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Eine Zeitreise im Bürgerbus

Wanderausstellung

HEEK / LEGDEN Er ist umgerechnet schon 69 Mal um die Erde gefahren und ist dabei immer heimatverbunden geblieben: Der Bürgerbus Heek-Legden holt seit 25 Jahren Menschen dort ab, wo sonst kein öffentliches Verkehrsmittel halt macht. Er war ein Vorzeigeprojekt, das später kopiert wurde.

von Von Sylvia Lüttich-Gür

, 02.08.2010
Eine Zeitreise im Bürgerbus

Der Vorsitzende des Bürgerbusvereins, Bernhard Volkmer, freute sich, die Wanderausstellung eröffnen zu können.

Er steuert Bauerschaften an, deren Name manch einer noch nie gehört hat. Und er macht Nachbarschaftshilfe erfahrbar – im wahrsten Sinne des Wortes. Wie genau das funktioniert, dokumentiert eine neue Wanderausstellung. Die Stellwände stehen seit Montag in der Heeker Filiale der Kreissparkasse. Auf ihnen sind alte Fahrpläne und Einsatzberichte geheftet, vergilbte Zeitungsartikel und jede Menge Fotos. „Wir erzählen 25 Jahre Bürgerbusgeschichte im Zeitraffer“, fasst Bernhard Volkmer zusammen, der Vorsitzende des Bürgerbusvereins und Initiator der Jubiläums-Dokumentation.

Wie die stille Revolution des öffentlichen Nahverkehrs auf dem Lande begann, ist auch dort nachzulesen. Noch lebendiger wird die Geburtsstunde des ersten deutschen Bürgerbusvereins aber, wenn die Geburtshelfer von ihr berichten. Einige von ihnen befinden sich unter den Gästen der Ausstellungseröffnung. Es war im Sommer 1984, als in seiner Heeker Amtsstube das Telefon geschellt habe, berichtet Hubert Steinweg. Der ehemalige Gemeindedirektor kann sich noch genau an das folgenschwere Gespräch erinnern, das folgte: „Wollt Ihr Euch beteiligen am ersten deutschen Bürgerbus“, lautet die Frage am anderen Ende. „Was ist das: Bürgerbus“, fragt Steinweg zurück, „und was kostet das?“

Die Antworten, die folgten, genügten Steinweg, um seinen Legdener Amtskollegen Helmuth Deipenbrock anzurufen und ins Boot zu holen – oder genauer: in den von ehrenamtlich tätigen Fahrern gelenkten Bus. Nach und nach nahm die Idee der damaligen Landtagsabgeordneten Ilse Ridder Melchers Gestalt an. Die Politikerin aus Coesfeld hatte den Bürgerbus-Gedanken nicht selbst entwickelt, sondern aus den Niederlanden importiert. Da war guter Rat nah: Nachdem sich Steinweg, Deipenbrock und einige andere von den holländischen Nachbarn das „Buurtbus“-Konzept haben erklären lassen, „war der Groschen gefallen“, blickt Steinweg schmunzelnd zurück: „Ein Erfolgsmodell erster Güte“ , resümiert er.

Die Fotos an den Stellwänden illustrieren es. Eines zeigt einen voll besetzter Saal im Legdener Gasthaus Ostermann: die Gründungsversammlung des Bürgerbusvereins Ende Januar 1985. Ein anderes Bild ist gut einen Monat später im Heeker Rathaus aufgenommen: Der damalige Verkehrsminister Reimut Jochimsen überreicht den Schlüssel des ersten Bürgerbusses: ein gelber Bulli, wie es auf den nächsten Aufnahmen zu sehen ist. Später wechselte der Bürgerbus ins Weiße, zuletzt wurde er rot – vielleicht aus Anstrengung: Schließlich ist der Bürgerbus Heek-Legden – der erste im Land und nach wie vor einer der erfolgreichsten – schon sieben Mal zum Mond gefahren…

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