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Heimat der Düfte: Grasse ist die Stadt des Parfüms

Grasse (dpa/tmn) In dieser Stadt lohnt es, sich ganz auf den Geruch zu konzentrieren. Es duftet nach frischem Baguette, nach den Menschen, die vorbeigehen, und nach Autos, schließlich ist Grasse eine 40 000-Einwohner-Stadt.

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Nach und nach wird die Altstadt von Grasse saniert. Auf Plätzen wie dem Place aux Herbes bauen Händler ihre Stände auf. (Bild: crtca Barbot/dpa/tmn)

Im milden Klima Südfrankreichs wachsen Blumen besonders gut - was vor allem den Parfümherstellern in Grasse zugute kommt. (Bild: Frey/dpa/tmn)

Verwinkelte Altstadt und schmale Gässchen: In Grasse fällt es leicht, sich vorzustellen, wie die Menschen im Mittelalter lebten. ("crtca Barbot/dpa/tmn)

Die «Expo Rose» zieht jedes Jahr im Mai viele Besucher an: Züchter zeigen dann vier Tage lang, wie kunstvoll Rosen aussehen können. (Bild: Frey/dpa/tmn)

Corinne Marie-Tosello führt in die Kunst der Parfümherstellung ein. (Bild: Frey/dpa/tmn)

Duftender Grundstoff für ein neues Parfüm: Bis zu 3000 Gerüche kann ein Parfümeur auseinanderhalten. (Bild: Frey/dpa/tmn)

Carol Biancalana und ihre Kollegen pflücken bis zu 100 Kilogramm Rosen am Tag, die dann an die Duftfabriken in Grasse geliefert werden. (Bild: Frey/dpa/tmn)

Aber es duftet auch nach Rosen und Lavendel, Zitrone, Jasmin und betörenden Mischungen aus all dem zusammen in den Fabriken der Parfümerien. 30 von ihnen gibt es in der südfranzösischen Stadt, die auch die «Stadt der Düfte» genannt wird.

«Riecht genau! Woran denkt ihr bei Verbena?» Corinne Marie-Tosello hält den schmalen Papierstreifen an die Nase und schaut in die Runde. «Zitrone», «etwas Bizzelndes», «Urlaub», lauten die Antworten der Parfüm-Schüler. Sie sitzen in der Parfümfabrik Fragonard aufgereiht wie eine Klasse an Pulten, vor sich verschraubbare Gläser mit duftenden Flüssigkeiten, Pipetten, zwei Miniaturmessbecher und viele Streifen Papier.

Jeder Duftstoff muss ins «Geruchsgedächtnis» aufgenommen werden, im Kopf werden die Gerüche dann so geschickt kombiniert, dass aus den Einzelteilen etwas Großes wird. So arbeiten die Profis. Erst wenn der Parfümeur einen Duft im Kopf kreiert hat, fängt er an, ihn zu mischen. Das Riechen gilt also vor allem der Kontrolle. Eine «Nase» kann 3000 Gerüche erkennen und auseinanderhalten, die Schüler im Parfüm-Workshop sind schon mit den angebotenen 9 fast überfordert. Weltweit gibt es rund 1000 Parfümeure, in Grasse arbeiten 50.

Die Altstadt von Grasse ist eng. «Die Häuser standen in manchen Vierteln so dicht, dass für die Durchlässe und Treppchen nur noch eine Elle weit Platz blieb. Und selbst auf den Plätzen und den wenigen breiteren Straßen konnten die Fuhrwerke einander kaum ausweichen» - so schildert Jean-Baptiste Grenouille, der gleichermaßen geniale wie abartige Parfümeur aus Patrick Süskinds Bestseller «Das Parfum», das «Rom der Düfte».

Tatsächlich sind die Gassen der Altstadt nur wenige Meter breit. Viele der Häuser stammen aus dem Mittelalter, der gelb-braune Putz bröckelt an etlichen Fassaden. Auch heute noch scheinen die Häuser ihren Bewohnern zu eng zu sein - abends nutzen die Kinder die Straßen als Spielzimmer, während sich ihre Väter dort mit Freunden treffen.

Nach und nach wird jetzt die Altstadt saniert. Wo das bereits geschehen ist, strahlen die Häuser in Gelb, Orange und Rot. Sobald eine Straßenausbuchtung Platz bietet, stehen Tische und Stühle für Besucher bereit. An der zentralen Straße Rue de Droite reihen sich Crêperien, Bistros und Restaurants aneinander. Von dort zweigt die Rue Gazan zur Kathedrale Notre Dame du Puy ab.

Die Weltstadt der Düfte hat ihren Titel vor allem dem Klima zu verdanken. Im Hinterland der Côte d'Azur scheint die Sonne 300 Tage im Jahr auf Menschen und Pflanzen, und so konnten die Parfümfabriken ihre Rohstoffe gleich vor der Haustür anbauen.

Zwischen 20 und 100 Kilogramm Rosen pflücken Carol Biancalana und ihre Kollegen am Tag - 7000 bis 35 000 Stück. Die Saison dauert sechs Wochen, denn auf der Blumenfarm in Plascassier, wenige Autominuten von Grasse entfernt, baut Carol ausschließlich die Mairose Centifolia an. Die sieht zwar für eine Rose recht unscheinbar aus, duftet aber dafür umso intensiver - ideal für die Herstellung hochwertiger Düfte.

Einmal im Jahr erobert die Rose die Stadt: Während der «Expo Rose» im Mai zeigen Züchter vier Tage lang, wie unterschiedlich Rosen sein können. Sorten mit handtellergroßen Blüten in Karminrot stehen neben rosa-rot gesprenkelten Exemplaren, weiße neben knallgelben, langstielige neben buschigen. Ihre Rosen aber, sagt Carol Biancalana, sind von ganz besonders hoher Qualität. Sie werden frisch vom Feld an die Parfümerien in Grasse geliefert und finden sich dann beispielsweise in den Düften von Chanel oder Guerlain wieder.

Gewonnen werden die duftenden Rohstoffe über unterschiedliche Verfahren - den Ausdruck zum Beispiel, bei dem die Schalen von Früchten gepresst werden, oder die Destillation, die schon im 8. Jahrhundert von den Arabern erfunden wurde. In den Räumen von Fragonard stehen zur Verdeutlichung große Glaszylinder aufgereiht, mal mit himbeerfarbener, dann mit dunkelroter Flüssigkeit gefüllt. Wie aus Blüten Parfüm wird, soll das neue Parfüm-Museum zeigen. Die Wiedereröffnung nach vier Jahren Umbauzeit ist für den Herbst 2008 geplant.

Kupferfarbene Bottiche, Handpressen und antike Parfümflaschen zeigen auch die drei Parfümhersteller Molinard, Galimard und Fragonard in ihren hauseigenen Museen. Daneben können Besucher die Fabriken besichtigen oder ihre eigenen Düfte kreieren.

Informationen: Tourismusbüro Grasse, Cours Honoré Cresp, F-06130 Grasse, Telefon von Deutschland: 0033/4/93 36 21 68; Maison de la France, Zeppelinallee 37, 60325 Frankfurt, Telefon: 0900/157 00 25 (für 49 Cent pro Minute)

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