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Helge Schneiders Gebete wurden erhört

BOCHUM Die Titel von Helge Schneiders Programmen ändern sich, doch der Inhalt bleibt immer der gleiche. Das klingt miesepetrig, ist aber durchaus positiv gemeint: Auch in der aktuellen Show des Komikers, "Apokalüze Nau", erwartete den Zuschauer auf der Freilichtbühne wieder das Unerwartete - eine improvisierte Melange aus anarchisch-absurden Geschichten und genial-versponnener Jazzmusik.

von von Max Florian Kühlem

, 24.08.2008
Helge Schneiders Gebete wurden erhört

Ein stilles Gebet für Sonnenschein ? Helge Schneider mit seinem Bassisten Rudi Olbrich.

Wie jeder Improvisationskünstler braucht Helge Schneider dabei Konstanten, ein Harmonieschema, Melodien und Nummern, auf die er immer wieder zurückgreifen kann. So begegnet einem aktuell zum Beispiel der bekannte "Telefonmann". Mit alten und neuen Textzeilen, mit überbordender Spielfreude der Band aus Rudi Olbrich am Bass, Pete York am Schlagzeug und Sandro Giampietro an der E-Gitarre.

Fink und Zeisig

Auch "Udo" ist wieder dabei - kongenial imitiert Schneider am Flügel sitzend Udo Lindenberg und spinnt ein absurdes Gespräch, das im Vogelduett gipfelt: "Ich bin Fink", singt Helge, "und ich bin Zeisig", entgegnet Udo.

Gut aufgelegt wie selten wirkte Helge Schneider in der rappelvollen Freilichtbühne Wattenscheid. Vielleicht, weil sein anfängliches Gebet Gehör fand: Nach starken Schauern fiel kein Tropfen Regen mehr, nachdem der Multiinstrumentalist und seine skurrilen Tourbegleiter die Bühne betreten hatten.

Der Papst heißt Ralf

Wie immer betätigte Schneider sich da auch aufklärerisch: Dass Papst Benedikt XVI. in Wirklichkeit Ralf heißt und lange verheiratet war, lernte man ebenso wie die Tatsache, dass Fernsehen "scheiße ist." Viel lieber begegne der Komiker seinem Publikum "zum Beispiel hier in Wattenscheid, das früher übrigens 'Wattenneschijd' hieß und in Holland lag."

Dass Schneider die Bühne mit einer kleinen Flasche Bier betrat und freudig erklärte, endlich mit dem Trinken angefangen zu haben, passt zum unangepassten Humor des Mülheimers, in dem noch hinter dem größten Blödsinn auch tiefe Wahrheiten lauern. Nach über zweieinhalb Stunden und einer Zugabe erst verließ er die Bühne - vorher hätte ihn auch niemand gelassen.