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Heilbronn erste Großstadt mit Gratis-Kindergärten

Heilbronn (dpa) «Was nichts kostet, ist auch nichts wert» - keineswegs alle Heilbronner Eltern waren begeistert, als sie von der geplanten Gebührenfreiheit für alle drei Kindergartenjahre hörten. Doch die Skepsis löste sich im Herbst 2007 schnell in Luft auf.

Heilbronn erste Großstadt mit Gratis-Kindergärten

Die Betreuung von Benjamin und Jessica ist für ihre Eltern kostenlos - in Heilbronn sind alle drei Kindergartenjahre gratis. (Bild: dpa)

Da wurde nämlich bekannt, dass zugleich 92 neue Personalstellen geschaffen werden, erzählt Jochen Müller, Vorsitzender des Gesamtelternbeirates. «Da gab es kein Hintertürchen.» Denn der kostenlose Besuch des Kindergartens wurde nicht durch Abstriche an der Betreuung erkauft. Heilbronn ist seit Anfang diesen Jahres die einzige Großstadt in Deutschland, in der alle drei Kindergartenjahre gratis sind. Bis zu 1700 Euro im Jahr können Mütter und Väter sparen.

«Wir haben einen Teil des gesparten Geldes in einem Ausbildungsfonds für unser Kind gelegt», sagt Müller. «Bei den meisten Eltern fließt das Geld in das allgemeine Budget und entspannt damit die finanzielle Situation.» Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach (parteilos) freut sich über den Erfolg des familienpolitischen Lockmittels: «Es gibt sogar Familien aus dem Umland, die daran denken, wieder nach Heilbronn zurückzuziehen.» Nach seinen Worten ist die Maßnahme die größte Entlastung für Familien in der Nachkriegszeit in Heilbronn. Das Projekt lässt sich die Stadt mit ihren 120 000 Einwohnern mehr als fünf Millionen Euro im Jahr kosten. Das Geld für die 83 Kindergärten mit 3800 Kindern kommt aus Steuermehreinnahmen.

97 Prozent der Heilbronner Kinder zwischen drei und sechs Jahren werden von den Betreuungsangeboten erfasst, berichtet Himmelsbach. «Damit haben wir alle Kinder erreicht, die wir erreichen können - denn immer wollen einige Eltern ihre Kinder zu Hause betreuen oder behinderte Kinder werden in gesonderten Einrichtungen versorgt.» Er hat beobachtet, dass die Kinder früher in den Kindergarten kommen - gleich mit dem dritten Lebensjahr. Die Kinder werden auch zeitiger angemeldet. «Die Eltern kommen jetzt zum Teil schon im ersten Lebensjahr», sagt Kindergartenleiterin Doris Ehrmann. Sie profitiert ganz persönlich von den Maßnahmen. Dank der Qualitätsoffensive ist sie nun zu 50 Prozent von der Betreuung freigestellt und hat nun mehr Zeit, pädagogische Konzepte zu entwickeln und ihre Kolleginnen weiterzubilden.

Mit der Initiative hat sich die Stadt bundesweit nicht nur Freunde gemacht. Himmelsbach erzählt: «Andere Kommunen fühlten sich unter Zugzwang. Eltern und Fraktionen fragen sich, warum in ihrer Kommune nicht geht, was in Heilbronn gelingt.» Kollegen in baden-württembergischen Städten befürchten überdies, dass die CDU/FDP-Regierung von Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) von ihrem Versprechen Abstand nimmt, das dritte Kindergartenjahr verpflichtend und damit kostenfrei zu machen. Denn wenn die Kommunen diese Aufgabe selbst schultern, könnte sich das Land untätig zurücklehnen. Dann hätten sich die hier engagierten Kommunen einen Bärendienst erwiesen, meinen besorgte Kommunalpolitiker.

Deshalb will OB Himmelsbach deutlich machen, dass es sich um eine freiwillige Leistung seiner Gemeinde handelt. So ist die Maßnahme erst einmal auf zwei Jahre begrenzt. Für den Haushalt 2010/11 müssen die Stadträte erneut abstimmen. Elternbeirat Müller kündigt für den Fall einer Rücknahme der Gebührenfreiheit zwar Proteste an, hat aber Verständnis für den Weg der Stadt: «Heilbronn muss auch dem Land zeigen, dass die Gebührenfreiheit nicht selbstverständlich ist, denn eine Kindergarten ist nicht mehr nur Betreuungs-, sondern Bildungseinrichtung, und für Bildung ist das Land zuständig.»

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