfe.

Es war ein melancholisches, streckenweise sogar bedrückendes Stück, mit dem die Straßentheatersaison in Dülmen endete. Rund 1200 Zuschauer waren es nach Angaben der Stadt, die sich die einstündige, bildgewaltige Inszenierung der Gäste aus Polen ansahen.

Die Akteure spielten und tanzten auf dem Marktplatz sowie auf mehreren hohen Bühnenelementen, die von den Schauspielern in manchmal beängstigendem Tempo über das Kopfsteinpflaster geschoben wurden. Diese dynamischen Sequenzen, oftmals Kampfszenen, wechselten mit ruhigen Bildern, in denen sich der sanfte, zarte Don Quichotte und sein bärenstarker Begleiter Sancho Pansa alltäglichen Dingen widmen.

Die Welt, mit denen Don Quichotte, der sich in der Welt der Bücher am wohlsten fühlt, konfrontiert wird, ist laut und roh: Das hauen Köchinnen auf die Kochtöpfe, dass das Gemüse nur so nach allen Seiten spritzt, verkrüppelte Dämonen, kriechen über den Markt. Gespenster einer autoritären und entmenschlichten Vergangenheit setzen Don Quichotte ebenso zu, wie die Spiegelritter, die eine Mischung aus Bodyguard, Kampfmaschinen und männlichen Laufsteg-Models darstellen.

Überraschenderweise gibt es in dieser rauen Welt auch Momente voller Zartheit, etwa wenn sich Don Quichote und eine Köchin annähern, oder Witz, wie bei dem Pas de deux mit Kochtopf oder auf der Krankenliege. Die Musik, manchmal hämmernd, manchmal wild, dann wieder sanft, begleitet das Geschehen und akzentuiert es. Die Bücherverbrennung bedeutet den Tod des ohnehin schon lebensmüden Don Quichotte. Eindrucksvoll das Schlussbild, in dem effektvoll beleuchtet Windmühlen in unterschiedlichen Größen auf dem Marktplatz stehen. Grabsteine, die an die erinnern, die in dieser rücksichtslosen Welt untergegangen sind oder Zeichen der Hoffnung, weil die Don Quichottes nicht aussterben?

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