Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Große Chance im Kleinen

Wohnung statt Haus

HEEK Sie hatte ihr eigenes Haus, sie hatte einen 1000 Quadratmeter großen Garten. Jetzt wohnt Alwine Brüning auf 47 Quadratmetern, hat gerade einmal noch einen kleinen Balkon. Doch das ist genau das, was sie wollte.

von Von Sylvia Luettich-Guer

, 17.08.2010

Alwine Brüning steht in ihrer neuen Wohnung: Rechts von der 71-Jährigen befindet sich das Wohnzimmer mit Balkon, links von ihr die kleine helle Küche und hinter ihr der Flur, von dem Schlafzimmer und Badezimmer abzweigen: 47 Quadratmeter heimelige Gemütlichkeit mitten im Ortskern. Die Witwe hat das zu groß gewordene Haus mit Garten in der Kämpensiedlung gegen sie eingetauscht. „Ein guter Tausch“, sagt sie mit fester Stimme und blickt sich zufrieden um. Ihrem alten Zuhause trauere sie nicht nach: „Das Obergeschoss habe ich doch schon länger nicht mehr benutzt“, sagt sie und deutet auf ihre Beine. Treppensteigen, das sei nichts mehr für sie. Fahrradfahren auch nicht. Die Folge: „Ich kam kaum noch raus.“

Waren die Vorräte auf, bat sie Nachbarn, ihr etwas mitzubringen. Begann das Grün in dem 1000 Quadratmeter großen Garten zu wuchern, musste sie Verwandte nach Unterstützung fragen. Und quälte sie die Einsamkeit, blieb ihr nur der Griff zum Telefonhörer. Selbst hinaus zu gehen und etwa die Schwester im Seniorenheim St. Ludgerus zu besuchen, kam nicht in Frage. „Von der Kämpensiedlung aus ist das viel zu weit.“ Von der neuen Wohnung in einem der beiden Neubauten im Bereich Upn Hoff ist es dagegen nur ein Steinwurf. Durch ihre Entscheidung, in die Anlage zum betreuten Wohnen einzuziehen, ist sie nicht nur weit ins Zentrum gerückt, sondern auch zurück ins Leben. Und um Handreichungen im Haushalt braucht sie niemanden mehr zu bitten, sie kauft sie von der Caritas ein – je nach Bedarf.

Arzt und Apotheke sind jetzt gleich um die Ecke, Geschäfte und Kirche wenige Meter weiter, „und der Friedhof gleich dahinter“, sagt die Heekerin und zeigt durch das große Fenster auf die hohe Hecke, die das Gräberfeld umgibt. Die Nachbarschaft zu den Verstorbenen ist für sie nicht beklemmend, im Gegenteil. „Nun kann ich endlich meinen Mann häufiger besuchen.“ Dass der ihr zur Entscheidung, sich kleiner zu setzen, gratuliert hätte, steht für Alwine Brüning außer Frage. „Nur schade, dass wir das nicht schon gemeinsam gemacht haben.“ Aber damals habe es das „Service Wohnen“-Angebot neben der alten Vikarie ja noch nicht gegeben.

Die gute Nachbarschaft in der Kämpensiedlung, die sie so sehr schätzte, hofft die Witwe auch in ihrem neuen Zuhause zu finden. Die Chancen dafür stehen gut: Denn viele neue Nachbarn werden alte Bekannte sein: Heeker bleiben in dem Neubau unter den hohen Eichen unter sich. Die acht Wohnungen in dem einen und die drei Wohnungen in dem gegenüber liegenden Gebäude – beide hat das Ehepaar Wittland errichtet – waren schon lange vor der Fertigstellung vergeben, wie Uwe Bröcker von der Caritas Pflege und Gesundheit berichtet.

Er sitzt an Alwine Brünings Küchentisch und lässt sich von dem gelungenen Umzug vor einer Woche berichten. Die etwas gehbehinderte Seniorin aus der Kämpensiedlung ist eine der ersten, die einzog. Die anderen Senioren werden nach und nach folgen – und auch Uwe Bröcker selbst. Er öffnet zum 1. September mit seinem Team von der Mobilen Pflege das neue Caritas-Büro in dem Neubau gegenüber von Alwine Brünings Zuhause. Sie könne ihm ja dann ab und zu vom Balkon aus zuwinken, meint die Seniorin – wenn sie nicht gerade irgendwo im Dorf unterwegs ist.  

Lesen Sie jetzt