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So rot und süß wie selten

Erdbeerernte

Im Regal stehen sie zuhauf - aber selsbt pflücken ist doch etwas ganz anderes - Erdbeeren. Wir waren auf einem Selbstpflückfeld bei

HEEK

von Von Sylvia Lüttich-Gür

, 11.06.2012

Laurenz hat alle Hände voll zu tun auf dem Erdbeerfeld: Pflücken, begutachten und reinbeißen. Zum Sammeln kommt der Vierjährige da überhaupt nicht. Heiner Möllers, der die Erdbeeren in Ahle angebaut hat, versteht den fröhlich kauenden Knirps gut. So groß, prall und aromatisch wie in diesem Jahr seien die Beeren selten: „Was da dieses Mal dran sitzt, ist wirklich enorm.“

Das empfindet Nazli Ceylan Engin ganz genauso. 2011 sei sie mit ihren Eltern auch schon auf dem Selbstpflückfeld zwischen Heek und Ahaus gewesen, erzählt die Siebenjährige, während sie im Stroh zwischen den Pflanzen hockt und mit Kennerblick rote Früchte unter dem dunkelgrünen Laub ausmacht. Ein Griff, und sie bringt eine Erdbeere zu Tage, die sie kaum mit einer Hand umschließen kann. „So groß waren die damals aber nicht“, sagt sie. „Und so süß auch nicht“, ergänzt sie und wischt sich mit dem Handrücken de roten Saft von den Lippen. Nazlis Erinnerung trügt nicht. Im vergangenen Jahr seien es tatsächlich kleinere und deutlich weniger Früchte gewesen, bestätigt Heiner Möllers. Vor sechs Jahren hatte er begonnen, zusammen mit Andre Höfting Erdeeren im großen Stil anzubauen. Inzwischen bewirtschaften die beiden Felder in Ochtrup, Gronau, Metelen, Bad Bentheim und seit vier Jahren auch in Ahle. Wer nicht selbst in die Hocke gehen will, um das gesunde Naschwerk zu pflücken, kann auch an einem der Verkaufsstände bereits gefüllte Erdbeerkartons kaufen. Möllers und Höfting beschäftigen in der Erntezeit Saisonkräfte – vor allem aus Rumänien und Polen – , die täglich pflücken. Die Obstbauern beliefern Kunden aber auch direkt – Einzelhändler, Restaurants und Hotels.

Nazli kann das nicht verstehen. Für sie, für den kleinen Laurenz und die vielen anderen Kinder in den Gassen des Feldes gibt es nichts Besseres als selbst zu pflücken. Dass die schönsten Beeren dabei ungewogen im Mund der Selbstpflücker verschwinden, gehöre eben dazu, meint Möllers lächelnd. Noch drei Wochen Seit Anfang Juni sind die Selbstpflücker-Felder geöffnet. Seitdem wachsen immer wieder rote Früchte nach – aber nicht unbegrenzt. „Ich hoffe, dass es noch drei Wochen lang gutgeht“, sagt der Landwirt, der auf seinem Hof auch noch einige Milchkühe und ein paar Mastschweine hält. Der Obstanbau sei aber eine wichtige Ergänzung. 

Laurenz dreht sich um. Der kleine Steinfurter sucht seine Mutter, findet sie in der Reihe nebenan und winkt vergnügt mit roten Früchten in den Händen. „Wir sind nur zufällig hier vorbeigekommen auf dem Rückweg von meinen Eltern in Ahaus“, erzählt die jetzt ebenfalls winkende Frau. Die spontane Entscheidung, halt zu machen, „hat sich gelohnt“.

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