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Aldi-Räuber aus Lünen gehen brutal und rücksichtslos vor

Raub-Serie geklärt

Eine Bande aus Lünen hat unter anderem die Raubüberfälle auf die Aldi-Märkte in Ascheberg und Herbern im Sommer 2017 begangen. Dabei gingen die Täter brutal und rücksichtslos vor.

Herbern, Lünen

, 12.10.2018
Aldi-Räuber aus Lünen gehen brutal und rücksichtslos vor

Bei den Durchsuchungen entdeckten die Polizeibeamten Gaspistole, Schlagring, Messer und eine Tasche, wie die Täter sie einmal zum Abtransport der Beute benutzten. © Jörg Heckenkamp

„Die Täter hatten eine Waffe dabei, die sie auch einsetzten“, sagte Kriminaloberrätin Jeannette Sostmann bei der Polizei-Pressekonferenz am Freitag, 12. Oktober 2018, in Hamm. Entweder bedrohten sie ihre Opfer mit der Waffe, „zwei Mal schlugen sie sogar mit dem Knauf zu“, so Sostmann. Ein Opfer wurde dadurch so schwer körperlich verletzt, dass es ins Krankenhaus musste.

Motiv der Raubüberfälle war Geldgier

Das rabiate Vorgehen der jungen Täter, heute 21 bis 26 Jahre alt, löste bei den Opfern in den Discountmärkten (3 mal Lidl, 2 Aldi, 1 Penny, 1 Netto) Schocks und Traumata aus. Sostmann: „In einem Fall kam es zu einer langen Periode der Arbeitsunfähigkeit.“ Und das alles aus einem einfachen Motiv, wie Erster Kriminalhauptkommissar Matthias Struhkamp sagte: „Geldgier“.

Aldi-Räuber aus Lünen gehen brutal und rücksichtslos vor

Mit dieser Gaspistole könnte die Täter ihre Opfer bedroht und geschlagen haben. © Jörg Heckenkamp

Insgesamt gehen auf das Konto der Lüner Bande sechs Raubüberfälle auf Discountmärkte in Ascheberg, Herbern, Hamm (3 Mal) und Drensteinfurt. Zeitraum: 8. Mai bis 22. August 2017. Gesamtsumme der Beute: 18.900 Euro.

Dem Haupttäter, ausgerechnet der Jüngste der Bande, der im Tatzeitraum 19 Jahre alt war, konnten die Ermittler sogar noch einen siebten Raubüberfall nachweisen. Am 14. Januar 2017 hatte er mit einem anderen Kumpel einen Netto-Markt in seiner Heimatstadt überfallen.

Wochenend-Ausgang für Überfall genutzt

Zu dem Zeitpunkt saß der damals kokainsüchtige 19-Jährige eine Strafe in der JVA Iserlohn ab. Er hatte an diesem Tag aber Wochenend-Ausgang. „Den nutzte er, um den Markt zu überfallen“, sagte Kriminalhauptkommissar Martin Streubel. Der Ermittler war die treibende Kraft bei der Aufklärung der Raub-Serie.

Die sechs anderen Taten beging der 19-Jährige in dem Zeitraum, als er von einem Freigang aus der JVA Iserlohn nicht zurückkehrte. Das war am 21. April 2017. Festgenommen wurde er dann am 28. September 2017. Zu dem Zeitpunkt war allerdings noch nicht klar, dass er für die besagten Überfälle verantwortlich war.

Aldi-Räuber aus Lünen gehen brutal und rücksichtslos vor

Kriminalhauptkommissar Martin Streubel (l.) ist der leitende Ermittler, der großen Anteil an der Aufklärung der Raubserie hatte. © Jörg Heckenkamp

Den Ausschlag hat letztlich die Ausstrahlung der Raub-Serie im Mai 2018 in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" gegeben. Ein Kripo-Mann aus Dortmund hatte sich die dort gezeigten Fahndungsfotos ausgedruckt und auf seinen Schreibtisch gelegt.

Als er einen neuen Verdächtigen in anderer Sache verhörte, schob er ihm zufällig die Phantom-Bilder hin. Und siehe da: Der Verhörte konnte Hinweise auf die Identität geben. „Ab da konnten wir uns auf die Suche nach den Personen machen“, sagte Streubel. Kommissar Zufall in Reinform.


Polizei schlägt mit großem Aufgebot zu

Nach ausgiebiger Ermittlungsarbeit schlug die Polizei mit einem großen Aufgebot vor gut zwei Wochen zu. Dabei gingen ihnen drei Verdächtige ins Netz, „die alle gestanden haben“. Ein weiterer Verdächtiger wurde einen Tag später festgenommen.

Aldi-Räuber aus Lünen gehen brutal und rücksichtslos vor

Die Pressekonferenz am Freitag, 12. Oktober 2018, im Präsidium in Hamm stieß auf großes Medieninteresse. © Jörg Heckenkamp

Insgesamt geht die Polizei von vier Tätern und zwei Helfern aus für die sechs Raubüberfälle von Mai bis August. Der heute 21-jährige Haupttäter war an allen Überfällen beteiligt, ein 22-jähriger Lünen mit bosnischer Herkunft an vier, ein 26-jähriger Lüner mit türkischen Wurzeln an drei Taten.

Die anderen waren als Helfer aktiv, in dem sie die Täter, die mal zu zweit, mal zu dritt agierten, zum Beispiel chauffierten. Die Bande kennt sich von Kindesbeinen aus der Nachbarschaft in Lünen. Matthias Struhkamp: „Zwei von ihnen kennen sich schon seit der Kita.“

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