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Ein grüner Traum auf 4500 Quadratmetern

Renate Weilinghoffs Garten

HEEK "Das Gefährliche beim Garten ist: Man wird zum Sammler." Renate Weilinghoff schmunzelt mitunter über sich selbst, wenn sie von ihrer großen Leidenschaft spricht. Seit fünf Jahren arbeitet sie an ihrem Garten - und der ist mittlerweile mehr als sehenswert.

von Von Christiane Nitsche

, 13.08.2010

Seit sie vor fünf Jahren der Liebe wegen von Goslar nach Wichum kam, hat die "Jung-Bäuerin" ein Großteil ihrer Energie in die Gestaltung des 4500 Quadratmeter großen Privatgartens am Hof ihres Mannes gesteckt. Das Ergebnis ist nicht nur fürs Auge des Betrachters beeindruckend: Auch auf dem Papier macht die Blätter- und Blütenpracht einiges her. Rund 150 verschiedene Dahlien, eine Sammlung besonderer Iris-Sorten und Waldreben (Clematis), alte Rosen neben Neuzüchtungen, dazu Baumexoten, ein Schmetterlingsgarten und Wasserspiele lassen ahnen, dass hier unzählige Arbeitsstunden investiert wurden.

Zeit, die nicht nur mit Hacke und Schaufel, sondern auch mit der Lektüre von Fachbüchern und Internet-Recherche verbracht wurde. „Es gibt über 2000 Funkien-Sorten“, erklärt die 50-Jährige etwa. „Ich bin jetzt bei 47.“ Und nicht genug damit: Demnächst werden auf einer angrenzenden Wiese Mammutbaum, Zimtahorn, Zaubernuss und andere exotische Baumarten gepflanzt – als „Oase der Ruhe“. Weilinghoff hat eine Ader für das Besondere, nicht nur bei Bäumen und anderen Gartenpflanzen. Von vielen Reisen, die sie als Reiseverkehrskauffrau und Inhaberin mehrerer Reisebüros in ihrer Heimatstadt unternommen hat, brachte sie zahlreiche mehr oder minder kostbare Andenken mit.

Darum blühen heute auf ihrer Terrasse Petunien und Sonnenblumen in original ägyptischen Tongefäßen, stehen zwischen Rhododendron und Pfingstrosen Massai-Frauen aus Holz, hinter Sukkulenten schaut ein Buddha-Kopf hervor. Und mit afrikanischen Ornamenten verzierte Fiberglashocker laden ebenso zum Verweilen ein wie nordafrikanische Sitzmöbel mit Diwan-Charakter in einem orientalisch anmutenden Pavillon. „Da treffen sich die alte Reisetante und die Bäuerin“, lacht Weilinghoff. Für sie sei der Garten ein Spiegel der Seele, aber auch ein perfekter Ausgleich zur Arbeit. „Da habe ich den Kopf frei.“ Seit sie in den Hof ihres Mannes eingeheiratet hat, führt sie dort die Buchhaltung – bei einem Betrieb mit einer Größenordnung von über 500 Mastbullen, landwirtschaftlichem Maschinenpark und mehreren Angestellten keine Kleinigkeit. Dazu kommen Pflichten bei Haushalt und Kindern.

Im Garten findet sie Ruhe und Kontemplation. „Zu sehen, wie alles wächst“, erfülle sie mit Freude, sagt sie. „Und natürlich auch das Feedback der Leute.“ Irgendwann ergab es sich, dass Besucher auf ihren besonderen Garten aufmerksam wurden. Seit etwa zwei Jahren bietet Weilinghoff daher Gartenführungen für Gruppen an. Die Resonanz ist groß. „Im Moment kann ich mich kaum retten“, lacht sie. Mit dem Ausmaß ihrer Aktivitäten, zu denen inzwischen auch ein kleiner Hofladen gehört, wächst auch der Garten.

Gerade entsteht auf der angrenzenden Wiese ein „Traum in Blau“ mit Polsterglockenblumen, Vergissmeinnicht und Eisenhut. Gepflanzt wird nach einem vorher festgelegten Plan. „Ich pflanze alles so, dass es in zwei Jahren dicht ist“, erklärt die Gärtnerin. So paradox es klingen mag – der Garten soll später so wenig Arbeit wie möglich machen. „Ich werde ja auch nicht jünger“, erklärt sie. Veränderung, Erneuerung – Stichworte, die sich bei Weilinghoffs Schilderungen ihrer Garten-Leidenschaft von selbst einstellen. Sie halte es mit Voltaire, sagt sie: „Wenn du glaubst, dein Garten ist fertig, stirbt dein Garten.“

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