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Harnoncourt mit «Orlando paladino» in Wien bejubelt

Wien (dpa) Ein rasender Ritter wird mit Elektroschocks behandelt, seine Geliebte auf der Couch therapiert. Regisseur Keith Warner hat die Oper «Orlando paladino» von Joseph Haydn in ein Irrenhaus verlegt, dessen Insassen unter kollektiven Halluzinationen leiden.

In der Aufführung des selten gespielten Werks, die im Theater an der Wien in der österreichischen Bundeshauptstadt Premiere hatte, versucht eine Psychiaterin ihre Patienten zu Klängen der Wiener Klassik von ihren Störungen zu befreien. Die Produktion erntete frenetischen Applaus, Jubel gab es für Dirigent Nikolaus Harnoncourt und sein Orchester sowie den Interpreten der Titelpartie, Kurt Streit.

«Orlando paladino» macht dort weiter, wo das fantastische Epos «Orlando furioso» («Der Rasende Roland») des Renaissancedichters Ludovico Ariosto endet. Der fränkische Ritter Orlando (Kurt Streit) ist aus Liebe zu Angelica (Eva Mei) wahnsinnig geworden. In tobendem Zorn verfolgt er die Angebetete, die sich in Begleitung ihres neuen Liebhabers Medoro (Bernhard Richter) befindet. Die Zauberin Alcina (Elisabeth von Magnus), der in der Wiener Aufführung die Rolle der Psychiaterin zukommt, stoppt schließlich Orlandos Raserei, indem sie ihm Lethewasser aus dem Fluss des Vergessens zu trinken gibt.

Regisseur Warner und Bühnenbildner Ashley Martin-Davis haben sich von Rummelplätzen und Jahrmärkten inspirieren lassen, im Speziellen vom Vergnügungspark im Wiener Prater. Damit greifen sie auf die Tradition der 1960er Jahre zurück, als diese bunten, bizarren Orte mit psychedelischen Zuständen in Zusammenhang gebracht wurden. So wird das Theater an der Wien zur Schießbude und zum Spiegelkabinett. Gaukler und Geisterbahnfiguren tanzen über die Bühne. Der Barbarenkönig Rodomonte (Jonathan Lemlau) tritt auf einem Ringelspielgefährt reitend auf, Caronte (Marcus Butter), der Fährmann der Unterwelt, gleitet in seinem Kahn auf einer Achterbahn herab.

Als Orchester steht Nikolaus Harnoncourt im Theater an der Wien das von ihm gegründete Originalklangensemble Concentus Musicus zur Verfügung. Haydns Klangsprache weist ihn zwar als Zeitgenossen Mozarts aus, formal sind seine Musiktheaterwerke aber noch sehr stark den Schemata der Barockoper, der Abfolge von Da capo-Arie und Rezitativ, verpflichtet. In «Orlando paladino» finden sich dennoch bemerkenswerte Einfälle, die am augenfälligsten mit der Buffo-Partie des Pasquale verbunden sind. In einer Arie prahlt Orlandos Knappe (Markus Schäfer) mit seinen musikalischen Fähigkeiten und beginnt einen regelrechten Dialog mit dem Orchester. In einem Liebesduett mit der Schäferin Eurilla (Juliane Banse) gerät Pasquale derart in Ekstase, dass er nur noch die Vokale a, e, i, o und u herausbringt. «A.E.I.O.U.» war der bis heute geheimnisvolle (möglicherweise: Alles Erdreich ist Österreich untertan) Wahlspruch der Habsburger. Der gebürtige Österreicher Haydn stand in Diensten der ungarischen Magnatenfamilie Esterházy.

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