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Einsatz am Dienstag

Handy am Steuer: Polizei kontrolliert auf Autobahnen

NRW Die Zahl tödlicher Verkehrsunfälle auf NRW-Autobahnen ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Immer öfter ist Ablenkung eine Unfallursache - etwa durch den Blick aufs Handy. Die Polizei geht daher an diesem Dienstag mit Schwerpunktkontrollen auch in der Region vor. Wir sagen Ihnen, was bei der Handynutzung erlaubt ist und was nicht.

Handy am Steuer: Polizei kontrolliert auf Autobahnen

Weil es zuletzt mehr tödliche Verkehrsunfälle auf NRW-Autobahnen gibt, will die Polizei die Kontrollen verschärfen.

80 Menschen haben im vergangenen Jahr ihr Leben auf den nordrhein-westfälischen Autobahnen verloren - eine Steigerung um rund ein Drittel gegenüber dem Vorjahr. Auch in der Region kommt es immer wieder zu schweren Unfällen: So gab es unter anderem auf der Autobahn 1 zwischen Oktober 2016 und Januar 2017 allein im Bereich zwischen Kamener Kreuz und Werne-Nord insgesamt 16 Unfälle mit Personenschaden. Das Innenministerium ist alarmiert - und ergreift nun erste Maßnahmen. 

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Mit Schwerpunktkontrollen auf den Autobahnen will die Polizei in Nordrhein-Westfalen an diesem Dienstag gegen Raser und Handynutzung am Steuer vorgehen. Rund 400 Beamte sollen landesweit im Einsatz sein, teilte das Innenministerium am Montag mit. Anlass für die intensiven Kontrollen sei die gestiegene Zahl tödlicher Unfälle auf Autobahnen. Mit 80 habe diese im vergangenen Jahr um rund ein Drittel höher gelegen als 2015.

Vor allem die Ablenkung durch Smartphones sei eine immer häufigere Unfallursache. "Das scheint vielen noch immer nicht klar zu sein", sagte Innenminister Ralf Jäger (SPD) laut der Mitteilung. "Während der Fahrt mal eben online, bedeutet vielleicht für immer offline." Seit Montag verbreitet die Polizei NRW ein Video in den sozialen Medien, das auf die Gefahren der Handynutzung aufmerksam machen soll.

Das Video der Polizei NRW:

Gänzlich verboten ist die Nutzung des Handys beim Autofahren allerdings nicht. Jedoch gilt es dabei einige Regeln zu beachten: 

  • Wer Funktionen des Handys während der Autofahrt am Steuer nutzen will, darf es dafür nicht in die Hand nehmen. Ansonsten drohen ein Bußgeld von 60 Euro und ein Punkt in Flensburg, erklärt Rechtsanwalt Christian Janeczek von der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltverein.
  • Unter Nutzung versteht der Gesetzgeber jegliche Funktion von Handy oder Smartphone. Dazu gehöre nicht nur das Telefonieren oder Tippen von SMS, sondern beispielsweise auch das Ablesen der Uhr oder Fotografieren, so der Fachanwalt für Verkehrsrecht. Steckt das Telefon in einer Halterung, darf der Fahrer es mit den Fingern bedienen und mit Freisprecheinrichtung telefonieren. Doch auch dann darf der Fahrer durch das Handy nicht zu sehr ablenkt sein. Bei stehendem Fahrzeug darf man es regulär nutzen. Aber: "Dann muss unbedingt der Motor abgestellt sein."
  • Passiert ein Unfall aufgrund der Handynutzung hinter dem Steuer, kann eine Haftpflichtversicherung den Fahrer mit bis zu 5000 Euro in Regress nehmen. Die Mehrzahl der Verträge schließt diese Leistungskürzung wegen grober Fahrlässigkeit zwar aus. "Doch Mietwagenverträge zum Beispiel in der Regel meist nicht", sagt der Anwalt. Die Kaskoversicherung kann die Leistung im Einzelfall sogar um 100 Prozent kürzen.

