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Auf den Spuren der Vergangenheit

Ausgrabungen in Heek

Das Archäologen-Team hat bei seinen Ausgrabungen erste Fundstücke geborgen, die gut 2000 Jahre alt sind. Dabei gibt es auch so manche Probleme.

von Alex Piccin

Heek

, 06.07.2018
Auf den Spuren der Vergangenheit

Archäologe Dr. Ingo Pfeffer (r.) und Grabungstechniker Christopher Hetzelt präsentieren erste Ergebnisse aus der Ausgrabungsstätte auf dem Gelände der Firma Cramer. Der Holzbalken dient der Veranschaulichung, die Skizze zeigt das vermutete Aussehen eines Getreidelagers © Alex Piccin

Ein wenig erinnert das Gelände hinter der Firma Cramer an eine Wüstenlandschaft oder an einen Abenteuerstreifen aus Hollywood, in denen der Protagonist mit Hut im Sand nach Schätzen oder gar dem Heiligen Gral Ausschau hält. Weit hergeholt, sicher. Gewisse Übereinstimmungen mit der Realität gibt es dann aber tatsächlich: einen Archäologen sowie Sand und Fundstücke, auch aus der Zeit um Christi Geburt.

Dr. Ingo Pfeffer vom LWL in Münster hat mit seinem Team vor einigen Wochen auf dem Areal an der Eper Straße mit Bauwagen und Sonnenschirmen Position bezogen. Er sucht im Boden nach Hinweisen aus der Eisenzeit zur Besiedlung an der Dinkel. Erste Ergebnisse sind bereits katalogisiert.

Mais gegen Erosion

Das Ausgrabungsteam hat mehrere Standorte ermittelt, an denen in der Eisenzeit einmal Holzpfähle gestanden haben. Sie waren die Pfeiler von Wohngebäuden oder einem Getreidespeicher. „Die Menschen haben sich damals in Höfen angesiedelt. Wenn der Boden verbraucht war, sind sie einige hundert Meter weitergezogen“, sagt Pfeffer. Durch Verfärbungen im Boden können diese Wanderbewegungen nachgewiesen werden.

Im Frühjahr war auf der Fläche Mais angebaut worden. Dass die Ernte ausbleibt, war den Landwirten bewusst. „Das war so abgesprochen“, beteuert Pfeffer. Das Wurzelwerk sei wichtig gewesen, um eine übermäßige Winderosion zu verhindern und somit die Arbeiten zu erleichtern.

Bagger haben zunächst den Humusboden abgetragen, um „in den ungestörten Bereich zu gelangen. Die menschliche Einwirkung sieht man im hellen Boden“, erläutert der Archäologe. Einen guten Meter Oberschicht haben die schweren Maschinen ausgehoben, die Feinarbeit folgt rigoros mit Spaten, Kelle und Pinsel. Die Hitze macht es ihm und seinen Mitarbeitern nicht leicht. Daher haben sie begonnen, die Grabungsstellen zu wässern.

Gefäße und Scherben

Neben dem Standort der Holzpfähle traten bislang auch Gefäßsegmente und Scherben aus Keramik zu Tage. Es benötigt ein großes Maß an Erfahrung zu entscheiden, welche Fundstücke auch wirklich welche sind, oder ob es sich dabei um Schutt handelt. Die Archäologen datieren die freigelegten Stücke auf circa 50 Jahre genau. Dabei werde nicht chemisch, sondern optisch vorgegangen. „Es ist ein Rantasten. Nach und nach und mit jedem Fundstück wachsen unsere Informationen und Erkenntnisse zur Frühgeschichte“, schildert Ingo Pfeffer.

Direkt am zweiten freigelegten Areal sind dunklere Spuren zu sehen. Der Ausgrabungsleiter klärt auf: „Dort verlief im 19. Jahrhundert ein Weg.“ An dieser Stelle soll noch tiefer gegraben werden, da Ingo Pfeffer Überreste aus dem Mittelalter vermutet.

Einbrecher auf Video

Ein kurzer Sprung zurück zu Film und Leinwand. Unsere Hauptfigur mit Hut musste sich zusätzlich Grabräubern erwehren. Unbefugten Zutritt haben sich Personen auch im Heeker Ausgrabungsbereich verschafft. Viel mitzunehmen gebe es nicht, versichert Pfeffer. Schlimmer wiege die Rücksichtslosigkeit, die sie an den Tag gelegt haben: „Die sind mit dem Motorrad hier durchgefahren – warum auch immer.“ Unbekannt bleiben die Täter wohl nicht sehr lange, denn sie sind auf den Überwachungsvideos zu erkennen.

Der bis dato spannendste Fund ist ein halbes Gefäß aus der Eisenzeit um Christi Geburt. Dieses wird derzeit in der Restaurierungswerkstatt in Münster präpariert, um es später auszustellen. Ingo Pfeffer und sein Team rechnen fest damit, dass bald einige hinzukommen.

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