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Grenzgängern den Einstieg erleichtern

Regionalminister als Praktikant in Heeker Firma

Der Regionalminister von Overijssel hat ein Praktikum beim Heeker Unternehmen Inotec absolviert – als Teil eines Euregio-Projekts. Es soll Grenzgängern den Einstieg erleichtern, denn noch gibt es viele Grenzen.

Heek

, 11.06.2018
Grenzgängern den Einstieg erleichtern

Regionalminister Eddy van Hijum legte beim Praktikum in Heek Hand an. © Foto Kleinhuis

Der erste Praktikant des neuen Euregio-Projekts „Experiment Grenze“ trägt normalerweise Anzug und Krawatte. Den tauschte Eddy van Hijum, Regionalminister der niederländischen Provinz Overijssel, am Montag gegen ein rotes Polo der Heeker Firma Inotec. Und das Schnupperpraktikum führte ihn gleich in den Schweinestall eines örtlichen Landwirts, wo er unter fachkundiger Anleitung des Meisters ein Rohr installierte.

Das Pilotprojekt richtet sich an alle, die an einem beruflichen Sprung über die Grenze interessiert sind. Ziel ist ein gemeinsamer, grenzüberschreitender Arbeitsmarkt in der Grenzregion. „Es ist für alle Beteiligten ein Experiment“, sagte Projektleiterin Stéphanie Woldringh von der Euregio. „Für die Firmen, die Arbeitnehmer und für uns.“ 18 Firmen aus der Grenzregion machen mit. Bei ihnen können Arbeitnehmer ein Tagespraktikum im Nachbarland absolvieren. „Ich weiß jetzt, was ein Zollstock ist“, sagte Eddy van Hjjum nach seiner Grenzerfahrung. „Aber viele Fachbegriffe sind noch schwer.“ Die Sprache ist aber nur eine von vielen Komplikationen, denen Grenzgänger gegenüberstehen. Steuern, Krankenversicherung, Rente, Ausbildung sind mitunter die größeren Hürden.

Minijobs als Problemfall

„Es ist ein komplexes Thema mit vielen Einzelfällen“, bestätigte Sonja Adamsky, Euregio-Ansprechpartnerin für den Arbeitsmarkt. „Viele sind interessiert, aber orientierungslos.“ Sich über das Thema zu informieren, sei aber schon der erste Schritt zur Überwindung der Hürden. „Alle reden von Problemen, aber das meiste lässt sich einfach lösen.“

„Wir reden schon seit Langem. Aber ich habe den Eindruck, heute gibt es sogar weniger Austausch als früher“, kritisierte dagegen von Hijum. Vor allem die Hürden durch Bürokratie und mangelnde Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen sind ihm ein Dorn im Auge.

Manche Dinge seien eben schwer zu ändern, entgegnete Sonja Adamsky. Zum Beispiel die Gesetzgebung zum Minijob. Der funktioniere innerhalb Deutschlands gut, führe für Grenzgänger aber regelmäßig zu dem Problem, dass diese aus beiden Krankenversicherungssystemen fliegen. Auch die Erreichbarkeit von Behörden könne besser und die Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen leichter sein, so Adamsky.

Kulturelle Hindernisse

„Sind die denn vergleichbar?“, fragte Heinz Brügger, Geschäftsführer von Inotec. „Die Ausbildung in Deutschland hat einen guten Ruf in den Niederlanden. Aber umgekehrt sind die deutschen Firmen skeptischer“, so der Regionalminister. Brügger hofft, über das Euregio-Projekt Kontakte zu Arbeitnehmern aus den Niederlanden zu knüpfen. Denn die Firma sucht händeringend nach Auszubildenden für die Berufe Heizung-Sanitär und Elektrotechnik. „Lohnt sich das denn für Holländer?“, fragte Brügger weiter. „Das kommt darauf an, was man verdient“, erläuterte Adamsky. Und der Ehepartner. Und wie viele Kinder zu versorgen sind. Ehegattensplitting in Deutschland nutzen oder den Hypothekenzins in Holland von der Steuer absetzen – es ist eben kompliziert. „Das ist in jedem Einzelfall anders“, so Adamsky.

Vor zwei Jahren wagte Hans Veldhuis aus Winterswijk den Schritt in den deutschen Arbeitsmarkt. Für die Firma Tönnemann fährt er nun Autoteile aus. Auch er musste sich erst durch das Dickicht der Bürokratie kämpfen. „Da hat man ein 16-seitiges Formular ausgefüllt und erfährt nach sechs Wochen, dass noch irgendwo ein Kreuz fehlt.“ Beim Papierkram wurde er von seinem Arbeitgeber und der Euregio unterstützt. Aber auch Sprache und Kultur waren anfangs ein Hindernis. „In Holland sind die Hierarchien ganz anders. Da wird jeder geduzt.“

„Wenn man einmal drin ist, geht es gut“, sagte er über sein Leben als Grenzgänger. Der Weg dahin soll künftig leichter werden. Der erste Schritt könnte ein Praktikum auf der anderen Seite der Grenze sein. „Jeder Arbeitnehmer kann mitmachen“, so Stéphanie Woldringh.

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