"Multitasking ist ein Mythos"

Verkehrsexperten sprechen sich angesichts von immer mehr Unfällen durch Handy und Smartphone am Steuer schon seit Längerem einhellig für eine härtere Bestrafung bis hin zum Fahrverbot aus. "Multitasking ist ein Mythos", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutsche Verkehrssicherheitsrats (DVR), Christian Kellner, jüngst auf dem 55. Verkehrsgerichtstag in Goslar. Die meisten seien sich "des großen Risikos überhaupt nicht bewusst, dass sie durch die Nutzung der Geräte eingehen".

Die Zahl der Unfälle durch solche Ablenkung steige. Der Verband forderte, wer ohne Freisprecheinrichtung telefoniere, SMS tippe oder Nachrichten lese, solle ein Vielfaches des bisherigen Bußgeldes von 60 Euro zahlen. Zudem müsse das bisherige Handy-Verbot auf andere elektronische Geräte erweitert werden. Im DVR sind rund 200 Verkehrsorganisationen, Verbände, öffentliche Einrichtungen und Autoclubs organisiert.

Höhere Strafen gefordert

Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft meint: "Die Bußgeldsätze sollten drastisch erhöht werden." Handlungsbedarf sehen auch die Autoclubs. Viele Fahrer hätten die "Illusion, die Situation jederzeit unter Kontrolle zu haben", sagte ADAC-Expertin Kristina Benecke.

Diverse Studien zeigten aber, dass die Ablenkung durch Informations-, Kommunikations- oder Unterhaltungsmedien im Fahrzeug eine relevante Unfallursache sei, sagte Benecke. Auch der ADAC empfehle deshalb, über den bisherigen Rahmen der Sanktionen nachzudenken und dabei auch über Fahrverbote zu sprechen. Zudem sollte das derzeitige Handyverbot auf alle mobilen Kommunikationsgeräte ausgeweitet werden.

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Der Automobilclub von Deutschland (AvD) hat eine "dramatische Zunahme des Phänomens" beobachtet. Eine Untersuchung des AvD habe ergeben, dass 53 Prozent der Befragten während der Fahrt schon Nachrichten eingetippt und sogar 72 Prozent Nachrichten gelesen haben.

Sicherheitsrat will mehr Kontrollen

Zur genauen Zahl der durch Smartphone-Ablenkung verursachten Unfälle in Deutschland gibt es nach Angaben des Verkehrssicherheitsrates zwar keine verlässlichen Angaben. Die Experten sind sich aber einig, dass die Zahl immer weiter steigt. "Smartphones haben sich zu einem echten Killer im Straßenverkehr entwickelt", erläuterte der Experte für Verkehrssicherheit beim Auto Club Europa ACE, Gert K. Schleichert, auf dem Verkehrsgerichtstag in Goslar.

Das aktuelle Bußgeld halte immer weniger Autofahrer davon ab, am Steuer zum Smartphone zu greifen, sagte Schleichert. Einen Grund für die zahlreicher werdenden Handyverstöße sieht er im geringen Entdeckungsrisiko. "Wer etwas für die Verkehrssicherheit tun möchte, muss deshalb die polizeiliche Verkehrsüberwachung kräftig ausbauen und die Befugnisse der Polizei erweitern", sagte der ACE-Fachmann.

Auch der Verkehrssicherheitsrat plädiere für mehr Kontrollen, sagte Hauptgeschäftsführer Kellner. Außerdem sollte die Polizei Smartphones leichter einziehen und auswerten können, wenn der Verdacht besteht, dass deren Nutzung die Ursache eines Unfalls gewesen sein könnte. Unabhängig davon sollten die Hersteller verpflichtet werden, die Nutzung mobiler Kommunikationsgeräte bei der Fahrt zu unterbinden.

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dpa/obr

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