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Heinz H. Menge betreibt Sprachforschung für alle

Buch über Ruhrgebietssprache

Wer im Ruhrgebiet aufgewachsen ist, der hat die besten Voraussetzungen, Hochdeutsch vorbildlich zu meistern. Und die schönsten Bus- und Bahn-Ansagen gibt es leider nicht in Bochum sondern Oberhausen – das sind nur zwei Erkenntnisse, die Dr. Heinz H. Menge in seinem neuen Buch vermittelt.

BOCHUM

von Von Sebastian Ritscher

, 18.09.2013
Heinz H. Menge betreibt Sprachforschung für alle

Er liebt das Ruhrgebiet und dessen Sprache: der Bochumer Linguist Heinz H. Menge.

„Mein lieber Kokoschinski!“ heißt das Buch des 69-jährigen Linguisten – und es holt die Sprachforschung aus dem universitären Elfenbeinturm. Aus dem ist Menge raus. „Ich habe vor vier Jahren einen radikalen Schlussstrich gezogen“, erklärt er. Schließlich seien die letzten zehn Berufsjahre stressig gewesen. Auch an Wochenenden hat er gearbeitet, hat Gutachten geschrieben, Arbeiten korrigiert oder Seminare vorbereitet. Mit dem Ruhestand kam die Muße. Muße genug, ein Buch abseits der Wissenschaft zu schreiben.Zufall gab den Anstoß Den Anstoß gab Herausgeber Werner Boschmann. Menge kannte ihn aus seiner Zeit an der Uni. Im Herbst 2012 hat er ihn zufällig in einer Buchhandlung in Langendreer wieder getroffen. „Wir kamen ins Gespräch und er sagte: ,Schreiben Sie doch ein Buch!‘“, erklärt der Wissenschaftler. Der Gedanke an ein Buch für die breite Masse gärte schon länger in dem Linguisten. Ob es ohne die Zufallsbegegnung eine Chance gehabt hätte, ist ungewiss: „Ob oder was daraus geworden wäre, weiß der Himmel.“

Die Idee zum Buch war da und ein Entschluss: „Pro Woche ein Kapitel.“ Der Vorteil des Linguisten: An der Ruhr-Uni hat er sich in Vorlesungen und Seminaren und in vielen Vorträgen mit der Sprache beschäftigt. Aber es gab eine Herausforderung: „Wenn man linguistische Aufsätze schreibt, dann schreibt man anders. Ernster.“ Komplizierter sind sie ohnehin. „Aber ich habe mich schon immer bemüht, verständlich zu schreiben.“ Das hat der Autor sich in 16 Jahren angeeignet, in denen er sich mit Deutsch als Fremdsprache befasste.

Verständlichkeit ist dem Wissenschaftler wichtig. Alleine wegen der Zielgruppe. „Das Buch ist für alle. Sowohl für Experten als auch für Laien, die sich für die Sprache des Ruhrgebiets im weitesten Sinne interessieren.“ Experten und Laien bekommen viel geboten – im Fließtext und in den unterhaltsamen Fußnoten. Menge hört genau hin. Als Inhaber des Bärentickets ist er viel mit Bussen und Bahnen unterwegs, mäkelt über automatisierte Ansagen der Bogestra und lobt die aufgesprochenen Texte in Oberhausener Bussen. Er geht der Beliebtheit der Ruhrgebietssprache auf den Grund, erklärt, warum Bochum mit einem langen „o“ gesprochen wird oder welchen Einfluss das Polnische hat.

Menges erstes Buch im Ruhestand ist ein Kleinod zur Sprache. Ein Wehmutstropfen: „Es ist schade, dass viele Abbildungen nur schwarz-weiß erscheinen konnten.“ Aber vielleicht ändert sich das mal. „Ein neues Buch ist in weiter Ferne. Aber wenn es eines geben sollte, dann zum Thema ,Alltag im Ruhrgebiet‘ – mit vielen Fotos.“  

Das Buch im Handel:
Heinz H. Menge: Mein lieber Kokoschinski! – Der Ruhrdialekt, Henselowsky und Boschmann, 9,90 Euro, ISBN 978-3-942094-36-8