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Handball-Meister in Schockstarre: Titel-Hattrick wohl futsch

Mannheim/Flensburg. Nach der Pleite gegen Melsungen haken die Rhein-Neckar Löwen den Titel-Hattrick ab. Zwei Spieltage vor Saisonschluss hat Vizemeister Flensburg plötzlich alle Trümpfe in der Hand. In Mannheim herrscht Fassungslosigkeit. Doch in Flensburg reagiert man demütig.

Handball-Meister in Schockstarre: Titel-Hattrick wohl futsch

Nach der Niederlage gegen Melsungen haken die Rhein-Neckar Löwen den Titel-Hattrick ab. Foto: Uwe Anspach

Hängende Köpfe, entgeisterte Gesichter und ein Gefühl der Ohnmacht: Der wohl entscheidende Rückschlag im Titelrennen löste beim deutschen Handball-Meister Rhein-Neckar Löwen eine Schockstarre aus.

„Es tut unfassbar weh“, sagte Teammanager Oliver Roggisch nach dem 23:24 gegen die MT Melsungen. Durch die erste Heim-Pleite in der Bundesliga seit eineinhalb Jahren verspielte der DHB-Pokalsieger mit hoher Wahrscheinlichkeit den Titel-Hattrick und das erste Double in der Vereinsgeschichte.

Innerhalb von nicht einmal zwei Wochen gab der Titelverteidiger seinen komfortablen Vier-Punkte-Vorsprung vor der SG Flensburg- Handewitt aus der Hand. Der Vizemeister befindet sich zwei Spieltage vor Saisonende plötzlich in der Pole Position und kann nun aus eigener Kraft die zweite Meisterschaft nach 2004 klarmachen. „Wir sind natürlich alle riesig enttäuscht. Das hatten wir uns anders vorgestellt. Für uns ist das extrem ärgerlich“, sagte Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen. „Jetzt liegt es nicht mehr in unseren Händen.“

Im hohen Norden bleibt man aber demütig und denkt noch nicht an die mögliche zweite Meisterschaft der Vereins-Geschichte. „Die Saison ist erst mit dem letzten Pfiff am letzten Spieltag beendet“, sagte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke der Deutschen Presse-Agentur. „Danke an Melsungen, dass wir nun aus eigener Kraft Meister werden können. Das wäre der Lohn für eine konstant gute Saison“, betonte Schmäschke. Aber: „Wir denken noch nicht so weit.“

Ausgerechnet gegen Melsungen - die Nordhessen konnten zuvor noch nicht einmal einen Punkt in Mannheim ergattern - endete die stolze Heimserie der Rhein Neckar Löwen, die vor allem an ihren eigenen Nerven scheiterten. „Es ist schwierig, dafür Worte zu finden. Es ist bitter, dass uns das in dieser Phase der Saison passiert“, stellte Nationalspieler Patrick Groetzki frustriert fest.

Flensburg (52:12 Punkte) muss an diesem Sonntag beim Aufsteiger TuS N-Lübbecke antreten und kann den Titel dann am 3. Juni mit einem Heimsieg gegen Frisch Auf Göppingen perfekt machen. „Wir sind in einer Situation, über die wir uns freuen, aber wir dürfen nur auf uns selbst schauen“, forderte Schmäschke volle Konzentration vom Team.

Die Löwen (51:13) empfangen noch den Tabellenvorletzten Eulen Ludwigshafen und zum Abschluss den SC DHfK Leipzig. „Wir müssen die Köpfe hochbekommen und die letzten zwei Spiele gewinnen“, forderte Jacobsen. „Und dann müssen wir schauen, was Flensburg macht.“

Innerlich haben die Löwen den Titel aber bereits abgehakt. Groetzki: „Wir haben nix mehr in der eigenen Hand, deshalb muss man mit dem Szenario rechnen, dass es keine Meisterfeier gibt. Das wäre ganz bitter“. Denn die Mannheimer wollten den historischen Triumph diesmal unbedingt schaffen. Dafür schenkten sie sogar die Champions League her, wo sie im Achtelfinale wegen einer Doppel-Ansetzung mit ihrer zweiten Mannschaft beim polnischen Meister Kielce antraten. Doch nun droht sogar noch der Absturz auf Rang drei, auf dem der punktgleiche EHF-Cup-Gewinner Füchse Berlin lauert.

Roggisch appellierte an die Löwen-Spieler, die Enttäuschung ganz schnell abzuschütteln. „Wir haben noch eine ganz wichtige Aufgabe vor der Brust, nämlich die Qualifikation zur Champions League. Dafür lohnt es sich, in den verbleibenden Spielen zu kämpfen“, sagte er.

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