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Klangbaum von Schülern neu vertont

Aktion der Kreuzschule

Was macht der Frosch im Baum? Wer aufmerksam lauscht, hört noch mehr hoch oben im Geäst: Es quakt und zirpt, zwitschert und schnarrt. Der Klangbaum im Amtsgarten der Burg hinter dem Langen Haus ist neu vertont. Künstler Ralf Schreiber und Fünftklässler der Kreuzschule haben die Schwedische Mehlbeere mit selbst gebastelten Klangkörpern bestückt.

HEEK

05.10.2016
Klangbaum von Schülern neu vertont

Die Klangkünstler (hinten von links) Helge Kussel (Klassenlehrer), Frederik Timme (Projektassistent Soundseeing), Ralf Schreiber (Künstler); (vorne von links) Derik Zerlu, Reihen Koci und Yannik Große Vestert.

"Einige der Instrumente aus dem vorigen Jahr sind gestorben", sagt Ralf Schreiber und legt die federgeschmückten Plastikflaschen ins Gras. Der winzige mechanische Motor im Flaschenhals hat den Geist aufgegeben und der Ton ist verstummt. Die Klangmodule hingen seit beinahe eineinhalb Jahren zwischen den Zweigen. "Das ist einfach ein sehr langer Zeitraum. Die Witterung hat ihr Werk getan", vermutet der Kölner Künstler, der sich seit zwei Jahren in die münsterlandweiten Klangkunstreihe Soundseeing einbringt.

Doch anders als seine Kollegen wollte Schreiber keine feste Installation auf dem Gelände der Landesmusikakademie (LMA) errichten. So entstand die Idee, einmal im Jahr mit einer fünften Klasse ausgeklügelte Klangkunstroboter zu basteln und in die Natur einzufügen. Das Material bringt Schreiber mit: Mikroprozessoren, auf denen er Tonfolgen programmiert hat, Solarzellen, winzige Lautsprecher, Drähte und Zinn.

Grundlagen in Elektrotechnik

"Das leitet die Elektrizität besonders gut", erklärt Derik Zerlu beinahe fachmännisch die Funktionsweise der Elektrotechnik in der handtellergroßen Petrischale. Der Elfjährige hatte bis zum Projekttag am Vortag noch nie gelötet. Doch die Jungen und Mädchen der 5d hätten prima mitgearbeitet, weiß Klassenlehrer Helge Kussel. "Das Unterrichtsprojekt vermittelt erste Grundlagen der Elektrotechnik und verbindet gleich die Fächer Technik und Kunst miteinander." Die Kinder haben ihre Klanginstrumente auf einer Seite bunt bemalt:

Nun hängen 20 lustige Gesichter mit herausgestreckten Zungen, Schmetterlinge und auch ein raupenbewohnter Apfel im Baum und lärmen verhalten. "Die Prozessoren sind auf verschiedene Tonfolgen und Pausen programmiert", erklärt Ralf Schreiber. Ein Zufallsgenerator löse die Tonsequenz aus. Die künstlichen Geräusche sollen sich in die Natur integrieren, sie aber nicht übertönen.

Hören und sehen

Hören und sehen - Soundseeing verbindet beide Sinneseindrücke zu einem eindrucksvollen Klangerlebnis an ungewöhnlichen Orten, und findet bereits zum sechsten Mal statt. In Ausstellungen, Konzerten und Workshops präsentieren renommierte Künstlerinnen und Künstler ihre musikalischen Klangwelten. In diesem Jahr liegt die Federführung des Projekts bei der LMA.

Ralf Schreiber hat sein Klangprojekt auf maximal sieben Jahre begrenzt. Er hat sich vorgenommen, seinen Klangbaum im kommenden Frühjahr zu besuchen, um zu lauschen, ob es zwischen dessen Ästen noch quakt und zwitschert und schnarrt. Bis dahin möchte er sich auch Gedanken machen, nachhaltigere Materialen als Plastik für die Klanghüllen zu finden, um nicht nur die Geräusche in Einklang mit der Natur zu bringen. "Vielleicht Holz?"

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